Auf der Seite der Bundesbank findet man zum Stichwort TARGET2 folgenden Hinweis:

TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden. Über TARGET2 fließen pro Tag im Durchschnitt rund 350.000 Zahlungen im Wert von rund 2 ½ Billionen Euro. Das entspricht in etwa dem deutschen Bruttoinlandsprodukt. Während eines ganzen Jahres werden von TARGET2 knapp 90 Millionen Zahlungen in einem Gesamtwert von rund 600.000 Milliarden Euro abgewickelt. Diesen Transaktionen können ganz unterschiedliche Geschäfte zugrunde liegen. Denkbar sind unter anderem die Zahlung einer Warenlieferung, der Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, die Gewährung oder Rückzahlung eines fälligen Darlehens, die Geldanlage bei einer Bank und vieles mehr.

(…)

Fließen beispielsweise einer über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmenden Bank Gelder aus dem Ausland zu, führt dies bei der Bundesbank zu Verbindlichkeiten gegenüber dieser Bank (etwa durch Gutschrift des Betrages auf deren Girokonto). Im Gegenzug entsteht eine Forderung der Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber der sendenden nationalen Zentralbank. Diese wiederum belastet das Konto der sendenden Geschäftsbank. Dies erfordert ein ausreichendes Guthaben an Zentralbankgeld der sendenden Bank. Zentralbankguthaben werden primär durch die geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems bereitgestellt.

Die bei den nationalen Zentralbanken entstehenden Forderungen und Verbindlichkeiten aus einer über den Tag anfallenden Vielzahl solcher Transaktionen gleichen sich normalerweise nicht vollständig aus. Am Ende des Geschäftstages verbleibende Forderungen und Verbindlichkeiten aller an TARGET2 teilnehmenden nationalen Zentralbanken werden gemäß einem Abkommen im Eurosystem an die EZB übertragen und dort saldiert. Die so entstehenden TARGET2-(Netto)-Salden sind demnach das Ergebnis der grenzüberschreitenden Verteilung von Zentralbankgeld innerhalb der dezentralen Struktur des Eurosystems.

Der TARGET2-Saldo in der Bundesbankbilanz geht also im Wesentlichen auf grenzüberschreitende Transaktionen zurück, die Banken betreffen, welche über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmen (über die Bundesbank nehmen auch einige Banken aus anderen EU-Ländern an TARGET2 teil, deren nationale Zentralbanken selbst nicht an TARGET2 beteiligt sind). Er wird einerseits von den Geschäften der Kreditinstitute am Geld- und Kapitalmarkt beeinflusst, beruht andererseits aber auch auf Transaktionen des Nicht-Banken-Sektors, der Zahlungen über das Bankensystem leistet.

In obigem Text habe ich die Worte „gleichen sich normalerweis nicht vollständig aus“ fett hervorgehoben.

Was meint die Bundesbank damit? Was versteht sie unter „nicht vollständig“?

Einen wichtigen Hinweis gibt sie uns dazu in Ihren monatlichen Veröffentlichungen der TARGET2 Salden.

Per 31.10.2012 belief sich die Forderung der Bundesbank gegen die, wie sie sie oben selbst nennt sendenden nationalen Notenbanken in Höhe von 719.351.983.340,29 Euro.

Also rund 719 Milliarden Euro.

Ach so, nur so ein bisschen. Es gleicht sich halt nicht vollständig aus.

Was steckt dahinter?

Wir werden derzeit Zeugen  der größten Vermögensumschichtung  in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Einführung des Euros ermöglichte es Ländern wie Griechenland und Portugal, aber auch Spanien und Italien Kredite zu bis dahin für diese Länder nicht dagewesenen sehr günstigen Zinskonditionen aufzunehmen.

Der Zinsvorteil wurde jedoch nicht eingesetzt, um Schulden zu tilgen oder die industrielle Basis zu stärken. Vielmehr führte der nachlassende Zinsdruck dazu, dass die Gehälter im öffentlichen Dienst gewaltig angehoben wurden und die Produktivität der Arbeitskräfte sank.

Der Import in diese Länder, gerade aus Deutschland stieg an. Der Export dieser Länder ging wegen zu hohen Lohnkosten immer weiter zurück.

Als bei den Kapitalbesitzern, die auch überwiegend im Norden und der Mitte Europas angesiedelt sind, Zweifel über die Bonität und die Schuldentilgunsfähigkeit der Länder im Süden Europas aufkamen, stellten sie die Kreditvergabe ein und fingen an, Ihr Kapital zurück zu holen.

Die Eurokrise war da.

Das Geld floss von nun an aus den Problemländern ab, weil es einerseits von den Investoren zurück geholt wurde und andererseits die Problemländer weiter gerne Produkte aus Deutschland importierten (so ein deutsches Auto hat ja auch was…)

Womit bezahlten und bezahlen denn die Problemländer nun ihre Importe, wenn weder eigener Export erfolgt, noch Geld von privaten Kreditgebern fließt?

Griechenland dürfte nach gängiger Logik gar kein Geld mehr haben. Griechenland ist doch pleite, oder etwa doch nicht? Woher nimmt der griechische Staat das Geld, um seinen gewaltigen Beamtenapparat zu zahlen, obwohl die Kredittranche der Europäer und des IWF noch nicht ausbezahlt ist?

Die Antwort ist banal: Die Notenbanken der Problemländer drucken  neues Geld nach (wobei „drucken“ noch nicht mal bedeutet physisches Papiergeld zu drucken, sondern das Geld virtuell als Giralgeld zu erschaffen).

Nachvollziehbar beschreibt das Hans Werner Sinn in „Die Targetfalle“.

Das funktioniert demnach so:

Der Schuldner im Problemland nimmt bei seiner Geschäftsbank einen Kredit auf. Die Geschäftsbank holt sich das Geld bei ihrer nationalen (z.B. der griechischen) Notenbank. Die griechische Notenbank akzeptiert dafür schlechte, letztlich wertlose Sicherheiten. Die griechische Notenbank holt sich das Geld nun von der Europäischen Zentralbank. Fließt nun das aus dem Nichts geschaffene  Geld von Griechenland nach Deutschland, so entsteht eine Forderung der deutschen Bundesbank gegen die griechische Nationalbank (zwar über den Umweg der EZB, was am Sachverhalt insgesamt nichts ändert).

Was aber hat die griechische Nationalbank zu bieten, wenn die Forderung eingetrieben werden soll? Bestenfalls heiße Luft.

Nun häuft sich bei der Bundesbank TARGET-Forderung auf TARGET-Forderung. Wie wir gelernt haben, gleichen sich diese Transaktionen nicht vollständig aus.

719 Milliarden an Target-Forderungen haben sich angesammelt. Ungefähr 100 Milliarden davon entfallen auf Griechenland. Die TARGET-Forderung steigt aktuell weiter, wie wir Ende November in den Veröffentlichungen der Bundesbank wieder lesen werden.

Die Südländer schaffen die Verbindlichkeiten, die Nordländer die Forderungen.

Um Inflation zu vermeiden nimmt die Bundesbank Kredite bei jenen Instituten auf, die die Spareinlagen der Deutschen verwalten. Also bei Banken und Versicherungen. Dieses Geld reicht die Bundesbank an die EZB weiter.

Die Konsequenz daraus ist, dass die deutschen Ersparnisse zum großen Teil nur noch durch TARGET- Forderungen gedeckt sind.

Mit jeder Lieferung von Produkten des Nordens an den Süden steigt die TARGET-Forderung der Bundesbank. Gleichzeitig wird die Begleichung der Forderungen mit jeder Lieferung unwahrscheinlicher.

Für die Problemländer interessant: Sie schöpfen Geld, um Schulden an die Nordländer, die mit Marktzinsen versehen sind, zu tilgen indem sie diese Altschulden gegen niedrig verzinste TARGET-Schulden tauschen.

In unserem Geldsystem, in welchem Geld durch Schulden entsteht, ist Geld letztlich durch die Bonität des Kreditnehmers gedeckt. Wie steht es nun um die Bonität Griechenlands, Portugals und anderer TARGET-Schuldner? Wie es mit Frankreich unter Hollande weiter geht ist im Moment noch völlig offen. Da der Mann im Wolkenkuckucksheim zu wohnen scheint, ist nichts Gutes zu erwarten. Und Frankreich ist unser wichtigster Exportmarkt in Europa. Wenn die Franzosen dann auch noch ihre Importe über das TARGET-System bezahlen…

Dass im Lichte dieser Abläufe viele Sparer ihr Geld lieber in Sachwerte stecken ist nachvollziehbar. Das können Edelmetalle, Aktien und natürlich auch Immobilien sein.

Laut statistischem Bundesamt wurden in Wohngebäuden von Januar bis September 2012 insgesamt 156 600 Neubauwohnungen genehmigt, das waren 6,3 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark stieg die Zahl der Baugenehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+ 14,0 %). 

Das zeigt die klare Präferenz der deutschen Anleger.

Auf den ersten Blick sind Immobilien überzeugend: niedrige Zinsen, nach unten abgesicherte Mieten, fast 15 Jahre verhaltene Bautätigkeit in Deutschland. Cash Flow durch Mietzahlungen.

Die Immobilie als Renditeobjekt (ich rede hier von zu vermietenden, NICHT von selbst genutzten Objekten) scheint sich als Altersversorgung geradezu aufzudrängen.

Viele Sparer und Investoren werden ab den nächsten 12 bis 17 Jahren auf ihr angespartes Vermögen oder die Erträge daraus angewiesen sein, um ihr Rentnerdasein genießen zu können.

Ein kleines Gedankenspiel an dieser Stelle sei gestattet:

Der  Prozess müsste umgedreht werden, damit die Problemstaaten ihre Verbindlichkeiten bedienen können. Das heißt, aus den Schuldnerländern müssten starke Exportnationen werden. Und Deutsche müssten ihren Urlaub wieder verstärkt in Griechenland verbringen. Dies ist nur möglich, wenn die Schuldnerländer gewaltig abwerten, also billiger werden. Nur warum sollten sie das tun, solange sie sich billiges Geld über das TARGET-System besorgen können? Angenommen die Problemländer im Süden schaffen es nicht, ihre Volkswirtschaften auf Vordermann zu bringen und die Forderungen gegen sie können nicht eingetrieben werden, dann bedeutet dies die Vernichtung erheblicher Teile des Sparvermögens.

Wie immer man es dreht und wendet, das Problem der Bundesbank wird zum Problem der Sparer und Steuerzahler.

Die Sparer können ihr Erspartes weder für sich noch für ihre Kinder und Enkel ausgeben, da hinter den Luftbuchungen im Target-System keine reellen Werte stehen.

Dies trifft dann auch den Immobilienmarkt. Mieter, die schwach auf der Brust sind, können nur niedrige Mieten zahlen, die Zahl der Käufer schrumpft. Wer möchte Immobilien kaufen, die mit einer Zwangsabgabe belastet sind? Mieter werden durch die ansteigenden, auf sie umlegbaren Nebenkosten wie Grundsteuer so belastet, dass reelle Anhebungen der Nettomiete für längere Zeit nicht möglich sind.

Dies hat Auswirkungen auf die Immobilienpreise, die ja bekanntlich durch Angebot und Nachfrage gebildet werden. Bei geringer oder vielleicht sogar keiner Nachfrage, sinkende, möglicherweise drastisch fallende Preise.

Vielleicht erleben wir gerade den Beginn einer Immobilienblase in Deutschland. Das mag ja heute noch ganz anders und fröhlich aussehen und ein paar Jahre gut gehen. Irgendwann platzen alle Blasen.

Die Beurteilung bleibt jedem selbst überlassen.

Was sind die Alternativen, um sein Kapital zu schützen?

Suchen wir nach echten Alternativen, dann bedeutet dies: Immobilien dort, wo die Staaten nicht den Eindruck machen, sehr bald ihre Häuslebauer schröpfen wollen. Edelmetalle sollte  man immer haben und Anteile an soliden Unternehmen dann kaufen, wenn sie günstig sind.

Dieser Beitrag ist keine Prognose für die Zukunft des Immobilienmarktes. Er zeigt jedoch Fakten auf, die nicht ignoriert werden und in Anlageüberlegungen mit einfließen sollten.

Die Beurteilung bleibt jedem selbst überlassen.

Da ich über keine funktionierende Kristallkugel verfüge, ist das Zukunftsszenario eben nur eine Möglichkeit von vielen.