Es nervt mittlerweile jeden, aber man kommt an dem Thema einfach nicht vorbei. Griechenlands Zukunft! Die offizielle Zahlungsunfähigkeit steht weiterhin bevor. Ob kurz oder mittelfristig. Griechenlands Wirtschaft ist zu schwach für den Euro und die Schulden des Landes sind ihm längst über den Kopf gewachsen. Die möglichen Folgen eines Austritts aus dem Euro sind alle hinreichend diskutiert. Fällt jetzt eine Entscheidung?

Die Lage

Am Montag treffen sich die Regierungschefs der Eurozone zu einem Sondergipfel. Da wird Griechenland nochmals zur Chefsache, nach dem in diesen Tagen die Finanzminister und Zwischenhändler über Details feilschen. Die Lage spitzt sich weiter zu. Kapitalverkehrskontrollen werden zunehmend wahrscheinlich. Ende des Monats muss Griechenland an den Internationalen Währungsfonds eine Rate zahlen, sonst sind sie -auch ganz offiziell- pleite. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit ablaufender Zeit. Vielen erscheint es noch realistischer, dass doch noch irgendein kurzfristiger Kompromiss gefunden wird. Das noch eine Brücke von den europäischen Partnern gebaut wird, über die Athens Regierung zu gehen bereit ist. In diesem Fall wird uns das Thema aber weiter beschäftigen und nur vorrübergehend von der Agenda der Geopolitik verschwinden, denn eine weitreichende Einigung ist sehr unwahrscheinlich. Der IWF würde in diesem Fall als Geldgeber und Kontrolleur der Griechen austeigen und kein neues Geld nach Athen schicken.

Die Kauflust in der Bevölkerung durfte sich wegen der Griechenlandkrise abgeschwächt haben. Und so dürfte sich die Laune auch bei den Unternehmen angesichts der griechischen Wirren ebenfalls eingetrübt haben. Der grundlegende positive Trend der konjunkturellen Erholung Europas wird zwar nicht völlig in Frage gestellt, aber durchaus kritischer gesehen.

Käme es in Folge eines Staatsbankrotts zu einem Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum, würden die aufkommenden Unsicherheiten dafür sorgen, dass die Kurse sowohl an den Aktien wie auch an den Bondsmärkten purzeln. Die Frage nach dem Fortbestand der Währungsunion würde sich zwar kurz stellen, aber auch schnell wieder verfliegen. Die Gründe: Der Löwenanteil der Schulden von €317 Mrd. haben staatliche Institutionen übernommen und damit würden internationale Banken kaum in Mitleidenschaft gezogen. Auch haben sich viele Akteure auf einen Bankrott vorbereiten können. Griechenland ist als Volkswirtschaft zu klein, als das sie jetzt noch das ganze Währungssystem in Gefahr bringen könnte. Und letztlich haben sich die Nachbarländer der Griechen in den letzten 4 Jahren, durch Reformen, besser aufgestellt und deren Zugang zu den Kapitalmärkten steht längst wieder auf stabilen Beinen.

Kurz gesagt: Ein „Grexit“ würde unmittelbar zu Unsicherheiten führen und Verwerfungen nach sich ziehen, aber mittelbar zu einer stabileren Währungsunion führen. Die nächsten Tage werden es zeigen, welchen Weg die Politik geht.

Die Aussichten:

Barfuß oder Lackschuh, meinte einst mein Trainer zu mir, wenn es beim Fußball um den richtigen Weg zum Torerfolg ging. Im Casino heißt es „rouge et noir“. So ähnlich geht es den Akteuren an den Finanzmärkten gerade auch. Verkaufen beim Grexit und kaufen im Falle einer Einigung. Das ist die alles entscheidende Frage. Als kleiner Hinweis könnte gelten: Sollten die Verhandlungspartner sich vor dem anstehenden Wochenende nicht mehr einigen können, wäre das als klarer Hinweis auf ein mögliches Zeitspiel für die Umsetzung von Notfallmaßnahmen zu werten.

Mit einem Anstieg von in der Spitze fast 600 Indexpunkten im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag hat der DAX ein bemerkenswertes Lebenszeichen von sich gegeben. So marschierte der deutsche Leitindex gestern zwischenzeitlich sogar über die obere Begrenzung (akt. bei 11.593 Punkten) der seit dem Allzeithoch im April bei 12.391 Punkten dominierenden Korrekturflagge und verzeichnete dabei ein Aufwärtsgap (untere Gapkante bei 11.470 Punkten). Auch wenn die „blue Chips“ das erreichte Niveau bis zum Handelsschluss nicht ganz halten konnten, untermauert der kurzfristige Ausflug doch die Ambitionen, perspektivisch zu den Frühjahrhochs zurückkehren zu wollen. Angesichts der sich deutlich aufhellenden Lage bei Stochastik und MACD sowie des Momentums, welches seinen im Januar eingeleiteten Abwärtstrend durchbrechen konnte, ist der Sprung über die angeführte Flaggenbegrenzung die nächste logische Konsequenz. Bei einem nachhaltigen Überwinden bildet das Hoch vom 26. Mai bei rund 11.920 Punkten die nächste Anlaufstation. Um das zuletzt wieder freundlichere Bild nicht zu gefährden, sollte die gestrige Kurslücke verteidigt werden.

„An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten“

Viel Erfolg ihr

Oliver Roth

www.oliver-roth.de/