Immer wenn die Zinsen an den Märkten besonders niedrig sind, kommen von einigen Banken trickreiche Kombi-Anlagegebote. Da werden plötzlich Zinssätze geboten, die den Anleger vom Hocker hauen und ihn dazu verleiten, nicht so genau hinzuschauen. Da werden fünf oder sechs Prozent Zinsen geboten, und das mitten im Zinstief. Wie ist das möglich?

Zinsen nur auf das halbe Kapital . . .

Das Angebot hat natürlich Pferdefüße, denn solche Zinsen kann keine Bank derzeit zahlen. Zum ersten sind dieses spektakuläre Sparzinsangebote in der Regel zeitlich eng begrenzt, also evtl. nur für drei oder sechs Monate. Der andere, wirkliche Pferdefuß ist aber, dass diese noblen Zinsen dem Anleger meist nur auf die Hälfte seines zur Bank gebrachten Kapitals gezahlt werden. Die andere Hälfte seines Geldes muss er nämlich in einem Investmentfonds anlegen.

Manche Begleitumstände sprechen für eine geschickte Mogelpackung. Zum einen wird eine Kurzfrist-Konto-Anlage – mit dem optisch so tollen Zins -  kombiniert mit einer eher längerfristig einzustufenden Fondsanlage. Das passt eigentlich anlagestrategisch nicht zusammen und auch kaum einem Anleger in den Kram, also in seine asset allocation.

. . . und finanziert durch Ausgabeaufschläge

Zum anderen muss der Anleger, und das ist der Trick, beim Kauf der Fonds Ausgabeaufschläge bezahlen. Diese sind zwar reduziert, machen aber immerhin oft noch zwischen 1,5  bis 3,0 Prozentpunkte aus; je nachdem, um welche Art Fonds, Aktien oder Renten, es sich handelt.  Diese Ausgabeaufschläge finanzieren folglich die hohen Zinsen bzw. zumindest den Teil der Zinsen, der über den ansonsten am Markt zu erzielenden Sätzen liegt. Der Anleger finanziert sich also den optisch so schönen Zins selbst, und muss dann diese Zinsen evtl. auch noch versteuern.

Ein Beispiel entlarvt den Trick:  Ein Anleger investiert 20.000 Euro. Er erhält auf 10.000 Euro für angenommen ein halbes Jahr 6 Prozent Zinsen, also 300 Euro. Kauft er für die andere Hälfte einen „mittelteuren“ gemischten Fonds, dann bezahlt er auf die anderen 10.000 Euro einen Ausgabeaufschlag von evtl.  2,0 Prozent, also 200 Euro. Steigt er dann nach dem halben Jahr aus, dann bleiben ihm von seinen 300 Euro an Zinsen nach Abzug der Kosten noch magere 100 Euro. Er hat seine Zinsen also zum einen selbst bezahlt, und im Grunde auch nur auf dem Papier erhalten. Die Wertentwicklung der Fonds in diesem Halbjahr kann dabei natürlich nicht berücksichtigt werden. Hätte er seine 20.000 Euro zu einem ehrlichen Satz von nur zwei Prozent angelegt, hätte er nach dem halben Jahr immerhin 200 Euro, also das Doppelte.

Hingewiesen wird der Anleger oft noch darauf, dass seine Anlage kurzfristig verfügbar ist. Das ist der nächste Trick. Denn dann bekommt der Anleger die hohen Zinsen auf sein halbes Kapital nur kurzfristig, während die Ausgabeaufschläge bei den Fonds in jedem Falle anfallen. Die Rechnung des Anleger wird also immer schlechter. Ganz schön pfiffig (von der Bank, nicht für den Anleger).

Die Rechnung zeigt, das hier ein Etikettenschwindel betrieben wird, wie er auch früher schon in ähnlicher Form am grauen Kapitalmarkt versucht worden ist. Die Banken sollten wahrhaftiger werden und die Kunden – und auch die Kritik der Verbraucherschützer -  ernster nehmen. Sie stehen doch eh mit dem Rücken zur Wand. 

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