Altersvorsorge in Deutschland ist nach dem Drei-Schichten-Modell aufgebaut. Die erste Schicht ist die Grundversorgung. Dazu zählen die gesetzliche Rentenversicherung und die Basis-Rente („Rürup“). Die zweite Schicht ist die kapitalgedeckte Zusatzversorgung. Dazu zählen die Betriebs- und die Riester-Rente. Die dritte Schicht ist die kapitalgedeckte Privatversorgung, zu der die Privatrenten zählen.

Riester-Rente als Zusatzversorgung

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um den beschlossenen Rückgang des gesetzlichen Rentenniveaus zu kompensieren. Riestern kann man auf vier Wegen: Banksparplan, Rentenversicherung, Fondssparplan oder Bausparer. Jedoch kann nur eine Versicherung eine lebenslange Rente garantieren. Deshalb schließt der Anbieter eines Bank- und Fondsparplans zu Rentenbeginn eine Rentenversicherung ab. Diese übernimmt ab dem 85. Lebensjahr die Auszahlung. Mit allen Varianten kann auch Wohneigentum erworben und entsprechende Kredite getilgt werden. Der sog. Wohnriester ist so gesehen gar nicht notwendig.

Riestern kann man auch über den Betrieb. Das empfehlen wir jedoch nicht, denn auf die Rente werden Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig.

Förderung der Riester-Rente

Die Riester-Rente basiert auf Freiwilligkeit und Förderung. Damit die Bevölkerung privat für die Rente vorsorgt, lockt der Staat mit Zulagen und Steuervorteilen. Unmittelbar förderberechtigt sind alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, Beamte, Bezieher von Elterngeld und Erwerbsminderungsrente. Mittelbar förderberechtigt sind Ehegatten von unmittelbar Förderberechtigten. Die Förderung erhält, wer mindestens 4% des Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich Zulagen und Steuervorteilen einzahlt. Mindestens 60 € im Jahr muss man aber selbst einzahlen.

Die Förderung besteht aus Zulagen und Steuervorteilen. Die Grundzulage beträgt 154 € im Jahr. Für jedes Kind, das nach dem 01.01.2008 geboren ist, gibt’s 300 € im Jahr. Für ältere Kinder 185 €. Bei der Steuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, ob eine Steuererstattung mehr bringt als die Zulage. Maximal kann man 2.100 € im Jahr inkl. Zulagen in einen Riestervertrag einzahlen. Um die Förderung zu bekommen, muss man einmalig einen Dauerzulagenantrag ausfüllen.

Es ist möglich, sich ergänzend gegen Berufsunfähigkeit (BU) und Tod zu versichern. Allerdings darf der Betrag maximal 20% des Gesamtbetrags ausmachen. Bei 2.100 € bleiben da bloß 420 € jährlich oder 35 € im Monat übrig. Damit kommt man nicht wirklich weit. Außerdem wird die BU-Rente zu 100% versteuert.

Eingeschränkte Flexibilität der Riester-Rente

Wer zwischendurch ans Guthaben will, hat schlechte Karten. Zwar kann man die Riester-Rente kündigen oder Guthaben entnehmen, muss dann jedoch die Förderung zurückzahlen. Eine Ausnahme gibt es, wer das Geld zum Erwerb von Wohneigentum verwendet. Die jedoch ist wiederum auf selbst genutzte Immobilien beschränkt.

Laut Gesetz ist ein Anbieterwechsel möglich. Die Anbieter müssen Guthaben freigeben, sind jedoch nicht verpflichtet, Guthaben anderer Gesellschaften anzunehmen. Es ist daher immer noch schwierig, zieht sich oft über Monate und kostet regelmäßig Gebühren. Ob sich das im Einzelfall lohnt oder eine Beitragsfreistellung sinnvoller ist, muss der Sparer vorab prüfen.

Oft wird plakativ mit „Hartz-IV-Sicherheit“ der Riester-Rente geworben. Das trifft jedoch nur für geförderte Beiträge in der Ansparphase. In der Auszahlungsphase kann die Rente genau wie alle anderen Einkünfte oberhalb der Pfändungsfreigrenze verwertet werden.

Garantien der Riester-Rente

Ein weiterer Pluspunkt, der gern ins Feld geführt wird, sind die Garantien. Das Gesetz schreibt vor, dass die Anbieter mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen auszahlen. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen. Die Grünen haben im Bundestag eine Kleine Anfrage zum Thema Beitragsgarantie gestellt. Das Versicherungsaufsichtsgesetz bietet die Möglichkeit, Leistungen – auch garantierte – zu kürzen, um eine drohende Insolvenz eines Versicherers abzuwenden. Des Weiteren kann die Aufsichtsbehörde den Rückkauf und die Auszahlung von Guthaben verbieten. Damit können die Leistungen theoretisch auch unter den garantierten Wert sinken.

Jedoch ist dies das letzte Mittel. Die Aufsichtsbehörde BaFin prüft regelmäßig die Finanzstärke und Solidität der Versicherer. Bevor es zur Kürzung von garantierten Leistungen kommt, greifen zahlreiche andere Mechanismen. Letztlich wägt die Bafin ab, was für die Gesamtheit der Sparer besser ist. Um es mit den Worten des ehemaligen Bundesfinanzministers zu sagen: Besser 90% von X als 100% von nix. Soll heißen: Es ist im Zweifel für den Sparer besser, 90% der garantierten Rente zu erhalten, als dass der Versicherer komplett pleitegeht und die Rente pfutsch ist.

Im Übrigen wurde für die mögliche Insolvenz von Versicherern vor Jahrzehnten die Protektor Lebensversicherung AG gegründet. Sie ist die Sicherung des deutschen Versicherungsmarktes und kauft die Bestände von insolventen Versicherern. Sie übernimmt die Verwaltung und Auszahlung von Leistungen. Die Einrichtung kann die Insolvenz eines mittleren Versicherers sicher verkraften. Ob das bei den Branchenriesen auch noch funktioniert, ist ungeprüft und nicht absehbar.

An dieser Stelle sei noch ein wichtiger Hinweis erlaubt. Über die Möglichkeit, auch garantierte Leistungen herabzusetzen, muss der Sparer nicht vorab informiert werden. Das ist bei allen Lebens- und Rentenversicherungen möglich.

Insgesamt halten wir dieses Szenario für wenig wahrscheinlich und relevant. Gleichwohl sollten Sie bei der Auswahl des Vertragspartners auf die Finanzstärke achten.

Auszahlung der Riester-Rente

Die Auszahlung der Rente ist für Verträge, die seit dem 01.01.2012 abgeschlossen wurden, ab der Vollendung des 62. Lebensjahrs (also mit dem 62. Geburtstag) möglich. Verträge, die älter sind, dürfen frühestens mit der Vollendung des 60. Lebensjahres (also mit dem 60. Geburtstag) die Rente auszahlen.

Die Rente ist zu 100% bei der Steuererklärung anzugeben und mit dem dann gültigen persönlichen Steuersatz zu versteuern. Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an, es sei denn, man hat die Riester über die betriebliche Altersversorgung abgeschlossen.

Generell ist lediglich eine Rentenzahlung vorgesehen, die mindestens gleichbleibend oder aber steigend ist. Der Sparer kann sich jedoch einmalig bis zu 30% des Kapitals auszahlen lassen. Daraus ergibt sich steuerlich jedoch ein Problem. Die Auszahlung wird als normale Einnahme versteuert. Dadurch steigt im ersten Jahr der persönliche Einkommensteuersatz enorm an. Die fällige Einkommensteuer fällt entsprechend saftig aus.

Hierzu ein Beispiel (Werte alle gerundet, ohne Sozialversicherungsbeiträge, Stand 2016):

Unser Sparer hat mit der Riester-Rente ein Kapital von 50.000 € angesammelt. Davon lässt er sich 30%, also 15.000 € auszahlen. Vom Rest bekommt er eine Rente von ca. 105 €. Aus der gesetzlichen Rente bekommt er 1.500 € Rente. Insgesamt erhält er also brutto 1.605 € Rente. Davon gehen ca. 65 € Steuer ab. Durch die Einmalzahlung der 15.000 € muss er jedoch insgesamt ca. 5.140 € Steuern zahlen. Ein Drittel der Auszahlung verschwindet also in der Staatskasse. Das muss nicht nachteilig sein. Jedoch sollte der Berater auf diesen Punkt im Rahmen seiner Beratung deutlich hinweisen. Gegebenenfalls sollte der Sparer dies mit seinem Steuerberater abklären.

Bewertung der Riester-Rente

Die Zusatzversorgung mittels Riester eignet sich durchaus für folgende Fälle: Familien mit Kindern, gut verdienende Angestellte und Beamte. Vor allem Frauen, die im Schnitt eine deutlich schlechtere Versorgung aufweisen, haben die Möglichkeit über die Kinderzulagen eine vom Partner unabhängige Zusatzrente aufzubauen.

Geringverdiener profitieren zwar einerseits meist von sehr hohen Förderquoten. Da jedoch die Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird, ist dies oft ein Nullsummenspiel und nicht generell zu empfehlen.

Die Riester-Rente lohnt sich meist nicht für Normalverdiener und Personen, die keine Zulagen erhalten.

Die Riester-Rente ist von Beginn an unter starkem Beschuss von allen Seiten. Mittlerweile wird sogar in der CDU offen die Abschaffung und Rückabwicklung diskutiert. Verschiedene „Wirtschaftsweisen“ fordern ebenfalls die Abschaffung. Das Ziel der Riester-Rente sei nicht erreicht worden und fördere die, die ohnehin vorsorgen. Vor allem die zum Teil horrenden und intransparenten Kosten lassen am Sinn zweifeln.