Nicht nur das staatliche Pensionssystem weist Rekorddefizite auf. Auch die Pension Benefit Guaranty Corporation, welche einstmals gegründet wurde, um die Rentenansprüche von mehr als 41 Millionen Amerikanern staatlich zu garantieren, fuhr im abgelaufenen Fiskaljahr das höchste Budgetdefizit in ihrer 40-jährigen Geschichte ein. Amerikas Pensionssystem ist ein riesiges Luftschloss, dessen Protagonisten trotz anhaltender Börsenrallye nicht annähernd dazu imstande sind, diejenigen Renditen zu erwirtschaften, die benötigt werden, um die einst abgegebenen Rentenversprechen auch einzuhalten.

Dass Amerikas Pensionssystem auf der Kippe steht, ist hinlänglich bekannt. Selbst BlackRock Chef Larry Fink und Warren Buffett himself warnten in diesem Jahr davor, dass Amerikas Pensionssystem durchaus über die Wupper gehen könnte. Die Gründe für diese Entwicklung sind mannigfaltig. Einerseits lässt sich sagen, dass viele Amerikaner noch immer keine große Neigung zur Bildung von Ersparnissen aufweisen.

Eine Mehrheit von ihnen kann es sich im aktuellen Wirtschaftsumfeld und im Angesicht einer anhaltenden Umwandlung von Vollzeit- in Niedriglohnjobs jedoch auch schlichtweg nicht leisten, weil unter anderem der Abbau von ausstehenden Schulden nach wie vor Vorrang vor vielen anderen Dingen hat. Andererseits wurde ein großer Teil der einstmals abgegebenen Rentenversprechen auf Sand gebaut.

Pensionsriesen wie Calpers & Co. kalkulieren heutzutage mit Jahresrenditen, die sich selbst vor dem großen Bankencrash im Jahr 2008 nicht erwirtschaften ließen (ich berichtete mehrfach). Nachdem Daten von State Budget Solutions im Jahr 2012 zeigten, dass zum damaligen Zeitpunkt allein im staatlichen Pensionssystem eine Finanzlücke von knapp $5 Billionen klaffte, sieht es im Hinblick auf die Entwicklung in der Privatwirtschaft und den in diesem Sektor vereinbarten Rentenplänen für die Firmenbelegschaften nicht viel besser aus.

Wie anders würde es sich sonst erklären, dass die Pension Benefit Guaranty Corporation, ein im Jahr 1974 ins Leben gerufener Rückversicherer zum Schutz der Pensionen von mehr als 41 Millionen Amerikanern, fast über eine Verdopplung des eigenen Budgetdefizits in dem am 30. September abgelaufenen Fiskaljahr berichtete??!

Laut gestriger Mitteilung des staatlichen Rentengarantiefonds PBGC lässt sich die rapide verschlechternde Finanzlage unter anderem auch auf Probleme mit Pensionsplänen unter einer Reihe von großen Konzernen zurückführen. Im abgelaufenen Fiskaljahr fuhr der staatliche Rentengarantiefonds ein Budgetdefizit von knapp $62 Milliarden ein – ein neues Rekordhoch in der 40-jährigen Fondshistorie.

Im Vergleich dazu wurde im Vorjahr ein Budgetdefizit von $36 Milliarden eingefahren. Wie das PBGC-Management mitteilte, seien insbesondere Rentenpläne für die aktuelle Finanzlage verantwortlich, die zwischen Gewerkschaften und ganzen Industriezweigen abgeschlossen wurden. In diesem Bereich schoss das Defizit bei PBGC von etwas mehr als $8 Milliarden in 2013 auf $42,4 Milliarden in diesem Jahr nach oben.

Der staatliche Rentengarantiefonds verkniff es sich weitere Angaben darüber zu tätigen, wie vielen Pensionsplänen in diesem Bereich in den nächsten Jahren das Geld ausgehen könnte. Immerhin wurden in der Vergangenheit mehr als 1.400 Rentensparpläne zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern aus verschiedenen Industriebranchen ausgehandelt, über die mehr als 10 Millionen amerikanische Arbeitnehmer versichert sind.

Interessant ist jedoch das Statement, laut dem eine Vielzahl von Rentenplänen in diesem Bereich in den nächsten zehn Jahren in die Insolvenz gehen werde, falls es nicht zu nachhaltigen Reformen kommen sollte. Laut den Berechnungen von PBGC seien schon heute etwas mehr als 1 Million Rentenpläne substanziell unterfinanziert. Ohne gesetzlich verabschiedete Reformen würden die meisten dieser Rentenpläne vor dem Scheitern stehen, wie es hieß.

Um dieser Entwicklung entgegen zu treten, hatte US-Präsident Barack Obama zuletzt dafür plädiert, die Versicherungsprämien anzuheben, was sich jedoch nur durch eine politische Mehrheit im US-Kongress verabschieden ließe. Fortan sollten die zu leistenden Prämien laut Obama an das geschäftliche Risiko der jeweiligen Unternehmen angepasst werden. Wie dem auch sei, das Fiskaljahr 2014 ist das zwölfte Jahr in Folge, in dem PBGC Verluste einfuhr.

Dass die US-Wirtschaft alles andere als rund läuft, zeigt die Tatsache, dass sich diese Verluste in den letzten Jahren signifikant ausweiteten. Bei PBGC heißt es, dass die Schwäche der US-Wirtschaft zu einer zunehmenden Zahl der Insolvenzen im Unternehmenssektor geführt habe, wodurch auch eine Vielzahl an einst vereinbarten Pensionsplänen über die Wupper gegangen sei.

Und jetzt  kommt´s: sollte dieser Trend anhalten, könnte es in absehbarer Zukunft notwendig werden, dem staatlichen Rentengarantiefonds einen Steuerzahlerbailout zu leisten. Denn anders sei der Fonds irgendwann nicht mehr dazu in der Lage, die unter amerikanischen Rentensparplänen entstehenden Verluste selbst zu schultern. Wer einen Blick in den jüngsten PBGC-Bericht wirft, erkennt, dass die Pensionsverpflichtungen des Fonds im Fiskaljahr 2014 um knapp $31 Milliarden kletterten.

Die Gesamtverpflichtungen summieren sich nun auf $151,5 Milliarden. Dem stehen gehaltene Vermögenswerte in Höhe von lediglich $90 Milliarden gegenüber. Dabei hat sich die Anzahl der Arbeitgeber, die ihren Belegschaften traditionelle Pensionssparpläne anbietet, in den letzten Jahren dramatisch reduziert. Dazu gehört insbesondere eine deutliche Abnahme des Angebots von so genannten 401(k) Rentenplänen.