Der Finanzmarkt und seine diversen Begleiterscheinungen im TV und in so genannten Wirtschafszeitungen haben einen hohen Unterhaltungswert. Wortreich und von bunten Bildern und Videos begleitet wird ein Inhaltsreichtum suggeriert, den es leider nicht gibt…

Der große Teil der Sendezeit und Druckseiten dreht sich um die immer gleichen Argumente. Oft ist es nur schlecht getarnte Werbung im Gewand der Information.

Die meisten Medien dienen lediglich als Trägermasse für direkte und indirekte Werbung. Fernsehsendungen zu Finanzthemen sind ein interessantes Beispiel. Die immer gleichen Personen unterhalten sich zu den immer gleichen Themen mit dem immer gleichen Ergebnis, wie sinnvoll doch die Riesterrente oder ähnliche Konstruktionen sind. Die großen Asset Manager und Versicherungen lachen sich angesichts der massiven steuerfinanzierten und langfristig einzuplandenen Mittelzuflüsse scheckig. Schauen Sie doch mal spaßeshalber nach, was Walter Riester heute so treibt.

Welch bizarre Annahmen die Basis für so manche Argumentation etwa bei der „kapitalgedeckten“ Rente bilden, ist erschreckend. Unser liebstes Beispiel ist derzeit eben diese neue Hoffnung der Rentenplaner. Generell halten wir es für eine gute Sache, wenn Menschen sich mit den verschiedenen Formen der Geldanlage ausführlich beschäftigen. Die politisch eingefärbte Diskussion um dieses Thema basiert allerdings auf dem Prinzip Hoffnung und lässt sich schnell zusammenfassen. Das staatliche Umlagesystem mit der Basis aus Abgaben und der mittlerweile enormen Quersubventionierung aus Steuern funktioniert dauerhaft nicht. Es ist wie mit der Zahnzusatzversicherung. Jeden Monat 5 Euro zahlen und dann mit 60 fünf Implantate zum Stückpreis von 2000 Euro für lau in den Kiefer hämmern lassen wäre toll hinterlässt aber ein Defizit. Wer daran glaubt, obwohl er mit einem Bleistift und einen Zettel umgehen kann, der benötigt vermutlich mehr als einen neuen Zahn.

Das Scheitern des staatlichen Rentensystems möchte man nun durch einen Ausbau des Anteils der Kapitalmarktinvestitionen der zukünftigen Rentner ausgleichen. Eine nette Idee, die nur den Haken hat, dass der Finanzmarkt kein Interesse daran hat, dass jemand einen bestimmten Ertrag einfährt, nur weil er jeden Monat 50 Mark einzahlt. Das ist ebensowenig die Funktion eines Finanzmarktes wie es die Aufgabe der Bundesliga ist, dass alle die mitspielen einmal Meister werden. Es gibt Dekaden, da funktioniert das wunderbar, in anderen Zeiten scheitert die Idee grandios. Zum großen Zyklus gesellt sich das Problem des Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt. Kommt der Crash im ersten Ansparjahr, tut es nicht weh und man kauft günstiger nach. Kommt der Crash im letzten Jahr vor der Rente, ist die Hälfte der Kohle futsch, vielleicht auch mehr. Auch der DAX ist schon mal 75% gefallen. Eine Übertreibung? Möglich. Eine Realität? Ja. Hilft es wenn eine Realität nicht angemessen erscheint? Nein.

Manche Anleger verloren auch 90%, ein Desaster, dass sich schon rein technisch kaum oder nur in sehr langen Zeiträumen aufholen lässt. Mit dubiosen Prognosen, die von 5% pro Jahr oder mehr ausgehen, suggeriert man eine Sicherheit, die es nicht gibt und nicht geben kann. Wohin eine zu starke Abhängigkeit von Kurssteigerungen führt zeigt die absurde Politik der Zentralbanken und die ständigen hektischen Versuche der Politk und des Regulieres, Anleger mit den Vorteilen der Finanzmärkte zu erfreuen, ihnen aber die Kehrseite zu ersparen. Das funktioniert nicht. Wer viel Sport macht und viel isst und lässt fortan den Sport weg, der kann dieses Prinzip schnell am eigenen Leib erfahren. Das „Auf“ und das „Ab“ sind zwei Seiten der selben Medaille. Aber wenn alle vom Kapitalmarkt abhängen oder sich das einreden, dann ist es problematisch, wenn die Aktienmärkte 50% korrigieren Dabei ist das ein ganz normaler Vorgang in naturgemäß zyklischen Märkten.

Begleitet wird das Spektakel der Rentenplaner medial und durch „Analysen“ der Firmen, die auch die Anlageprodukte verkaufen. Viel Erhellendes kommt dabei nicht heraus. Während die Mehrheit der Marktteilnehmer standardisierten Sprüchen der Finanzmarktunterhalter hinterherläuft und sich dabei einredet, dass „die Zinsen“ zu niedrig sind und „die Aktien“ die einzige Alternative sind, verschiebt sich die Attraktivität verschiedener Anlageklassen laufend. Man muss nicht in auf dem Globus schwer zu findende Schwellenländer blicken, um das Problem dieser selbst angelegten Scheuklappen zu erkennen. Man redet munter von Nullzinsen, die ja nun allüberall das Problem seien. Wer sich jedoch allein die relevanten Zinssätze von US-Staatsanleihen oder Unternehmenspapieren anschaut, der erkennt, dass die bizarrsten Verzerrungen ein europäisches und japanisches Problem sind. Das bedeutet nicht, dass diese Problematik sich nicht ausbreiten könnte, jedoch muss man zwischen Situationsbeschreibung (Realität) und Prognose (mit rund 50%iger Wahrscheinlichkeit falsch) unterscheiden.

Zum Thema Prognosen muss man nicht allzu viel sagen, hier helfen Bilder weiter. Wie wäre es mit den Wachstumsprognosen der Auguren des IWF?

Das ist ein beliebig ausgewählter Chart, sie können auch bei den nationalen Notenbanken oder in den Papierstapeln der Aktienanalysten wühlen. Ein Großteil der historischen Rückblicke sieht ähnlich aus, ein Grund, warum man die Prognosen der Vergangenheit in der Regel weglässt.

Wer vor allem mit dem dümmlichen Wiederholen von bei anderen gelesenen Argumenten beschäftigt ist, dem ist dieser laufende Wandel möglicherweise entgangen. Für den interessierten Anleger gilt die alte Regel. Bei Weisheiten, die viele mit großer Selbstverständlichkeit wiederholen ohne sie mit Daten begründen zu können, ist Vorsicht angebracht. An vielen Stellen herrscht in der Branche ein großes Defizit schon bei der technischen Funktionsweise vieler Produkte und Mechanismen. Wenn man jeden, der wenn es gerade en vogue ist behauptet, dass die Welt auf Grund von Credit Default Swaps (oder anderen Produkten) in die Luft fliegen wird, wie genau diese Produkte funktioniere oder wie das Settlement funktioniert. Stellen Sie die entsprechenden Fragen auch den Schreibern der kommentierenden Gazetten, Oft stellt sich die wenig überraschend die alte Einsicht ein: Lautstärke ist kein Gradmesser für den Qualitätsgehalt von Aussagen.

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