Die Dinge scheinen sich zu wiederholen. Immobilienmogul und Milliardär Sam Zell hat das Preishoch an den gewerblichen Immobilienmärkten (CRE) in den USA ausgerufen und steht seit Beginn dieses Jahres auf der Verkäuferseite. Es sei hart, in der aktuellen Situation an den CRE-Märkten nicht zu den Verkäufern zu gehören, so Zell, weshalb dessen Unternehmen sich seit Jahresbeginn bereits von Immobilien in einem Gesamtwert von mehr als $8 Milliarden getrennt hat, darunter 23.500 Apartmenteinheiten.

Auch wenn Sam Zell seine Ansichten nicht selten überspitzt, dabei jedoch klar und deutlich äußert, verfolgen viele Akteure und Beobachter an den Finanzmärkten dessen Transaktionen und Aussagen mit Argusaugen. Immerhin machte Zell ein Milliardenvermögen, indem dieser Immobilien für Cents pro Dollar im Zuge der Rezessionen in den 1970igern und 1990igern erwarb.

Immobilienkoryphäe mit gutem Riecher

Sein gutes Näschen für das Erreichen der jeweiligen Tiefpunkte an den Immobilienmärkten brachte Zell den Spitznamen „Der Grabtänzer“ ein. Zell gehörte überdies zu den wenigen Immobilienkoryphäen, welche die jüngste Immobilienblase an Amerikas Häusermärkten rechtzeitig erkannten, bevor diese letztendlich mit einem großen Knall platzte.

Im Februar 2007 verkaufte Zell Büroimmobilien in einem Wert von $24 Milliarden. Während die Preise an den privaten Häusermärkten bereits im Jahr 2006 geplatzt waren, erreichten die Preise an den CRE-Märkten neun Monate nach Zells weitläufigen Verkäufen ihre Hochs. An den CRE-Märkten folgte darauf ein Preiseinbruch, der sich in der Spitze auf rund 45% belief. 

Wie Zell kürzlich gegenüber Bloomberg TV mitteilte, befänden sich die CRE-Märkte in den USA heute in einer ähnlichen Lage wie in der vergangenen Dekade. Folgerichtig hat Zells Firma zum jetzigen Zeitpunkt bereits Immobilien in einem Gesamtgegenwert von mehr als $8 Milliarden verkauft.

Allein im Monat Januar trennte sich Zell von 23.500 Apartmenteinheiten, was rund einem Viertel seines Formenportfolios entsprach. Laut Zell sei es im aktuellen Umfeld an Amerikas Häusermärkten sehr hart, nicht zu den Verkäufern zu gehören. Hauptgrund sei, dass die CRE-Preise im ganzen Land ein weiteres Mal auf Mondbewertungen geklettert seien.

Verdopplung der Marktpreise seit 2010

Seit dem Jahr 2010 haben sich die Preise an den gewerblichen Immobilienmärkten der USA fast verdoppelt und haben in diesem Zuge neue Allzeithochs erklommen. Momentan befinden sich die CRE-Preise rund 15% über deren im Jahr 2007 ausgebildeten Hochs. Allerdings lässt sich feststellen, dass die Party an den CRE-Märkten in den USA vorbei zu sein scheint.

Diese Vermutung stützt sich insbesondere auf den herben Verkaufseinbruch im Februar, der sich gegenüber dem Vormonat auf 47% belief. Die CRE-Verkäufe sind seitdem drei Monate in Folge gesunken. Diese Beobachtung ließ sich seit dem Finanzkrisenjahr 2009 nicht mehr machen.

Im laufenden Monat warnte Zell davor, dass die CRE-Preise noch immer zu hoch seien. Ich werde auf die Beweggründe für diese Entwicklung nicht mehr allzu detailliert eingehen. Lassen Sie mich zusammenfassen, dass einmal mehr ersichtlich wird, auf welche Weise die massiven Bondankaufprogramme und die Nullzinspolitik der Fed zur aktuellen Situation an Amerikas Häusermärkten beigetragen haben.

Wie so oft in der Vergangenheit ausgeführt, zeigt sich abermals, wie die Geldpolitik der US-Notenbank zu den sich zementierenden Boom & Bust-Zyklen beiträgt. Ersichtlich wird jedoch langsam aber sicher, wie sich die Schäden nach dem Platzen dieser Blasen potenzieren. Wer weiß, wie die Lage an den CRE-Märkten aussehen wird, wenn die rücksichtslose Geldpolitik der Fed ein weiteres Mal gegen die Wand fahren wird. 

Dies gilt nicht nur für gnadenlos aufgepumpte private und gewerbliche Immobilienmärkte, sondern vor allem auch für die Aktien- und Bondmärkte, die in den vergangenen Jahren ebenfalls auf neue Allzeithochs geklettert waren. Um nochmals auf Zell einzugehen, so sieht der Immobilienmogul die US-Wirtschaft in große Probleme hineinsteuern.

US-Rezession voraus?

Erst in der letzten Woche erklärte Zell gegenüber dem WSJ, dass die globalen Probleme die US-Wirtschaft im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich in eine Rezession stürzen werden. Damit wurde den „Abkopplungsapologeten“ seitens eines weiteren namhaften Investors eine Absage und der Weckruf zum Aufwachen aus deren erwartungsvollen Hoffnungen erteilt.

Auf einer in New York in der vergangenen Woche stattgefundenen Immobilienkonferenz erklärte Zell, dass er kein Pessimist, sondern ein Realist sei. Seiner Ansicht nach befinde sich die US-Wirtschaft momentan im neunten Inning. Darüber hinaus sorgt sich der Milliardär über die Volatilität an den Finanzmärkten, radikale Regierungsstrategien und einen sich abschwächenden Welthandel.

Im 1. Quartal wuchs die US-Wirtschaft gerade noch um 1,4%, was weniger als der Hälfte des historischen Durchschnitts entspricht. Es empfiehlt sich, seinen Fokus auf Daten zu legen, die weniger leicht zu fälschen sind als die offiziell publizierten Konjunktur- und Wirtschaftsdaten der Regierungsbehörden.

Aktuelle Zahlen aus der Realwirtschaft verheißen wenig Gutes

Dazu gehören unter anderem die Absatz- und Gewinnergebnisse im Unternehmenssektor. Diese Daten dürften sich als weitaus besseres Barometer erweisen, um zu eruieren, wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist. Diese Daten zeigen, dass die wirtschaftliche Schwäche in den USA ausgeprägt ist.

Der Smartphone-Hersteller Apple untermauerte diese Beobachtung, nachdem das Unternehmen erstmals seit dem Jahr 2003 rückläufige Absätze gegenüber dem Vorjahr im ersten Quartal bekannt gegeben hatte. Auch viele andere namhafte Großkonzerne wie Walmart, Advance Auto Parts oder Best Buy berichteten in den letzten Monaten wiederholt über rückläufige Absatzzahlen.

Insgesamt berichteten 640 börsengelistete Unternehmen in den Vereinigten Staaten mit einer jeweiligen Marktkapitalisierung von mindestens $1 Milliarde über rückläufige Absätze und Verkäufe im Vergleich mit dem Vorjahr. Zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres belief sich deren Anzahl auf 324 Unternehmen. Wie sich zeigt, hat sich die Anzahl der Konzerne und Firmen, die gegenüber dem Vorjahr über rückläufige Absätze berichteten, verdoppelt.