An die immer sinnloser werdenden Schwafeltermine der Zentralbanken hat man sich langsam unter Schmerzen gewöhnt. Jetzt fügen die OPEC und ihre lieben Freunde dem Reigen weitere Termine hinzu. Man darf gespannt sein, wann nach der Debatte um mikroskopische Zinsfragmente und schmierige Förderquoten auch die monatliche Festlegung der Kontoführungsgebühren es endlich in die Tagesschau geschafft hat…

Das Treffen der Ölproduzenten in Doha, dass unter lautem Mediengetöse erst angekündigt, dann abgehalten wurde und dann scheiterte, wurde umgehend durch einen Streik in Kuwait ins rechte Licht gerückt. An diesem Wochenende hätten die Ölhelden sich auch in den Dünen die Zeit vertreiben können. Wieder zwei Tage, die die Herren nicht zurückbekommen.

So träumen die Ölplaner ähnlich wie die Finanzplaner der Zentralbanken von der bürokratischen Steuer ung der Preise und vergessen dabei, wie sehr in der Realität der Druck auf einzelnen Firmen lastet, die nur noch von Zinstermin zu Zinstermin denken können. Wer dabei ist zu ertrinken, der macht sich nicht noch rasch die Haare schön. Schon früher hat es mit dem Ölpreiskorridor nicht so richtig geklappt, aber das ist mehr als drei Jahre her und damit der hartnäckigen Geschichtsabneigung der Finanzmarktteilnehmer zum Opfer gefallen. Ähnlich wie das System fixer Wechselkurse bekanntlich auch die „Ölpreisschlange“ nach eingen Jahren zu Staub zerfallen.

Anstelle von immer mehr Treffen mit immer mehr Personen, die immer mehr heiße Luft und Kosten verursachen, wäre allen damit geholfen, wenn man sich etwas mehr Mühe mit einer zeitnahen Datenerhebung machen würde. Daten zur Kapaztitätsauslastung von Tankfarmen nur alle paar Monate herauszugeben oder auch die Zahl der oil-rigs (Bohrstellen) grafisch darzustellen, ohne dabei darauf einzugeben, wie viele oil-wells (Förderköpfe) aktiv sind, ist wenig hilfreich bei der Preisfindung. Über die entsprechende Volatilität darf man sich daher nicht beklagen.

Dem einen oder anderen mag die erhöhte Schwankungsbreite auch zum Vorteil gereichen. Im Jahr 2016, in dem jeder Privatmann mehr oder weniger genau den Weg seines beim Online-Händler in Neuseeland bestelltes Paar Schafswoll-Socken per Mobiltelefon in 3D über den Globus verfolgen kann, dürfte auch eine etwas zeitgemäßere Datenerhebung im Ölsektor im Bereich des möglichen liegen.

Die zeitlich verzerrte Datenlage und die üblichen Überraschungen, wie der eine oder andere Streik, ein in die Luft fliegendes Tanklager oder ein schwer einzuordnendes Wüsten-Scharmützel hier und dort ergeben ein buntes Bild, dass die Prämissen der Theorie der effizienten Märkte sehr effizient der Lächerlichkeit preisgibt. Wer ernsthaft davon ausgeht, dass alle Marktteilnehmer im Ölmarkt den gleichen Informationsstand haben und sich auf Basis der gleichen Zielsetzungen entscheiden, der hat die Grenze von der Forschung zur Klapsmühle gleich um mehrere Meter überschritten. Aber wer gibt schon gerne lieb gewonnene Theorien auf, einfach mal sitzen bleiben.

Ein bisschen wie die nicht hinterfragte Theorie ist das nicht hinterfragte passive Anlageprodukt. Vor allem im Rohstoffsektor gibt es zu viele Facetten, um langfristig mit „kaufen und liegenlassen“ glücklich zu werden. Allein die Zunahme des Einflusses von Finanzunternehmen und Fonds im Rohstoffsektor an sich sorgt ihrerseits für bemerkenswerte Auswirkungen. Der Verwalter eines Öl-ETF handelt schlicht nach seinem ihm vorgegebenen Anlageprozess. Zu einem festgelegten Zeitpunkt werden die genutzten Futures auf den nächsten Fälligkeitstermin gerollt. Ein technisches Phänomen wie ein Engpass bei den Lagerkapazitäten spielt in diesem Prozess keine Rolle. War was? Ist was? Egal! Man darf gespannt sein, was die Vehikel treiben, wenn es zu einem solchen Engpass kommt. Die Rollverluste bei dann massivem Contango sollten sehr unangenehm sein. Das muss natürlich nicht passieren, wenn es aber stattfindet, dann dürften viele neu über die Teilnahme von Finanzfirmen am Rohstoffmarkt neu nachdenken. Man muss dann, wie es auf Schwafeldeutsch heißt, „alles ganz neu denken“. Viel Spaß. Der Zwang vieler ETFs zum Rollen der von ihnen gehaltenen Kontrakte in einem eingeschränkten Zeitfenster kann für einen massiven Druck sorgen. Froh ist in diesem Fall wer ein bisschen eher gerollt oder seine Positionen geschlossen hat. Viele passive Fonds haben diese Flexibilität nicht.

Zu den Zentralbanken darf man anmerken, dass es wohl auch die Ungeduld ist, die alles auch bei geschlossenen Ohren und Vermeidung der Pressekonferenzen so anstrengend macht. Warum kauft nicht einer der entschlossenen älteren Damen und Herren einfach mal alles. Oder hat sich möglicherweise jemand mal die Frage gestellt, was man eigentlich mit dem Problem des abnehmenden Grenznutzens macht. Je mehr Assets eine Zentralbank hält, desto weniger des kurssteigernden Effektes weiterer Maßnahmen kommt bei allen anderen Anlegern an. Wenn man irgendwann alles außer einer einzelnen Aktie hält – zugegeben eine recht theoretische aber sehr interessante Annahme – dann hat eine weitere Steigerung der Aktienkurse lediglich für den einen Anleger, der dieses Papier hält einen positiven Effekt. Zig Billionen Kurswertsteigerung und bei Peter Schmidt kommen 30 Pfennig Kursanstieg bei seiner Thyssen-Akie an. Wenn man dann wirklich alles gekauft hat, kann man es nach der Währungs-, Finanzmarkt- und Regierungsformreform wieder verteilen. Neben 40 Mark bekommt dann jeder Bürger einen kleinen Zettel oder eine digitale Nachricht (nicht löschen, bitte) mit seinem Anteil am verschmolzenen Volkseigentum. Dann wird die Welt so was von gerecht, das kann man sich noch gar nicht vorstellen. Einfach toll. Da gibt es doch keinen Grund pessimistisch zu sein, nur weil man es noch darf.

Beitrag senden Beitrag drucken