Die Erholung der Weltwirtschaft ist immer größeren Gefahren und Risiken ausgesetzt. Dies gilt insbesondere im Angesicht eines sich fortsetzenden Abverkaufs an den Bondmärkten. Es erweckt den Eindruck, als sei die Volatilität an den Bondmärkten zurzeit in einem Maße am Wachsen, das vielen Beobachtern und Analysten ein wenig Furcht in die Glieder fahren lässt. Denn gerade die Staatsanleihemärkte hatten sich in der Vergangenheit stets als „sicherer“ Hafen erwiesen, wenn es in anderen Segmenten zu Turbulenzen gekommen war.

Deutsche Staatsanleihen: Rendite mit Bocksprüngen

Ganz besonders galt diese Faustformel stets im Hinblick auf die Staatsanleihemärkte in den Vereinigten Staaten und Deutschland. Doch in den vergangenen Wochen machten gerade und vor allem die Renditen deutscher Bundesanleihen verschiedenster Laufzeiten Bocksprünge. Natürlich setzte diese Entwicklung ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau ein.

Doch nichtsdestotrotz hatten sich viele Bondinvestoren im Angesicht des durch die EZB jüngst verabschiedeten Bondankaufprogramms auf die Schlagkraft der EZB an den heimischen Staatsanleihemärkten – wie ehedem im Fall der Fed – blind verlassen. Umso größer ist die Verwunderung über die aktuellen Entwicklungen.

Werden die Zentralbanken den Finanzmärkten bald nicht mehr unter die Arme greifen?

Was sich an den Kursen in Bezug auf deutsche Bunds zurzeit ablesen lässt, ist die Tatsache, dass Investoren das Weite suchen. Wie in den vergangenen Tagen berichtet, hält Pimco, einer der größten Anleiheverwalter der Welt, zeitgleich nur noch 8,5% seiner Positionen in Form von amerikanischen Staatsanleihen, während auch die Renditen in den USA am Klettern sind.

Es waren die Bondkönige Bill Gross und Jeff Gundlach, die vor allem deutsche Bunds als „Leerverkaufschance“ des Jahrhunderts bezeichneten. Seitdem hat sich allemal einiges getan. Über die Gründe lässt sich streiten. Eine wachsende Anzahl von Beobachtern erklärten in den letzten Wochen, dass die Zentralbanken den Finanzmärkten schon bald nicht mehr unter die Arme greifen würden.

Ob Statements dieser Art tatsächlich haltbar sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn dazu braucht man eigentlich nur auf die Eurozone und das jüngst verabschiedete QE-Programm der EZB oder nach Japan zu blicken. Insbesondere in Japan geht der Wahnsinn weiter, wo die Bank of Japan heimische Staatsanleihen in dreimal höheren Volumen als ehedem die Federal Reserve ankauft.

Wer sollte denn im Hinblick auf Japan eigentlich sonst noch als bereitwilliger Käufer zur Verfügung stehen, wenn nicht die BoJ? Der japanische Yen hat diese Entwicklung zu spüren bekommen. Vor Kurzem sauste der Yen gegenüber dem US-Dollar durch die immanent wichtige Marke von 120. Bei SocGen geht man nun gar davon aus, dass der Yen weiter bis auf 145 gegenüber dem US-Dollar fallen wird.

Problem an Bondmärkten: Mehr Verkäufer als Käufer

Wer sich daran erinnert, auf welch drastische Weise Japan von Öl- und Rohstoffeinfuhren abhängig ist, schüttelt nur noch mit dem Kopf. Interessant war allerdings die jüngste Aussage der EZB, im Fall einer sich ausweitenden Marktkorrektur nicht eingreifen zu wollen – was auch immer dies heißen mag.

Das zugrundeliegende Hauptproblem an den Bondmärkten ist – wie ich schon in den letzten Wochen hin und wieder berichtete – eine sich stetig verknappende Liquidität. Dazu empfiehlt sich vielleicht nochmals das Lesen des Berichts Starökonom Nouriel Roubini zu Makro- vs. Marktliquidität. Trotz der anhaltenden Zentralbankinterventionen gehen Analysten von einer wachsenden Volatilität bei gleichzeitiger Illiquidität der Bondmärkte aus, was sich als großes Problem im Hinblick auf eine Normalisierung der Zinspolitik der Notenbanken erweisen könnte.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass die US-Wirtschaft – entgegen aller Erwartungen – wieder am Rande einer Rezession wandelt. Problem an den Bondmärkten ist zurzeit die Tatsache, dass es weitaus mehr Verkäufer als Käufer gibt, wodurch sich die Liquidität in diesen immanent wichtigen Marktsegmenten verknappt. Die zunehmende Volatilität an den Bondmärkten könnte sich auch äußerst negativ auf die Entwicklung der Weltwirtschaft auswirken.

Nicht nur Internationaler Währungsfonds und Weltbank hatten vor einem solchen Phänomen in den letzten Tagen gewarnt (ich berichtete). Da sich der Schuldendienst vieler Regierungen im Angesicht von wachsenden Renditen erhöht und bislang weiterhin keine Anzeichen für eine Kürzung von staatlichen Ausgabeprogrammen bestehen, wird irgendwann kaum mehr etwas anderes übrig bleiben, als Unternehmen und Bürgern die Steuern zu erhöhen.

Wie sich dies auf die konjunkturelle Lage auswirken würde, kann sich gewiss jedermann vorstellen...