Die Börsenpsychologie zu nutzen, um chancenreiche Trendwenden am Kapitalmarkt zu definieren, hat sich in der Vergangenheit vor allem für Rohstoffe ausgezahlt. Heute möchte ich Ihnen ein kurzes Update unterschiedlicher Rohstoffe geben, um aufzuzeigen, wo ein Ende der Talfahrt ausgemacht sein könnte.


Erst Anfang Mai haben wir hier Kupfer, Holz und Erdgas für Sie analysiert. Alle drei Empfehlungen haben sich als richtig erwiese. Der Holzpreis gewann innerhalb einer kurzen Rallye daraufhin stolze 20%. Erdgas konnte bis in die spitze immerhin noch um 8% zulegen und auch die Empfehlung beim Kupfer mit weiteren Long-Positionen vorsichtig zu werden war bei einem damaligen Preis von 6.400 US$ exzellent, da hier tatsächlich ein Hochpunkt ausgemacht wurde. Heute steht der Kupferpreis bei nur noch lediglich 5.240 US$. Das man diese Wendepunkte anhand dieses Ansatzes stets derart präzise trifft, ist natürlich nicht immer gegeben, nichtsdestotrotz untermauert es einmal mehr die Wirksamkeit der Strategie.

Gold – Nur die Insider schlagen zu

Gold gehört in den Medien derzeit wohl zu den Basiswerten, die sich der höchsten negativen Berichterstattung ausgesetzt sehen. Dies lässt darauf schließen, dass es sich derzeit um einen finalen Ausverkauf handelt, bei dem auch wirklich der letzte Gold-Bulle seine Position aufgibt. Die folgenden Grafiken veranschaulichen dies sehr wirksam. Angefangen mit den Hedgefonds, bei denen erkennbar ist, dass diese nichts mehr mit Gold zu tun haben wollen. Die untere Kurve der beiden Grafiken zeigt dabei auf, dass diese ihre Long-Positionen immer mehr abbauen. Immer wenn dies in der Vergangenheit der Fall war (siehe Ende 2013, Sommer 2014 oder auch Ende 2014/Anfang 2015), konnte sich der Goldpreis daraufhin wieder ein wenig erholen, auch wenn man den langfristig intakten Abwärtstrend natürlich nicht leugnen sollte.

Die sogenannten Anlagestrategen, denen viele Privatinvestoren ihr Geld anvertrauen sind sehr ähnlich gestrickt wie die spekulativen Hedgefonds. Auch hier macht sich eine ähnlich hohe Abneigung in Form immer weniger Gold-Bullen bemerkbar.

Der Geniestreich der Strategie kommt in Form der wahren Marktinsider, die aus Produzenten & Händler bestehen und den Markt höchstwahrscheinlich besser kennen als jeder spekulative Teilnehmer. Diese arbeiten als Trendfolger oder auch Frühwarnindikator nämlich genau umgekehrt, kaufen wenn der Markt billig ist und steigen aus, sobald dieser aus Expertensicht überteuert wirkt. Hat man sich diese extreme Long-Positionierung in der Vergangenheit zu Eigen gemacht, konnte man frühzeitig (immer in Kombination mit negativer Haltung bei den Spekulanten) am Aufwärtstrend partizipieren. Zuletzt war dies z.B. Ende 2014 der Fall. So bullish wie heute waren die Insider hingegen zuletzt im August 2013 nachdem der Kursverfall beim Gold ein Ende nahm.

Kupfer: Nach Short Bewegung nun der finale Ausverkauf?

Die Konstellation beim Kupfer zeigt derzeit ein ähnliches Bild wie die des Goldes. Spekulanten in Form von Beratern oder auch Hedgefonds gehen raus und verabschieden sich von einem Investment im Industriemetall, wie die folgenden beiden Grafiken verdeutlichen.

Genau gegenteilig bewegen sich auch hier die Produzenten & Händler, die ihre Positionen zunehmend aufstocken. Als exzellentes Beispiel lässt sich hier die Konstellation zu Anfang des Jahres heranziehen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Hedgefonds ebenfalls schwach investiert, die Anlageberater (hier US-Advisor) extrem bearish, die Produzenten & Händler hingegen stark engagiert. Genau ein solches Verhältnis sehen wir auch heute beim Kupfer, weswegen es sich auch hier um den finalen Ausverkauf handeln könnte.

Rohöl: Hedgefonds verbrennen sich die Finger

Sei es WTI oder auch Brent, beide Sorten Rohöl haben sich in den vergangen 12 Monaten keiner großen Beliebtheit bei Investoren erfreut. Der starke Absturz seit August 2014 hat auch mich erwischt, da ich hier ins fallende Messer griff und zu früh erneute Long-Engagements aufbaute. Enge Stopp’s bzw. eine proaktive Beobachtung können dahingehend helfen, um Verluste zu begrenzen. Die Stimmung lässt zum WTI-Markt derzeit kein klares Bild zu. Das Handeln der Hedgefonds hingegen zeigt einmal mehr, warum dieser Ansatz (wenn man sich auch in die Gedankengänge der Akteure hineinversetzt) derart spannend ist.   Als Rohöl wirklich auf dem absoluten Tief bei unter 45US$ war, war kaum noch ein alternatives Investmentvehikel investiert. Der Ölpreis zog wieder an und die Hedgefonds haben massiv auf eine Korrektur spekuliert, sind in einer unfassbaren Geschwindigkeit wieder eingestiegen und haben bei höheren Kursen um die 61-63US$ ihr Long-Engagement stark erhöht. Dumm nur, dass hier bereits ein Hochpunkt ausgemacht war. Als also alle Hedgefonds wieder auf dem Weg zu höheren Preisen dabei sein wollten (die Long-Seite war also dementsprechend überhitzt), ging es postwendend wieder nach unten.

Unterm Strich:

Gold: Die Hedgefonds und Anlageberater sind extrem pessimistisch, wohingegen die Trendfolger uns aufzeigen, dass sie bereits wieder stark Long-Investments aufbauen und an einen steigenden Goldpreis glauben, weswegen man ab dem Beginn einer Seitwärtsphase (also dem Ende des jüngsten Abwärtstrends) wieder an steigende Kurse glauben darf.


Kupfer: Ein ganz ähnliches Bild wie beim Gold mit Bären auf der spekulativen Seite und Bullen auf Seiten der Marktinsider haben wir auch beim Kupfer. Der Griff ins fallende Messer ist zwar stets nicht ratsam, weswegen man auch hier eine Seitwärtsbewegung abwarten sollte. Sobald diese eintrifft, stehen jedoch auch hier alle Zeichen auf Go für wieder anziehende Kurse auf kurz- bis mittelfristiger Basis.

Beste Grüße


Ihr Andreas Meyer



Quelle: www.am-capital.de

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