An den Hochzinsanleihe- und Junkbondmärkten habe sich in den vergangenen Jahren eine enorme Blase gebildet, wie die Analysten der UBS AG warnen. Nun, man muss gewiss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Märkte für hochspekulative Anleihen im Zuge der Nullzinspolitik der Federal Reserve erheblich in Schieflage geraten sind. Laut UBS AG würden Investoren an den Junkbondmärkten im aktuellen Umfeld nicht mehr kompensiert für ihre Risikobereitschaft, womit sich ein Platzen dieser Blase an den Kreditmärkten abzeichne.

Ganz besonders träfe dies laut UBS AG für die mit einem Junkrating versehenen Firmen in den USA zu. Nicht nur, dass sich ein Platzen der Blase an den Junkbondmärkten ankündige. Vielmehr werde es in diesem Zuge sehr wahrscheinlich zu einer Rekordausfallwelle unter den Emittenten kommen.

Dass vor allem Aktienanleger stets einen Blick auf die Entwicklung im Junkbondsegment werfen sollten, hatte ich in vielerlei Berichten in dr Vergangenheit wiederholt zum Thema gemacht. Selbstverständlich geht die größte Gefahr im Hochzinsanleihesegment nach wie vor von Energie- und Rohstoffunternehmen aus.

Nullzinsen: Die wichtigste Grundlage für Fehlentwicklungen an den Kapitalmärkten

Eine sich forcierende Ausfallwelle unter diesen Emittenten würde jedoch auch die Kredit gebenden Banken in den Vereinigten Staaten unter erheblichen Druck setzen. Insbesondere die jahrelange Nullzinspolitik der Federal Reserve hatte dazu beigetragen, dass sich Energie- und Frackingunternehmen in den letzten Jahren extrem hoch verschuldeten.

Im Angesicht von empfindlich eingebrochenen Rohstoffpreisen fällt es diesen Unternehmen immer schwieriger, ihre ausstehenden Schulden zu bedienen. Wie nicht anders zu erwarten, gehörte unter anderem Chesapeake Energy zu den ersten namhaften Insolvenzanmeldern in diesem Sektor.

Nicht erst seit diesem Zeitpunkt haben die Banken erkannt, dass ihnen empfindliche Ausfälle und Abschreibungen drohen könnten, falls sich die allgemeine Situation an den Rohstoff- und Energiemärkten nicht ganz schnell ändert. Laut den Analysten der UBS AG könnte es im sich abzeichnenden Defaultzyklus zu rekordhohen Zahlungsausfällen kommen.

Enorme Blase in Hochzinsanleihe-Märkten

Schließlich habe sich, so die UBS AG, an den Märkten für Hochzinsanleihen eine enorme Blase gebildet. Diese Tatsache führe im aktuellen Umfeld dazu, dass Investoren nicht mehr für das Eingehen von hohen Anlagerisiken entlohnt und kompensiert würden. Was könnte die Blase an den Junkbondmärkten zum Platzen bringen?

Nun, Gründe gäbe es gewiss viele. Bei der UBS AG macht man sich unterdessen die meisten Sorgen um den Gesundheitszustand der US-Wirtschaft. In diesem Hinblick wird noch nicht einmal von einer Rezession gesprochen. Vielmehr genüge schon ein sich intensivierender Abschwung der US-Wirtschaft, um das Kartenhaus an den Junkbondmärkten zum Einsturz zu bringen.

Eine solche Entwicklung würde bereits ausreichen, um die durch Ratingagenturen mit Junk versehenen Unternehmen unter einen enormen Kreditstress zu setzen. Laut Analysten gehören dazu vor allem Unternehmen, die in einem Umfeld von steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten bei gleichzeitig relativ niedrigen Rohstoffpreisen die Luft zum Atmen abgeschnürt werde.

42 Prozent aller Emittenten im Bereich niedrigster Bonitäten

Dazu gehört immerhin fast die Hälfte aller an den Hochzinsanleihemärkten emittierenden Unternehmen. Wie die UBS AG warnt blickten Investoren, die im Nullzinsumfeld der Federal Reserve in den letzten Jahren an den Hochzinsanleihemärkten beherzt zugegriffen hätten, dem Hinnehmen von massiven Verlusten entgegen.

Bei der UBS AG wird die aktuelle Lage wie folgt eingeschätzt: Rund 42% aller Emittenten an den Junkbondmärkten gehörten zum Kreis der Firmen, welche die niedrigste aller möglichen Kreditqualitäten und Bonitätseinschätzungen aufwiesen. Laut eigener Berechnungen und Studienergebnissen summiere sich das Gesamtausfallrisiko im laufenden Zyklus auf mehr als $1 Billion.

Ein großer Teil dieser ausstehenden Schulden sei durch Investoren gezeichnet worden, die an den Hochzinsanleihemärkten mit einer linearen Entwicklung gerechnet hätten. Aus diesem Grund seien die Ausfallrisiken exponentiell. Trotz dessen, dass es im zweiten Halbjahr 2015 wieder zu einer Verbesserung der Kreditdifferenzen (im Vergleich mit US-Staatsanleihen) gekommen sei, sind die ausstehenden Schulden- und Kreditbeträge, die Investoren im Fall von Bankrotten zugewiesen bekamen, gesunken.

Insolvenzen: Fast ein Viertel des Investorenkapitals bereits verloren

Während der langjährige Durchschnitt bei einer Rückholrate von 41,5% liegt, schafften es Investoren in den vergangenen zwölf Monten nur noch, 22,8% ihres Geldes im Fall von Insolvenzen zu retten. Bei der UBS AG spricht man darüber, dass die Blase an den Junk- und Hochzinsanleihemärkten bereits geplatzt sein könnte. In diesem Zuge werde es mit Junk- und Ramschanleiheratings versehenen Firmen immer schwerer fallen, sich an den Märkten neu zu verschulden.

Im gleichen Atemzug kletterten die Kreditkosten. Investoren zeigten sich bereits seit einiger Zeit besorgt über die Tatsache, dass sich die Kreditqualität im Hochzinsanleihesektor bereits deutlich verschlechtert habe. Resultat ist, dass sich die Emission von Hochzinsanleihen seit Jahresbeginn um 53% reduziert habe. Die Zinsen auf mit dem Rating CCC versehene Bonds seien – trotz einer Erholungsrallye im 2. Halbjahr 2015 – gleichzeitig auf über 15% in die Höhe geschossen.

Auch Analysten anderer Banken warnen davor, dass Investoren im Hochzinsanleihesektor aktuell noch immer stärker fremdfinanziert und kreditgehebelt als in den späten 1990iger Jahren unterwegs seien. Resultat sei eine massive Zunahme der stark ausfallgefährdeten Unternehmen, ein Überschreiten des Gewinnmargenhöhepunkts, steigende Zinsen und eine generelle Verschlechterung der Situation an den internationalen Kreditmärkten.

Globale Finanzkrise: Notwendige Marktbereinigungen wurden verhindert

Ein weiteres Resultat der Nullzinspolitik der Federal Reserve möchte ich an dieser Stelle noch selbst benennen. Viele der Unternehmen, die schon in den Jahren der globalen Finanzkrise bankrott hätten gehen sollen, um aus dem Wettbewerb auszuscheiden, sind durch diese Politik gerade noch einmal so vor der Insolvenz gerettet worden. Diese Bankrotte hätten man einfach zulassen sollen.

Anstelle dessen wurde ein weiterer hochriskanter Sektor durch eine Flut an  billigem Geld „gerettet“. Die daraus erwachsenden Resultate werden viele Investoren ins Mark treffen, die einst einmal geglaubt hatten, dass es in den USA und andernorts auf der Welt nie wieder zu Zinserhöhungen kommen würde.

Lineares Denken hat in einer sich mit rasendem Tempo verändernden Welt keinen Bestand. Abgesehen davon, dass lineares Denken auch andernfalls keinen Bestand hätte. Und aus eben jenem Grund sind die Ausfallrisiken nun auch extrem hoch und exponentiell, wie die UBS AG so treffend in ihrer Mitteilung warnte! Seit dem Überwinden des Höhepunkts der globalen Finanzkrise waren wir niemals anderer Ansicht.