Investoren sollten sich über die arg gebeutelte Finanzlage des Inselterritoriums Puerto Rico keine Illusionen machen. Wie die Ratingagentur Moody´s Investors Service warnt, wird die Lokalregierung von Puerto Rico im Monat Mai weitere Zahlungsausfälle auf ausstehende Schulden in Multimillionenhöhe erklären. Betroffen seien gar einst emittierte Anleihen des Arbeitnehmerpensionssystems und der Infrastruktur- und Industrieentwicklungsbehörde.

Wie es in einem am vergangenen Freitag publizierten Bericht der Ratingagentur Moody´s Investors Service heißt, wird davon ausgegangen, dass das Inselterritorium im Monat Mai einen Zahlungsausfall auf Anleihen der Regierungsentwicklungsbank (GDB) in einem Gesamtumfang von $422 Millionen erklären wird.

Gleichzeitig warnt Moody´s davor, dass es sich um keinen Einzelfall handeln wird. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass Puerto Rico auch die Bezahlung von emittierten Anleihen seines Arbeitnehmerpensionssystems und der Infrastruktur- und Industrieentwicklungsbehörde einstellen werde, da die Regierungsentwicklungsbank nur noch über liquide Reserven in Höhe von $562 Millionen verfüge.

Diese potenziellen Zahlungsausfälle würden auf die Bemühungen der Lokalregierung zur Verbesserung der eigenen Finanzsituation folgen. Bei Moody´s wird damit gerechnet, dass Puerto Rico weniger als $3 Millionen auszahlen wird, die das Inselterritorium seinen Bondhaltern schuldet, und deren Investments durch die Landesverfassung garantiert sind.

Hinzu geselle sich die Tatsache, dass durch Mehrwertsteuereinnahmen garantierte Schulden mittels Finanzmitteln bezahlt würden, die bereits bei einem Treuhänder hinterlegt worden seien. In Form von Anleiheemissionen generierte Fördermittel der Public Finance Corporation – die bislang rund drei Viertel aller erklärten Zahlungsausfälle auf sich vereinten – würden ein weiteres Mal einen Zahlungsausfall erklären.

Offiziell weist Puerto Rico eine Arbeitslosenrate von 11,8% aus.

Im September des vergangenen Jahres berichtete ich, dass das durch die Ratingagenturen mit einem Ramschrating versehene Inselterritorium, das einen astronomischen Schuldenberg von $75 Milliarden vor sich her schiebt, zusehends in die Quetsche politischer Notwendigkeiten und frechen Forderungen seitens Hedgefonds geraten ist. Für Aufsehen sorgte die Forderung, die Verluste unter Hedgefonds in schamloser Weise auf die Inselbevölkerung abzuwälzen.

Erfahrungen derlei Art hatten wir in den letzten Jahren wahrlich zur Genüge gemacht. Um sich die Verhältnisse einmal vor Augen zu führen, sei gesagt, dass Puerto Rico im Vergleich fast ebenso hoch verschuldet ist wie die US-Bundesstaaten New York und Kalifornien. Dies jedoch bei einer deutlich geringeren Wirtschaftskraft. Hauptgrund ist, dass die Lokalregierung ihre massiven Budgetdefizite einfach nicht in den Griff bekommt.

Werfen wir in Relation zur offiziell aufgewiesenen Arbeitslosenquote einen Blick auf die Entwicklung der Partizipationsrate an der Erwerbsbevölkerung.

Einfachster Weg, um sich temporär aus einer akuten Geldnot zu befreien, war, sich wiederholt an die US-Kommunalbondmärkte zu begeben, um dort frische Schuldpapiere zu emittieren. Diese Schuldenbonds wurden im Nullzinsumfeld vor allem von Hedge- und amerikanischen Pensionsfonds gezeichnet. Denn die emittierten Papiere warfen deutlich höhere Zinsen als amerikanische Staatsanleihen ab.

Dieses Spiel ging so lange gut, bis Puerto Rico im August vergangenen Jahres nach etlichen Warnungen von Analystenseite dann schlussendlich seinen ersten Zahlungsausfall erklärte, nachdem die Lokalregierung in Bezug auf eine zur Zahlung fällige Anleihe eines staatlichen Unternehmens gerade einmal einen Betrag von $630.000 beglich. Die zur Zahlung fällige Anleihe belief sich hingegen auf $58 Millionen.

Manche Hedgefondsmanager, die sich im Hinblick auf den Ankauf oder die Zeichnung von Puerto Ricos Schuldenemissionen schwer verzockt haben, versuchen seit letztem Herbst, die lokale Schuldenkrise für sich zu nutzen, um trotzdem Profite einzufahren – und zwar auf Kosten der Inselbevölkerung. Wie das? Die Antwort darauf lautet, indem die betreffenden Hedgefonds auf eine volle Rückzahlung ihrer Investitionen pochen.

Immer dieselbe Leier: Entlassungen im Bildungsbereich, Renten- und Pensionskürzungen...

Amerikas Demokratische Partei hatte zu diesem Thema eine eigene Studie veröffentlicht, die den Titel „Profite um jeden Preis“ trägt. Darin heißt es unter anderem, dass Hedgefonds nicht im Ernst auf eine volle Rückzahlung ihrer Investments hoffen könnten, da ihnen die mit den Anlagen verbundenen Risiken von Beginn an bewusst gewesen sind.

Doch den sich verzockt habenden Hedgefonds fällt nichts Besseres ein, als die Lokalregierung Puerto Ricos dazu zu drängen, massive Entlassungen im Bildungsbereich (vor allem unter Lehrern) samt Massenentlassungen von Staatsbediensteten vorzunehmen, Renten- und Pensionskürzungen zu verabschieden und andere lebenswichtige Bereiche der Gesellschaft zu beschneiden. In der Studie der Demokraten hieß es wortwörtlich, dass Hedgefonds Verluste auf dem Rücken der Allgemeinheit abladen wollten.