...Griechenland nieder

So titelte sinngemäß die griechische Wirtschaftszeitung Imiresia am vergangenen Samstag. Demnach erwiesen sich die Immobilieneigentümer wieder mal als leichte Beute für die Eintreibung zusätzlicher Steuern, um den Staatshaushalt zu stützen.

Im September 2011 wurde eine jährliche Sonderabgabe für Immobilieneigentümer eingeführt, die automatisch über die Stromrechnung eingezogen wird. Die reguläre Steuer liegt zwischen 3 und 20 Euro pro Quadratmeter mit Strom versorgter Gebäudefläche. Die Steuer wurde zusätzlich zur Anfang 2010 eingeführten Immobiliensteuer (die eigentlich eine Vermögenssteuer ist) eingeführt.

Für 2013 ist eine neue Steuer auf alle Immobilien, auch landwirtschaftlich genutzte, geplant. Diese neue Steuer soll dann die bisherigen ersetzen.

Vermieter, die keine anderen Einkünfte beziehen, sollen künftig ab dem ersten Euro Mieteinnahme besteuert werden. Für diese Vermieter gibt es dann keine Steuerfreibeträge mehr. Immobilientransaktionen werden seit Januar 2013 zweifach besteuert: der Käufer zahlt die Transaktionssteuer (vergleichbar mit unserer Grunderwerbsteuer), der Verkäufer wird mit einer neuen Wertzuwachssteuer in Höhe von 20 Prozent aus einem vom Finanzamt geschätzten Wert belastet.

Neben vielen allgemein bekannten Problemen in Griechenland zwangen auch diese Steuerbelastungen den griechischen Immobilienmarkt in die Knie. Der Immobilienmarkt war rund eine Dekade in Griechenland ein Bollwerk der Investitionstätigkeit. Kein Wunder, denn der Euro erzeugte in Griechenland wie in anderen Krisenländern einen inflationären Boom. Einerseits führten die eingesparten Zinsen privater oder öffentlicher Schuldner zu einem Anstieg der Realeinkommen. Andererseits eröffneten die bis dahin unbekannten  niedrigen Zinsen die Möglichkeit, sich höher zu verschulden. So Hans Werner Sinn in „Die Targetfalle“. Bei steigenden Immobilienpreisen werden immer mehr Menschen optimistisch und wollen von den Preissteigerungen profitieren. Dieses Verhalten lässt die Preise  weiter steigen und führt  zum Immobilienboom. Bis im entstehenden Überangebot die Käufer anfangen zu zweifeln und die Preise einbrechen.

Die Immobilienpreise in Attika, der bevölkerungsreichsten Region Griechenlands um Athen sind seit 2010 um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Die Finanzbehörden gehen von fiktiven Werten von bis zu 10.000,--€ pro Quadratmeter aus. Diese sind zwar längst nicht (mehr) erzielbar, aber sie stellen die  Bemessungsgrundlage für die o.g. Wertzuwachssteuer, Grunderwerbsteuer und Vermögenssteuer dar. Trotz massiv gesunkener Preise sind keine Käufer mehr für Immobilien zu finden, da sowohl die Anschaffungsnebenkosten wie auch die laufenden Kosten alle Schmerzgrenzen überschritten haben.

Die Situation in Griechenland habe ich in diesem Beitrag beschrieben, weil man daran wunderbar sieht, wozu ein Staat fähig ist, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht (im Falle Griechenlands ist die Oberkante der Unterlippe schon überflutet) und er seine Kredite nicht mehr bedienen kann. Begründet werden die irrsten Maßnahmen dann damit, dass dies alles für das Allgemeinwohl gemacht werden müsste. Gut, darüber kann man diskutieren. Wenn man das Allgemeinwohl gleich setzt mit dem Wohl der Kreditgeber des Staates, vorneweg den Banken, dann mag diese Begründung ihre Berechtigung haben. Griechische Verhältnisse sehe ich für Deutschland nicht. Die gigantischen Lasten, die in der Zukunft auf Deutschland – auch wegen der Eurorettungsmaßnahmen inklusive der Target2-Salden- zukommen können, werden aber auch hier dazu führen, dass die jeweilige Regierung alles tun wird, um die Zinsen für Staatskredite zu bezahlen. Insofern ist mit deutlich zunehmenden Belastungen zu rechnen.

Immobilieninvestoren sollten bei ihren Anlageentscheidungen  gelegentlich an Griechenland denken.