Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1093 (07.38 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1029 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 100.77. In der Folge notiert EUR-JPY bei 111.75. EUR-CHF oszilliert bei 1.0810.

Die Nachwehen des Brexit-Referendums bestimmen das Bild. Der Preis, den das UK bei einem tatsächlichen Brexit zu zahlen hätte, ist hoch. Das merken jetzt die Halter von britischen Immobilienfonds und voraussichtlich im weiteren Verlauf Immobilienbesitzer bezüglich der Beleihbarkeit ihrer Wohnimmobilien. In der Folge wird es die Baubranche spüren.

Die Einlassungen des DIHK zu den Plänen deutscher Firmen im UK unterstreicht, dass der produzierende Sektor geschliffen wird. All diese Entwicklungen wirkten sich negativ auf den Dienstleistungssektor aus. Das hat wieder Auswirkungen auf den Konsum. Es wirken dann neben dem Problem einer zukünftig eingeschränkten Rolle des Finanzplatzes London auch noch Abschreibungsbedarfe im UK-Kreditsektor. Die Antwort darauf lautet aus der UK-Treasury "Steuersenkungen".

Nun lag die Prognose des IWF bezüglich des britischen Haushaltsdefizits bei 3,8% des BIP vor dem Brexit: Ist Herrn Osborne bewusst, wohin die öffentliche Verschuldung dann treiben würde? Vor diesem Hintergrund reden wir bezüglich des Brexit von der Annahme eines tatsächlichen Brexit. Im Verlauf der kommenden Monate ist vor dem Hintergrund der sich jetzt auftürmenden Bedrohungen nicht festgeschrieben, dass der mittlerweile zu großen Teilen diskontierte Brexit auch wirklich stattfindet.

Mehr noch gibt es eine Lernkurve für die Menschen des Rests der EU, aber auch der Eurozone:

Die Verantwortlichen eines Exit, verabschieden sich zügig in das Privatleben und negieren damit die auf sich geladene Verantwortung. Die Negativfolgen eines Exit wurden falsch von den Protagonisten des Exit dargestellt und müssen von den Menschen vor Ort ausgebadet werden. Wie glaubwürdig sind diese den Exit befördernden Kräfte?

Das Negativbeispiel UK hat das Potential, die politische Landschaft der EU und Eurozone zukünftig anders aussehen zu lassen, als es jetzt erscheint. Gleichzeitig gilt es aber auch, die Fehler der Vergangenheit in der Politik der EU (unter anderem Erweiterung und/oder Assoziierung unter Ausblendung der Qualitätsaspekte, wo hört Europa auf?) zu erkennen und zu heilen. In wie weit das mit dem aktuellen Personal möglich ist sei dahin gestellt.

Mehr noch geht es auch darum, die Struktur der EU zu demokratisieren und den Menschen in der EU einen Plan vorzustellen, wohin die Reise gehen soll?

Super, was uns dort aus den USA erreicht: Der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich legte per Juni unerwartet stark von zuvor 52,9 auf 56,5 Punkte zu. Damit wurde das höchste Niveau seit November 2015 markiert. Ganze Warenhausketten wurden geschlossen oder die Anzahl der Filialen wurden/werden reduziert. US-Unternehmensgewinne sind in der stärksten Rezession seit 2009… Wir nehmen den Wert zur Kenntnis.

Das Handelsbilanzdefizit stellte sich in den USA per Mai auf 41,4 Mrd. USD nach zuvor -37,4 Mrd. USD. Es bleibt bei einem strukturellen Defizit. Die Entspannung der beiden Vormonate ist voraussichtlich nicht trendfähig.

Nachdem die erstaunlichen ISM-Daten nun verarbeitet wurden, werfen wir einen Blick auf die Entwicklung bei den großen LKWs in den USA. Die Straße ist unverändert der präferierte Transportweg. Die Entwicklung der Auftragseingänge in diesem Segment sind grundsätzlich Ausdruck der gesamtökonomischen Dynamik.

Die Auftragseingänge in dem Segment der "Heavy Trucks" sinken seit 4. Quartal 2014, das entspricht dem Ende der Bondaufkäufe der Federal Reserve, und markieren aktuell das geringste Auftragsniveau seit Mitte 2012! "Food for thought!"

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1120 -50 dreht den Bias.

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