Es war gestrigen Abend vermutlich die Nachricht des Tages, die zumindest in Asien und zum Handelsauftakt in Europa die Märkte beeinflusst hat: Durch Intervention des weltgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien konnten sich die OPEC-Staaten gemeinsam mit Russland nicht auf Produktionskürzungen bei dem Energierohstoff einigen. Ursache war die Sorge Saudi-Arabiens mit diesem Schritt, dem gerade nach Ende der westlichen Sanktionen an den Weltmarkt zurückkehrenden Iran Marktanteile zu überlassen und so den kritisch wahrgenommenen Staat finanziell zu stärken. Schließlich wird der Iran in der Region immer stärker zu einer Ordnungsmacht, der Saudi-Arabien nur durch die finanzielle Überlegenheit begegnen kann. Diese ist durch den niedrigen Ölpreis in Gefahr, weil die hohen Staatsausgaben mit der derzeit auf rund 20 US-Dollar je Barrel gesunkene Gewinnmarge nicht mehr refinanziert werden können. Deswegen hat Saudi-Arabien nicht nur ein Staatsdefizit, sondern plant in den nächsten zwei Jahren auch den staatlichen Ölkonzern Aramco zu einem geringen Teil an die Börse zu bringen. So können aber die versäumten Strukturreformen nicht ausgeglichen werden. Was für Europa also die Staatsschulden sind, ist für Saudi-Arabien der Ölpreis. Letzteres wird sich aber perspektivisch relativieren, während sich das europäische Schuldenproblem – aktuell weitgehend ohne öffentliche Beachtung – immer weiter verschlimmert.

Mit der Uneinigkeit der ölproduzierenden Staaten geht ein Bedeutungsverlust der OPEC einher, der es schwierig macht, sich in einer immer energieeffizienteren Struktur mit immer neuen Produzenten erfolgreich behaupten zu können. Für die aus Sicht Saudi-Arabiens als gelungen zu bezeichnende Verdrängung der US-Fracking-Konkurrenz zahlen die etablierten Produzenten einen hohen Preis, der vermutlich relativ kurzfristig zu der Staatsinsolvenz Venezuelas führen wird. Langfristig wird dies global zu einem Problem, da entweder immer mehr Schuldner ihren Schuldendienst nicht mehr leisten können oder das Preisniveau für Energierohstoffe in absehbarer Zeit sehr stark steigen wird. Beides hat das Potenzial für eine neue, wesentlich stärkere Finanzkrise als im Jahr 2008 zu sorgen.

Die Verlustrisiken steigen stark, weil immer mehr Kapital in immer risikoreichere Anlagen fließt, deren Gefahren vielfach nicht erkannt werden. Dies war bei Zertifikaten von Lehman Brothers für viele Anleger ähnlich.
Deswegen ist es wichtig, alle Möglichkeiten zu nutzen, um so Verlustrisiken zu minimieren. Aktuell gilt dies immer stärker auch im Immobiliensektor. Dort engagierte, konservativ ausgerichtete Anleger sollten ihre Positionierung mit Blick auf die rückläufigen Kurse von Immobilienaktien nahezu weltweit und dem äußerst schwachen britischen Hauspreisindex überprüfen. Auch in New York als einem der wichtigsten Immobilienmärkte weltweit gehen die Preise aktuell leicht zurück. In dem gesamten Bereich scheint - ähnlich wie beim Goldpreis im Jahre 2011 - der Höhepunkt erreicht zu sein und es könnte – trotz immer niedrigerer Zinsen - zu einer stärkeren Korrektur kommen. Schließlich ist eine Anlage nur dann attraktiv, wenn sie für Anleger während der Anlagedauer Gewinne ermöglicht und die Rückzahlung des Kapitals gewährleistet ist. In diesem Umfeld bieten hier erstklassige Unternehmensanleihen daher vielfach das attraktivste Chance/Risiko-Profil.

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