Nach Schätzungen von Fachleuten haben sich in Deutschland bis zu 300.000 Privatanleger mit einem Gesamtvolumen von über  30 Milliarden € an Schiffsfonds beteiligt. Der mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Ende 2008 einhergehende Verfall der Charterraten lässt nunmehr aber Containerschiffe, Tanker und Frachter in roten Zahlen fahren. Dabei hat die Krise der Schiffsfonds ein rasantes Tempo aufgenommen. Branchenkenner erwarten, dass der Markt in 2012 eine weitere Zäsur erleben wird. Sanierungsfälle, gescheiterte Sanierungsversuche und Insolvenzen werden deutlich zunehmen. So startete beispielsweise der börsennotierte Emittent HCI Capital mit sechs Schiffsinsolvenzen in zwei Fonds in das Jahr 2012. Nach der Erwartung von Fachleuten wird dies kein Einzelfall bleiben. Diese bezeichnen nur noch 200 bis 300 Schiffsbeteiligungen als werthaltig. Insgesamt stecken aber rund 2.500 Schiffe in Fonds. Auf der Strecke bleiben dabei immer die Anleger, deren Kapital in aller Regel verloren ist.

Die Pleitewelle trifft nicht nur vermögende Privatanleger. Gerade Kleinanleger waren es, denen ab 2005 nach dem Auslaufen der „Steuersparmodelle“ die riskanten Schiffsfondsbeteiligungen von Banken, Sparkassen und freien Vertrieben angeboten wurden. Über die Risiken der spekulativen Investments wurde dabei in der Regel nicht gesprochen.

Auslöser der aktuellen Krise waren die mit der Entwicklung der Weltwirtschaft einhergehenden Schwankungen der Schiffstransportpreise. Charterraten und Frachtraten, die für die Nutzung der Schiffe zu zahlenden Mieten bzw. Transportpreise unterliegen seit je her konjunkturellen Schwankungen. Diese Tatsache wurde bei der Konzeption von Schiffsfonds und der Beratung der Anleger häufig ausgeblendet. Entsprechende Risiken fanden anlässlich der Beratung keine Erwähnung.

Die derzeit erzielbaren Schiffseinnahmen (Charter- und Frachtraten) befinden sich im Tiefflug. Für die nahe Zukunft ist keine Besserung in Sicht. Nach der Aussage von Fachleuten ist mit einem signifikanten Anstieg der Frachtraten nicht zu rechnen. Da gleichzeitig die Schiffsbetriebskosten steigen werden, ist für 2012 eine weitere negative Entwicklung für die Schiffsfonds vorprogrammiert. Für wirtschaftlich sinnvolle Sanierungen von angeschlagenen Schiffsfonds fehlt angesichts dessen schlichtweg die Perspektive.

Ein schnelles Ende dieser Krise wird in der Branche von niemandem erwartet. Vieles spricht vielmehr dafür, dass schleppendes Wachstum beim Welthandelt und rasantes Flottenwachstum noch für lange Zeit einen Wiederanstieg der Charterraten verhindern werden. Diese werden folglich auf niedrigem Niveau verbleiben. Für eine große Zahl notleidender Schiffsfonds wird dies im Jahr 2012 wohl die Insolvenz zur Folge haben.

Die Anleger trifft die Krise der Schiffsfonds häufig völlig überraschend. Auf konjunkturelle Schwankungen der Einnahmen, Überkapazitäten, Risiken in der Finanzierung, Wechselkursrisiken und auch den möglichen Totalverlust der Anlage wurden sie in der Beratung regelmäßig nicht hingewiesen. Stattdessen sollte es sich in den meisten Fällen bei Schiffsfonds um eine langfristige und auch sichere Sachwertanlage handeln.

Eine erhebliche Motivation für den Vertrieb der Schiffsfondbeteiligungen durch Banken, Sparkassen und freie Vertriebe war vielfach das Provisionsinteresse der Berater, die nicht nur den Ausgabeaufschlag, sondern auch Teile der in den Fondkonzepten für die Eigenkapitalbeschaffung vorgesehenen hohen Vergütungen erhalten haben, ohne ihre Kunde darauf hinzuweisen. Banken und Sparkassen haben für die Vermittlung von Schiffsfonds regelmäßig Provisionen in Höhe von 12% und mehr erhalten.

Diese Praxis versteckter Rückvergütungen wird für die Anleger neben den zahlreichen, im Einzelfall festzustellenden Beratungspflichtverletzungen nun zur großen Chance, ihre fehlgeschlagene Schiffsfondsbeteiligung im Wege des Schadensersatzes wirtschaftlich rückabzuwickeln. Wurden die Anleger über das Provisionsinteresse nicht vor Zeichnung der Schiffsbeteiligung von ihrem Bankberater aufgeklärt, ist die Bank oder aber Sparkasse nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Schadensersatz verpflichtet.

Da bei den Schiffsfonds aber auch Vertriebskosten von 20% und mehr üblich waren, hätten die Anleger auch von nicht bankgebundenen Beratern auf die tatsächliche, über der durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als gerade noch marktüblich anerkannten 15% liegenden Höhe der Vertriebskosten informiert werden müssen. Auch dies ist regelmäßig nicht geschehen.

Im Ergebnis sind die Anleger der aktuellen Entwicklung daher nicht schutzlos ausgesetzt. Im Einzelfall bestehen durchaus gute Chancen, Schadensersatzansprüche gegenüber Banken, Sparkassen oder auch freien Vertrieben erfolgreich durchzusetzen. Hierbei ist aber durchaus Eile geboten, da solche Schadensersatzansprüche in einem Zeitraum von drei Jahren ab Kenntnis der schadensbegründenden Umstände oder aber auch ab Zeichnung verjähren. Den Anlegern ist daher unbedingt zu empfehlen, sich zeitnah fachlich versierte anwaltliche Unterstützung zu suchen.

Mannheim, 13. Juli 2012

gez. Christoph Vigano