Die Short-Squeeze-Rallye an den Aktienmärkten hält nach dem scharfen Abschwung in den ersten beiden Monaten dieses Jahres an. Hauptsächlich ausgelöst durch die Bekanntgabe eines Rückkaufs von eigenen Anleihen durch die Deutsche Bank bei gleichzeitiger Bekanntgabe eines Kaufs von 500.000 Anteilsscheinen an JPMorgan Chase durch CEO Jamie Dimon, hat es der Bankensektor nach bereits knappem Unterschreiten einer sehr wichtigen technischen Unterstützungslinie gerade noch einmal geschafft, dem Teufel von der Schippe zu springen.

Nichtsdestotrotz bleibt der fade Beigeschmack, dass die laufende Rallye nicht echt, sondern künstlich ist. Ein durch derartige Manipulationen ausgelöster Short Squeeze wird die Märkte einholen und zu gegebenem Zeitpunkt seinen Tribut einfordern, zudem sich das Smart Money weiter von gehaltenen Positionen trennt. Bei der Großbank HSBC scheint man die Dinge auf ähnliche Weise zu sehen. Denn die Analysten der Bank warnen Investoren vor höchster Vorsicht bezüglich eines „Dip Buy“ an den Aktienmärkten.

"Cash is king"

Und warum? Die Bank begründet ihre Warnung wie folgt: „Bargeld ist König in einer Welt, die unter massiven Schuldenüberhängen leidet.“ Nachdem sich die Aktienmärkte nach dem Ausverkauf im Monat Januar ein wenig stabilisiert hätten, sieht man bei HSBC trotz allem wenig bis gar keine guten Gründe, die eigenen Aktienpositionen nun wieder hoch zu fahren. In den vergangenen Monaten intensivierten sich die Diskussionen über eine Gewinnrezession im Unternehmenssektor der Vereinigten Staaten.

Bei HSBC wird davon ausgegangen, dass diese Debatten auch in den kommenden Monaten anhalten werden. Und gerade weil dies so wäre und davon auszugehen sei, dass sich das Gewinnentwicklungsumfeld im amerikanischen Unternehmenssektor weiter verschlechtern dürfte, gäbe es auch wenig gute Gründe, um im Hinblick auf Aktien bullish zu sein. Solange die Konzerngewinne nicht Anzeichen für eine Trendwende zeigten, sehe man bei HSBC nur ein begrenztes Aufwärtspotenzial im Sektor der Risikovermögenswerte wie Aktien.

Zwar gestalten sich die Bewertungen an den Aktienmärkten laut offizieller Daten wieder ein wenig attraktiver nach dem erfolgten Kursrückgang, doch wer eine Inflationsanpassung vornimmt, erkennt, dass die meisten Kurse nach wie vor fernab von Gut und Böse liegen. Aus diesem Grund dürfte es so genannten Schnäppchenjägern im aktuellen Marktumfeld auch relativ schwer fallen, hart verprügelte Dividendenpapiere auf attraktiven Bewertungsniveaus einzusammeln.

Bei HSBC wird schon gar nicht mehr davon ausgegangen, dass die Bewertungen überhaupt noch eine große Rolle spielen. Immerhin sind die Aktien- und Vermögensmärkte durch die jahrelange Nullzinspolitik der Notenbanken und der reihenweise Verabschiedung von QE-Programmen drastisch verzerrt worden. Bei HSBC sind die eigenen Cashreserven mit Blick auf das Taktikportfolio zuletzt um 11 Prozentpunkte auf 17% hochgefahren worden. Auch ihr verlustreiches Engagement in China-Aktien hat die Bank nochmals deutlich reduziert.

Sorge über dramatischen Schuldenüberhang weltweit

Begründet wird dieser Schritt auf Basis der Tatsache, dass chinesische Dividendenpapiere den Erwartungen der Bank nicht hätten standhalten können. Auch die Trendindikatoren in Bezug auf die Entwicklung der globalen Wirtschaft wiesen nach wie vor nach unten, so HSBC. Aus diesem Aspekt leiteten sich weitere Risiken mit Blick auf die Gewinnentwicklung unter den Konzernen in der Welt ab. Der miese Wachstumsausblick in der Welt steigere zudem auch die Gefahren in Bezug auf politische Risiken.

Eine dieser Gefahren ließe sich zum Beispiel anhand der zu beobachtenden Korrelation zwischen Peripherieländerbonds und den Aktienmärkten ablesen. Denn aus dieser Tatsache resultiere die Schlussfolgerung, dass Investoren einmal mehr besorgt über den dramatischen Schuldenüberhang in der Welt seien.

Auch die Citigroup wies in der vergangenen Woche darauf hin, dass die Risiken in Bezug auf das Einsetzen einer globalen Rezession am Wachsen seien. Auch JPMorgan Chase gab eine Empfehlung ab, den aktuellen Short Squeeze an den Aktienmärkten für Aktienverkäufe zu nutzen. Warum? Begründet wurde diese Empfehlung aufgrund eines wachsenden Rezessionsrisikos in den USA sowie tendenziell weiter rückläufigen Unternehmensgewinnen.