Von Quartal zu Quartal zulegende Insolvenzen unter Firmen und privaten Verbrauchern haben die Anzahl der faulen Kredite in Relation zu den insgesamt ausstehenden Darlehen in Spanien im Monat Juni auf ein neues Rekordhoch klettern lassen. Natürlich erweist sich nach wie vor die angeschlagene Bauindustrie als Achillesferse des spanischen Bankensektors. Die Wirtschaftskrise hat sich jedoch längst auch auf andere Bereiche ausgeweitet.

Die Anzahl der faulen Darlehen in den Kreditportfolios der spanischen Banken ist im Monat Juni auf ein neues Rekordhoch von 11,61% geklettert, wie neue Daten der Banco de España zeigen. Die Summe der zurzeit nicht mehr bedienten Kredite beläuft sich auf umgerechnet 176,4 Milliarden Euro. Im Mai lag dieser Wert bei 170,2 Milliarden Euro. Nun, eine solche Entwicklung kann wohl nur diejenigen schocken, die uns Tag ein Tag aus darüber berichten, auf welche Weise sich die Wirtschaft der Eurozone doch angeblich von ihrer längsten Rezession seit dem Ende des 2. Weltkriegs erhole.

Hier ein Blick auf den senkrechten Anstieg der ausfallgefährdeten Kreditnehmer in Milliarden Euro bis Ende des Jahres 2012 / Daten: Zentralbank

Harte Fakten zeichnen wie so oft ein anderes Bild. Danach sind insbesondere die weiterhin stark steigenden Insolvenzen unter Spaniens Unternehmen und privaten Verbrauchern für die neue Rekordanzahl an faulen Krediten im heimischen Bankensystem verantwortlich. Vor dem Kollaps an Spaniens Immobilienmärkten im Jahr 2007 lag das Verhältnis zahlungssäumiger Kredite in Relation zur Gesamtanzahl der ausstehenden Darlehen bei lediglich 1%. Eine offizielle Arbeitslosenquote von fast 27% trägt natürlich ihr Quäntchen dazu bei, den Konsum in Spanien unter Druck zu setzen.

Schon im Mai wies eine ganze Reihe von Analysten darauf hin, dass sowohl Spaniens Regierung als auch seine Behörden die potenziellen Kreditausfälle im heimischen Bankensystem unterschätzten. Nun, man darf sich in diesem Zusammenhang sicher die Frage stellen, inwieweit das Herunterspielen dieser potenziellen Kreditausfälle von offizieller Seite nicht in vollem Bewusstsein betrieben wird. In diesem Hinblick braucht man sich nur das sich stetig wiederholende Abwinken durch Premier Rajoy an einen unmittelbar bevorstehenden Bailout der spanischen Banken durch die EU in Erinnerung zu rufen.

Ein Blick auf die weiterhin rückläufigen Häuserpreise in Q2 nach Regionen / Daten: TINSA

Nicht wenige Beobachter sind der Ansicht, dass Spanien darüber hinaus nicht umhin kommen werde, die EU und den IWF irgendwann um einen Länder-Bailout zu ersuchen. Die deutlich steigenden Kosten für faul werdende und zahlungssäumige Hypothekenkredite machten diesen Schritt unumgänglich. Im vergangenen Jahr ordnete die Regierung an, dass heimische Banken ihre Rückstellungen für faul werdende Kredite auf fast 170 Milliarden Euro anheben müssen. Diese Summe entspricht etwa der Hälfte der im Sektor der spanischen Bau- und Projektentwickler insgesamt ausstehenden Darlehen.    

Spaniens Banken verfügen jedoch kaum über ernst zu nehmende Rückstellungen für potenzielle Kreditausfälle in anderen wichtigen Bereichen, zu denen die Vergabe von Häuserdarlehen an private Verbraucher oder ausstehende Unternehmenskredite gehören. Allein in diesen beiden Bereichen belaufen sich die durch spanische Banken gewährten Gesamtkredite auf mehr als 1,4 Billionen Euro. Erst Ende Juli berichtete ich darüber, dass die spanische Bad Bank SAREB schon bald selbst nach einem Bailout rufen dürfte. Denn die Ziele von SAREB sahen vor, innerhalb der nächsten 5 Jahre ein Volumen von 45.000 Not leidenden Immobilienobjekten zu veräußern.

Ein Blick auf den offiziellen Hauspreisindex; hier wird die Entwicklung der nationalen Häuserpreise mit der Region Galizien in Vergleich gesetzt.

Aktuell befindet sich SAREB in Besitz von über 400.000 Objekten, von denen Zehntausende nachweislich jedoch nicht einmal über keine Adresse verfügen. Hinzu kommt, dass es äußerst schwierig sein dürfte, ein Immobilienobjekt auf seinen Wert zu schätzen, wenn noch nicht einmal feststeht, wo es sich überhaupt befindet. Abgerundet wird diese Charade durch die Ergebnisse von Prüfern, die feststellten, dass sich teilweise mehr als 150 Hypothekendarlehen in Umlauf befinden, denen jeweils dasselbe Objekt als Sicherheit unterliegt.

Darüber hinaus ergaben Untersuchungen, dass es für mehr als 100.000 Objekte überhaupt keine Schlüssel gibt. Andererseits werden durch SAREB als Leerstände gelistete Eigentumswohnungen von jemandem bewohnt. Diese Prüfergebnisse sind insofern äußerst aufschlussreich, da es ja erklärtes Ziel der SAREB-Geschäftsführung gewesen ist, insgesamt 45.000 dieser Objekte in den nächsten 5 Jahren abzustoßen. Allein im Jahr 2013 sahen die Zielplanungen das Abladen von rund 7.500 dieser Objekte an private Investoren vor. Und wissen Sie, wie die realen Zahlen mit Stand 01. Juni 2013 tatsächlich aussehen? Liebe Leser, SAREB hat es in den ersten fünf Monaten gerade einmal geschafft, 700 Objekte abzustoßen, davon 550 im 1. Quartal dieses Jahres!

So viel dazu, was Prognosen und verbale Beruhigungspillen dieser Regierung von Premier Rajoy letztendlich wert sind...!