Verluste entstehen vor allem in den Bereichen, in denen Risiken intransparent sind. Aktuell droht dies für Anleger im britischen Immobiliensektor, bei dem viele nicht wissen, dass sie dort über Immobilienfonds investiert sind. Schließlich klangen die Angebote der Banken und Sparkassen nicht nur verführerisch, sondern auch überzeugend: Statt kein Geld mehr bei Sparprodukten zu erhalten, konnte man mit dem Kauf offener Immobilienfonds jedes Jahr auf mindestens 2 % Ausschüttung setzen. Wie viel davon tatsächlich erwirtschaftet wurde und welcher Anteil nur auf Werterhöhungen zurückzuführen war, blieb ohnehin intransparent. Nun drohen allerdings Abschreibungen von 20 % bis 30 % bei britischen Immobilien, was zu Wertverlusten bei auf Europa ausgerichteten Immobilienfonds von einmalig mehr als 5 % führen könnte. Deswegen erscheint der Verkauf sinnvoll, zumal nun mit der britischen Notenbank ein wesentlicher Marktakteur teilweise eher eine Stabilisierung zu Lasten der Anleger anzustreben scheint. Dies könnte das Signal sein, erneut Verluste auf eine möglichst breite Basis zu stellen.
In eine ähnliche Richtung scheinen Überlegungen der Deutsche Bank AG zu gehen, mit Blick auf die Risiken im italienischen Finanzsektor eine zusätzliche, zwangsweise Kapitalisierung der Kreditinstitute durch die EU zu empfehlen. Während es noch positiv zu werten ist, eine übergreifende Lösung anzustreben, um den ohnehin schon extrem hoch verschuldeten italienischen Staat nicht noch weiter zu belasten, gibt die grundlegende Idee Anlass zur Sorge. Schließlich würde eine solche Refinanzierung bestimmter Kreditinstitute durch EU-Staaten mit neuen staatlichen Verbindlichkeiten finanziert, die in Form von Staatsanleihen wieder vorwiegend von Kreditinstituten gekauft würden. Damit würde das falsche Geschäftsmodell einiger Kreditinstitute zum Risiko für den gesamten Sektor. Durch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) würde dieses Risiko nochmals erhöht.
Vor diesem Hintergrund einer immer expansiveren Geldpolitik verwundert es nicht, wenn Staatsverschuldung zunehmend positiv gesehen wird. So hat Barack Obama bei seinem Staatsbesuch in Spanien Europa zu einem Ende der Sparpolitik geraten, obwohl seine USA so hoch verschuldet sind, dass sie in einem „normalen“ Zinsumfeld ihren Zinsverpflichtungen nur noch mit Mühe nachkommen könnten.

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