Vor gar nicht allzu langer Zeit zeigten sich Investoren und Finanzmarktcheerleader davon überzeugt, dass der chinesische Immobilienentwickler Kaisa über ein gesundes Bilanzbuch verfügen würde. Noch im 1. Halbjahr 2014 zählte die in Shenzhen ansässige Firma zu einem der mit den besten Kreditbonitäten versehenen Immobilienentwicklern des Landes. Wie schnell sich die Zeiten ändern können, zeigt der jähe Absturz des Unternehmens, der die Sorgen vor einem Immobilienbust in China vergrößert.

Vor etwas mehr als einer Woche war es dann soweit. Ausgerechnet die Kaisa Group avancierte zur ersten chinesischen Immobilienfirma, die einen Zahlungsausfall auf ihre Auslandsschulden erklärte.

Die Meldung, laut der Kaisa Group Zinszahlungen in Höhe von knapp $130 auf eine ausstehende Auslandsanleihe in einem Gesamtvolumen von $500 Millionen nicht mehr leisten konnte, erfolgte wie ein Paukenschlag.

Nun, vielleicht mag sich diese Entwicklung endlich einmal als schallende Ohrfeige für diejenigen „Investoren“ und Spekulanten entpuppen, die sich in den vergangenen Jahren weltweit auf Renditejagd befanden.

Ähnliche Dinge zeichnen sich momentan an den globalen Junkbondmärkten ab. Und in eben jene Kategorie lässt sich der nun erklärte Zahlungsausfall von Kaisa einordnen.

Es begab sich im Jahr 2013, in dem Kaisa zusammen mit einer anderen chinesischen Projektentwicklerfirma namens Country Garden einen Gemeinschaftsbond über $1,25 Milliarden emittierte.

Man muss sich vorstellen, dass dieses Papier mit einem Zinscoupon von 10,28% damals Gebote in einer Gesamthöhe von knapp $30 Milliarden erzielte. Das einstige Versprechen seitens Kaisa, den gemeinsam mit Country Garden begebenen Junkbond stets zu bedienen, entpuppte sich – wie wir spätestens jetzt wissen – als Schimäre.

Noch bis vor Kurzem sahen die Dinge gar nicht einmal so schlecht aus. Noch im Juni 2014 gab die Kaisa Group bekannt, über mehr als $1,52 Milliarden an Cashreserven zu verfügen. Noch zu Jahresbeginn (demnach also vor etwa 2 Wochen) wurden diese Cashreserven auf einen Betrag von etwas mehr als $770 Millionen taxiert.

Komisch war allerdings, dass die Aktie der Kaisa Group bereits im Dezember vom Handel ausgesetzt wurde. Bis zu dieser Handelssuspendierung war das Papier von Kaisa innerhalb von nur kurzer Zeit bereits um fast 50% im Wert eingebrochen.

Hätte Kaisa zum Jahreswechsel tatsächlich über Cashreserven von $770 Millionen verfügt, wäre es überhaupt kein Problem gewesen, den Zinsdienst von $130 Millionen auf die fällig werdende Auslandsanleihe zu leisten.

Auf Basis der aktuellen Entwicklungen darf jedoch getrost davon ausgegangen werden, dass es sich im Fall der Kaisa Group um einen Betrugsfall handelt. Es waren nämlich nicht der allgemein zu beobachtende Abschwung an Chinas Immobilienmärkten oder der Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums, die zu den heutigen Ereignissen führten.

Vielmehr hätten die Warnlampen unter Spekulanten schon im Dezember angehen müssen. Vor Weihnachten publizierte die Firma ein ominöses Statement, nachdem die wichtigsten Personen in der Führungsriege das Unternehmen bereits verlassen hatten.

Wie es damals hieß, werde der Cashflow der Kaisa Group durch Probleme in Bezug auf eine durch Regierungsbehörden verzögerte Erteilung von Baugenehmigungen beeinträchtigt. Doch diese Entwicklung begann bei Licht besehen bereits im Oktober letzten Jahres.

Just zu einem Zeitpunkt, zu dem die Pekinger Staatsführung weitreichende Ermittlungen gegen offizielle Repräsentanten der Lokalbehörden von Shenzhen einleitete. In den meisten dieser Ermittlungen ging und geht es natürlich um Korruption an den Häusermärkten...den Rest dieser Geschichte können wir uns denken.