In der Vergangenheit hatten wir bereits grundlegende Informationen über Optionen und Future dargestellt und weitergehend explizite Handelsstrategien mit diesen Finanzinstrumenten (Link hier) präsentiert. Dabei kam immer wieder auch das Wort „Volatilität“ ins Spiel. Vielen Anlegern wird dieser Begriff, welcher fast regelmäßig in jeder Börsenberichterstattung Erwähnung findet, bereits klar sein.

Einfach gesagt ist die Volatilität in der Finanzmathematik ein Risikomaß, welche als Standardabweichung der Veränderung eines bestimmten Basiswertes (dies kann jeder schwankende Kurs wie ein Aktienkurs, Zinsen uvm. sein) definiert wird. Ist die Volatilität hoch, so wird dies oftmals mit nervösen Märkten begründet, welche jederzeit stark in die eine oder andere Richtung ausschlagen können. Ist die Volatilität hingegen niedrig sind vermehrt Wörter wie Sommerpause, Langeweile, Seitwärtsphase und Co. zu lesen. Die Journalisten finden hier schon die richtige Schlagzeile zum aktuellen Marktbild.

In Deutschland wird die Schwankung mit Hilfe des VDax-New angeben. Dieser berechnet die implizite Volatilität für den Deutschen Aktien-Leitindex und gibt somit die erwartete Schwankungsbreite für die nächsten 30 Tage wieder. Dargestellt wird dieser in annualisierter Form.     

In der Banken- und Finanzkrise ging es merklich hoch her, weswegen der VDax-New hier auch deutlich über seinen Normalbereich hinaus geschossen ist.

Berechnet wird dieser Index zur Messung der Nervosität anhand der DAX-Optionen, welche an der Terminbörse Eurex gehandelt werden. Dafür werden alle Optionen, die sowohl „At-the-money“ (die Option, dessen Strike-Preis dem Kurswert am nächsten ist) und „out-the-money“ (beim Call: der Strike-Preis ist höher als der Kurs des Basiswertes) sind.

Beispiel (DAX bei 10.760 Punkten) „At-the-money“:

Beispiel (Dax bei 10.760 Punkten) „Out-the-money“:

Geld verdienen mit Schwankung

Wie der Name schon sagt, ist der VDax-New ein neu geschaffener Volatilitätsindex, welcher auf den VDAX folgte. Dieser wurde von der Deutschen Börse AG in Zusammenarbeit mit niemand geringeres als Goldman Sachs kreiert. Der Vorteil zum Vorgänger ist, dass auf diesen im Minutentakt aktualisierten Index auch Portfolios aufgebaut werden können. Somit ergibt sich die Möglichkeit auf die Schwankung und Nervosität des Marktes zu setzen. Mittlerweile existiert hier eine Vielzahl an Strategien, da man grundsätzlich sagt, dass der Index mittelfristig immer wieder zu seinem Mittelwert zurückkehrt. Ist dieser also drüber, braucht man nur auf eine Short-Bewegung zu setzen und umgekehrt. Natürlich gestaltet sich dies in der Praxis dann deutlich umfangreicher.

Schwankung hat Einfluss auf Milliardenmarkt

Sicherlich haben viele von Ihnen bereits mit Zertifikaten oder Optionsscheinen gehandelt. Dabei ist die Volatilität am Markt ein wichtiges Instrument als ein Faktor im Pricing-Prozess. Ist die Volatilität hoch, so können die Preise für den Erwerb von Absicherungen schon einmal teurer ausfallen. Je höher die Volatilität ist, desto höher ist somit auch der Zeitwert und damit der Optionspreis. In der Praxis wird zwischen implizite Volatilität und historische Volatilität unterschieden. Letztere wir dabei aus der Schwankung eines Basiswertes in der Vergangenheit gemessen. Die implizite Volatilität hingegen ist ein wenig abstrakter zu betrachten. Wie eingangs bereits erwähnt handelt es sich hier im Detail um eine Rückrechnung aus einem Optionskurs (bzw. der Summe aller gehandelten DAX-Optionen am Markt). Dieser wiederum unterliegt der Annahme, dass er durch ein gängiges Optionspreismodell (das bekannteste Modell ist z.B. das Black-Scholes-Modell) berechnet worden ist. Dabei unterstellt man allerdings, dass alle weiteren Parameter wie der Kurs des Basiswertes, der risikofreie Zinssatz usw. berücksichtigt sind. Ob dies immer der Fall ist, darf angezweifelt werden, weswegen der Indikator auf einer sehr theoretischen Basis aufbaut.

In den USA wird die Volatilität mit dem VIX von der CBOE berechnet und ebenfalls regelmäßig auf Basis der im Markt gehandelten Optionen berechnet. Wie der VDax-New gibt auch er die erwartete Schwankungsbreite des Leitindex S&P 500 an für die nächsten 30 Tage wieder.

Folgende Studie untersuchte dahingehend beispielsweise die Zusammenhänge zwischen einer hohen Volatilität und Einstiegssignalen beim S&P 500. Die Problematik dabei jedoch dürfte sein, dass man nie weiß, wann genau der VIX sein Ende erreicht hat. In der Finanzkrise beispielsweise ist dieser in überdimensionale Höhen geschossen, wohingegen der S&P eine Zeit lang noch weiter gefallen ist.

Aktuell ist der VIX mit ca. 15 wieder in einem Normalbereich angekommen. Als dieser jedoch am 30. September bei über 30 angelangt ist, wäre dies bei 1.900 Punkten im S&P500 ein interessanter Einstiegszeitpunkt gewesen.

Unterm Strich bietet die Volatilität im Zusammenspiel mit den Optionsmärkten zahlreichen Stoff für lange ausführliche Recherchen, Diskussionen und Betrachtungsweisen. In einem ersten Schritt ist es hingegen wichtig, die Volatilität, die kostenfrei u.a. bei d er Deutschen Börse AG abgerufen werden kann, ständig zu beobachten. Sollte es hier demnach auffällige Extrembewegungen geben, so ist oftmals Vorsicht das Gebot der Stunde. So hat auch Dirk Müller am 17.03.2015 bei einem DAX von knapp 12.000 Punkten aufgrund der hohen Volatilität zum Absichern geraten (Link hier). Natürlich ist dies immer im Zusammenhang zu weiteren Einflussgrößen zu sehen. Somit sollte die oftmals liebevoll als Vola bezeichnete Schwankung auch in Ihren Investmententscheidungen und Betrachtungen der internationalen Kapitalmärkte eine Rolle spielen. Der etwas genauere Blick kann hier spannende Erkenntnisse liefern und im Extremfall auch positiv für das heimische Depot ausfallen.

Ihr Andreas Meyer

Quellen: www.cboe.com, www.eurexexchange.com, www.boerse-frankfurt.de, www.am-capital.de

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