Hedgefonds scheinen ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt zu haben. Eine Reihe von Akteuren beabsichtigt, dicke Shortwetten auf die mit Subprime-Fahrzeugkrediten besicherten Anleihen (Auto ABS) zu platzieren. Dies wäre nichts anderes als eine Wiederholung der Ereignisse, die sich in den Jahren vor Ausbruch der Immobilien-, Finanz- und Bankenkrise im MBS-Marktsegment vollzogen hatten. Noch ist jedoch nicht klar, ob die Banken und Wall Street bei diesem potenziellen Geschäft auch mitmachen wollen. Anscheinend will kaum jemand den anbietenden Gegenpart für Kreditderivate im Auto-ABS-Segment einnehmen, weil den Akteuren die Risiken zu hoch erscheinen. Dies zeigt, wie schlimm es um diesen Kreditsektor bestellt sein muss.

Einerseits hat sich das Volumen der in den letzten Jahren vergebenen Subprime-Autokredite in hohem Tempo potenziert. Andererseits wurden die Kreditvergabestandards zuletzt immer laxer, so sich dass die Zahlungssäumigkeitsquote in diesem Sektor bereits seit einiger Zeit nach oben bewegt. Einer Reihe von amerikanischen Geschäftsbanken – darunter auch die Citigroup – sei in den vergangenen Wochen eine Explosion von Anrufen seitens Hedgefonds widerfahren.

Diese Akteure sind zurzeit ganz offensichtlich auf der Suche nach Wegen, auf welche Weise die mit Subprime-Autokrediten besicherten Anleihen ins Nirwana zu schicken sind. Doch die meisten Banken – inklusive Morgan Stanley und der Bank of America – können dieser neuen Geschäftsidee anscheinend nicht viel abgewinnen. Diese Institute weigern sich, im Hinblick auf diese potenziellen Wetten einen Gegenpart einzunehmen. Anscheinend macht man sich in Amerikas Bankenwelt nach den Ereignissen in 2008/2009 Gedanken um die Reputation.

Ist der Ruf erstmal ruiniert,...

Dabei stellt sich mir die Frage: Inwiefern soll der Ruf der Wall Street Banken eigentlich noch in Mitleidenschaft gezogen werden? Ist der gute Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich völlig frei und ungeniert. In etwa auf diese Weise könnte der Slogan mit Blick auf die New Yorker Wall Street heutzutage lauten. Überdies erschweren neue Kapitalvorschriften und andere Regulierungsmaßnahmen nach dem Bankencrash derartige Geschäftstransaktionen. Viele Banken wollen sich diesen Risiken im heutigen Umfeld nicht mehr aussetzen.

Die ablehnende Haltung unter Banken, Hedgefonds und Spekulanten dabei zu helfen, Wetten gegen mit Subprime-Autokrediten besicherte Anleihen abzuschließen, könnte ein Signal dafür sein, dass viele Bankenakteure heute vorsichtiger geworden sind, wenn es darum geht, auf welche Weise deren potenzielle Aktivitäten durch die US-Aufsichtsbehörden bestraft und durch die heimischen Medien zerpflückt werden könnten. Dazu trägt vor allem auch das Auffliegen von zahlreichen Marktmanipulationen durch diverse Großbanken bei.

Der Libor-Skandal ist nur einer, jedoch mit der größte, unter diesen Skandalen. Längst haben US-Aufsichtsbehörden und Mitglieder der Federal Reserve den heimischen Banken damit gedroht, diese zu zerschlagen, falls sich eine Beteiligung an Skandalen und Manipulationen dieser Art in der Zukunft wiederholen sollten. Insider, auf die sich Bloomberg News bezieht, erklärten, dass die Bank of America, Morgan Stanley, Barclays Bank, die Deutsche Bank AG und selbst Goldman Sachs nicht an potenziellen Shortwettenaktivitäten auf mit Autokrediten besicherte Anleihen teilnehmen werden.

Großbanken warnen

JPMorgan Chase rät den eigenen Klienten indes davon ab, sich an derartigen Geschäften zu beteiligen. Gleiches gilt wohl auch für die Citigroup und Wells Fargo. Dabei dürften sich solche Shortwetten als äußerst erfolgreich erweisen, wenn die Blase in diesem Kreditsegment erst einmal platzen wird. Das Volumen der insgesamt ausstehenden Fahrzeugkredite wuchs zwischen den Jahren 2010 und Ende Dezember 2015 um mehr als 50%. Insgesamt belaufen sich die vergebenen Darlehen in diesem Segment auf mehr als $1 Billion.

Dieses schnelle Kreditwachstum könnte signalisieren, dass die Banken im Hinblick auf ihre Kreditvergabe zu laxen Standards gefolgt sind. Resultat ist eine deutlich steigende Säumigkeitsquote unter den Kreditnehmern. Zum Ende des vergangenen Jahres kursierten an den Finanzmärkten rund $175 Milliarden in Form von Anleihen, die einst mit Autokrediten besichert wurden. Dies entspricht einem Zuwachs von knapp 50% gegenüber dem Jahr 2010.

Aufsichtsbehörden in den USA werfen schon seit einiger Zeit ein Auge auf Subprime-Fahrzeugkreditgeber, um Anzeichen für betrügerische Aktivitäten frühzeitig Ernst zu nehmen und diesen nachzugehen. Auch viele Banken widmen ihre Aufmerksamkeit gerade der Art und Weise, wie deren Händler mit Fahrzeugkrediten besicherte Bonds unter internationalen Investoren an den Finanzmärkten platziert haben.

Pendant zur US-Subprimekrise: Aber Geschichte wiederholt sich doch nicht...

Die namhafte US-Bankanalystin Janet Tavakoli warnte bereits vor geraumer Zeit davor, dass viele Autokreditnehmer Fahrzeuge erwerben, die sich finanziell nicht leisten könnten. Aus diesem Grunde schlug Tavakoli vor Ausbruch der Finanzkrise auch frühzeitig Alarm an den Häusermärkten, bevor diese schließlich zusammenbrachen. Ebenso wie damals an Amerikas Immobilienmärkten braue sich gerade ein böser Mix an den Fahrzeugkreditmärkten des Landes zusammen, so Tavakoli.

Einer der Faktoren, der es Shortspekulanten schwierig macht, deren Wetten auf stark fallende Bondpreise abzuschließen, ist die Tatsache, dass im Fahrzeugkreditsegment nur wenig Credit Default Swaps auf ausstehenden „Sicherheiten“ existieren. Derartige Produkte in diesem Segment anzubieten sei schwierig, da nur wenige Banken und Kapitalverwalter Derivative anbieten möchten, welche die eigene Einschätzung zur Grundlage hätten, dass sich diese „Sicherheiten“ in absehbarer Zukunft positiv entwickeln werden.

Shortprodukte: Ungebrochene Nachfrage seitens der Hedgefonds

Daran lässt sich ablesen, wie schlimm es um die Autokreditmärkte in den USA bestellt sein muss. Viele Banken und Kapitalverwalter wollen ganz offensichtlich nicht das Risiko eingehen, am Ende mit Papieren dazustehen, die ihnen im Fall von Auto ABS ein riesiges Loch in die Kasse reißen, das selbst bis zur Insolvenz führen könnte. Trotz allem ist die Nachfrage unter Hedgefonds nach derartigen Shortprodukten ungebrochen groß – und nimmt immer stärker zu.

Warten Sie ab, wo so viel Gier, da auch ein Weg. Schließlich hat man an der Wall Street stets Mittel und Wege gefunden, um sich schamlos auf Kosten von Dritten zu bereichern. Wen schert da letztendlich schon die eigene Reputation, wenn sich die Dinge um zig Milliarden von Dollars an potenziellen Gewinnen drehen, die es einzufahren gilt? Koste es, was es wolle. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich völlig frei und ungeniert!