Es liegt an den vielen Meldungen über die ständig steigenden Preise für Wohnimmobilien generell, dass viele von denen, die noch nicht gekauft haben, dies aber gerne bald tun möchten, ins Grübeln kommen. Sie fragen sich nämlich, ob ihr Sparen auf einen Haus- oder Wohnungskauf hin lohnt bzw. sinnvoll ist, oder ob sie hinsichtlich der ihnen davon laufenden Preise nicht jetzt schon vorzeitig zugreifen sollten und dann die Sparprozesse quasi nachholen. Sie haben jedenfalls das Gefühl, dass sie gar nicht so schnell sparen können wie die Preise steigen und ihnen ständig weglaufen.

Noch keine Trendumkehr bei den Preisen

Dazu einige aktuelle Zahlen vom Verband der Pfandbriefbanken vdp, der es ja eigentlich wissen muss. Und diese sind, zumal es sich natürlich um Durchschnittswerte handelt, gar nicht so dramatisch, wie es manche Headlines in der Presse (Immobilienblase!!) glauben machen wollen. Aber dabei handelt es sich dann auch regelmäßig um die Preisentwicklung in den begehrten Ballungsgebieten. Doch spricht auch der vdp von einer sehr dynamischen Preisentwicklung auf den Wohnimmobilienmärkten und sieht noch keine Trendumkehr. Gegenüber dem Vorjahresquartal verteuerte sich selbst genutztes Wohneigentum nach seinen Angaben um 4,7 Prozent, Mehrfamilienhäuser um 8,0%, Büroimmobilien um 5 und Einzelhandelsimmobilien um 1,5%.

Auch ohne viel Eigenkapital gesund finanzieren

Doch helfen diese Durchschnittsziffern dem, der Wohneigentum kaufen will, nicht wirklich weiter. Er  fragt sich, ob denn nicht ein vorgezogener Haus- oder Wohnungskauf mit einem dann nur geringeren Eigenkapitalanteil und damit einer höheren Schuldenlast nicht bei richtiger Finanzierung zu den derzeit lächerlich niedrigen Zinsen meist mehr als ausgeglichen wird. Eine sicher ernst zu nehmende Überlegung, bei der dann aber wirklich alles stimmen muss, von der richtigen Art der Finanzierung (Laufzeit, Tilgung etc.) bis hin zur Abdeckung aller nur vorstellbaren Gesundheits-, Arbeitsplatz- und Todesfall-Risiken etc., nicht zu vergessen das Alter der Häuslebauer. Motto: Je älter, desto solider sollte die Finanzierung sein.

Knackpunkt ist eine überschaubare Belastung

Bei dieser Herangehensweise wird quasi der früher übliche Vorbehalt bzw. Wunsch, doch mindestens einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 25 % für das ins Auge gefasste Objekt mit zu bringen, ersetzt durch eine auf den Leib geschneiderte Finanzierung, bei der die Belastungen für den Haushalt überschaubar und tragbar sind. Was wirklich die Frage aufwirft, welche Vorgehensweise – heutzutage und vor dem Hintergrund der Billigstzinsen - sinnvoller und sicherer ist. Es muss halt nicht der höhere Eigenkapitalanteil sein.

Noch sieht der vdp keine Trendumkehr in der Preisentwicklung. Aber was ist denn, wenn dann doch einmal - regional durchaus hier und da zu beobachten - die Preise ins Rutschen kommen? Gerät dann der Ohne-Eigenkapital-Finanzierer nicht in Schwulitäten? Aber wieso eigentlich? Seine Finanzierung steht fest auf Jahre oder bis zur völligen Schuldentilgung, seine Belastung ändert sich nicht. Wenn sein Finanzierungspaket sinnvoll und durchdacht geschnürt ist, kann das Bündel sicherer sein als bei einem Käufer mit 30 Prozent Eigenkapital aber ansonsten nicht optimaler Finanzierung oder einer in Relation zum Familieneinkommen höheren Belastung durch das Wohnobjekt.

Lebensqualität ist auch Rendite

Außerdem: Wer mit seiner Familie in seinem Häuschen wohnt, bemerkt doch Preisveränderungen an den Märkten üblicherweise gar nicht. Für Wohnungen oder Häuser gibt es keine tagtäglichen Börsenpreise, zumal jedes Objekt anders ist, somit also die Fungibilität, die Austauschbarkeit wie bei Aktien oder Anleihen fehlt. Und wenn dann alles einmal zurückgezahlt ist, ist die Freude um so größer.

Ferner sollten Neu-Immobilienbesitzer ihr „Objekt“ nicht, zumindest nicht nur, unter Renditeaspekten sehen. Die eigenen vier Wände bringen Zufriedenheit, bringen Lebensqualität für die ganze Familie. Memento: „Eigener Herd ist Goldes wert“ oder der Spruch unserer britischen Freunde: „My home is my castle“. Soll heißen: Hier kann mir jeder mal den Puckel runter rutschen.

Und wer unbedingt in München am Stachus oder in Frankfurt im Westend wohnen will, der muss halt „zücken“.

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