Der zunehmende Stresslevel an den Junkbondmärkten betrifft nicht mehr nur die Emittenten des Öl- und Gassektors, sondern springt nun auch auf andere Wirtschaftsbereiche über. So warnte die Ratingagentur Moody´s Investors Service zuletzt davor, dass der eigens berechnete Liquidity Stress Index im Januar auf ein 6-Jahres-Hoch geklettert ist. Mit einer zunehmenden Ausfallwelle unter den Emittenten lässt sich rechnen. Dies dürfte aber noch längst nicht alles sein. Denn wenn die Verlustabschreibungen unter Amerikas Banken erst einmal beginnen – und diese bilanzwirksam werden – dürften sich die Probleme potenzieren.

So verzeichnete der Liquidity Stress Index für die Junkbondmärkte einen Sprung von 6,8% im Dezember auf 7,9% im Januar. Daraus resultiert nicht nur der stärkste Monatsanstieg seit März 2009, sondern auch das höchste Indexniveau seit Dezember 2009. Das Barometer misst die Anzahl der Unternehmen, die durch Moody´s mit der niedrigsten Liquiditätseinschätzung versehen sind.

Liquiditätslage bei Emittenten verschlechtert sich

Der Index steigt, wenn eine größere Anzahl von Emittenten in diese Kategorie eingestuft werden. Gleichsam sinkt das Barometer, wenn sich die Liquiditätslage unter den Emittenten verbessert. Unter Ausschluss des Energiesektors legte der Index im Januar auf 4,5% zu, was dem höchsten Niveau seit November 2010 entspricht. Wie es bei Moody´s hieß, seien es im Jahr 2017 auslaufende Anleihen bei gleichzeitigem Einbruch des operativen Geschäfts, die die Liquiditätslage unter heimischen Junkfirmen belasteten.

Es ist eben jener Aspekt, auf den nicht nur ich, sondern auch eine Reihe von Gastautoren in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt hingewiesen hatten. Die Liquiditätslage an den internationalen Kapitalmärkten verschlechtert sich, da die Kreditzinsen zulegen und die Kreditmärkte am Austrocknen sind. Diese Entwicklung setzt insbesondere Junkfirmen unter einen erheblichen Druck, die sich im Angesicht von deutlich kletternden Zinsen an den Junk- und Ramschanleihemärkten ganz schnell in der Insolvenz wiederfinden könnten.

Moody´s wies zudem darauf hin, dass die sich merklich verschlechternde Lage an den Junkbondmärkten nicht mehr nur auf den Energiesektor beschränkt sei. Denn von sechs der zehn zuletzt vorgenommenen Herabstufungen auf das niedrigste Kreditbonitätsniveau seien im Laufe des vergangenen Monats Unternehmen betroffen gewesen, die nicht dem Öl-, Gas- und Energiesektor angehörten. Der Stressfaktor an den Ramschanleihemärkten ist signifikant am Wachsen. Dies sollte vor allem Aktieninvestoren eine deutliche Warnung sein.

Indes kletterte der Subindex zur Messung des Stressfaktors unter Öl- und Gasemittenten im Januar auf 21,4%. Im Dezember 2015 wurde ein Niveau von 19,6% erreicht. Und damit liegt der Subindex für Energieemittenten nicht mehr weit von dem im März 2009 erreichten Hoch von 24,5% entfernt. Selbstverständlich haben die stark gesunkenen Ölpreise unter vielen Fracking-Förderern in den USA einen immensen finanziellen Schaden angerichtet.

Dies könnte im schlimmsten Fall gar so weit gehen, dass die Washingtoner Regierung nicht nur ihrem Energiesektor, sondern auch einmal mehr den heimischen Banken einen Bailout liefern müsste. Denn für Amerikas Banken stehen im globalen Energiesektor einst vergebene Kredite in Höhe von mehr als $4 Billionen (!) im Feuer. Ich bin in den vergangenen Monaten auf diese Themen hinlänglich und zur Genüge eingegangen.

Wenn Sie Berichte und Hintergrundanalysen zu diesem Thema suchen, werden Sie in der Rubrik „wirtschaftsfacts“ beim Stöbern durch die in den vergangenen Monaten publizierten Berichte zu den Öl-, Fracking- und Gasmärkten fündig. Zwar machten am Freitag der letzten Woche Spekulationen die Runde, laut denen sich manche große Fracking-Förderfelder in den USA an den Preisabsturz im Öl- und Gassektor durch drastische Kostenkürzungen vielleicht anpassen könnten.

Doch nach wie vor zeigen bislang gültige Berechnungen und Analysen, dass die meisten Förderer einen durchschnittlichen Ölpreis von $60 pro Fass benötigen, um profitabel zu wirtschaften. Schon im Dezember 2015 warnte Moody´s davor, dass Unternehmen in Amerikas Energie-, Gas- und Frackingsektor einem deutlichen Anstieg der Zahlungsausfälle und Ratingherabstufungen entgegenblickten. Viele Investoren und Kreditgeber dieser Firmen werden also veritablen Verlusten ins Auge blicken.

Das dicke Ende dürfte in Sicht sein, wenn Amerikas Banken damit beginnen, diese Verluste abzuschreiben – und diese somit bilanzwirksam werden. Allein seit dem Jahr 2010 haben Unternehmen im Rohöl-, Gas- und Minensektor Junkanleihen in einem Umfang von weltweit rund $2 Billionen emittiert. Ein Zufall? Wohl eher nicht. Denn im Jahr 2011 begann der herbe Abschwung der Rohstoffpreise, der an den Metallmärkten eingeläutet wurde und im Jahr 2014 dann auch die Rohöl- und Gasmärkte erfasste.