Bei einer Hausse, egal wo, dabei sein, Kursabschwünge aber meiden – das ist der Traum jedes Anlegers. Trendfolge ist eine Anlagestrategie, die auf technischer Analyse von Kursen basiert. Es ist der Versuch, anhand der Chartanalyse Aufwärtstrends, Abwärtstrends und Seitwärtsbewegungen frühzeitig zu erkennen und möglichst lange von diesem Trend zu profitieren. Dabei kann man auf kurzfristige, mittelfristige oder langfristige Trends setzen. Funktioniert diese Strategie? Und wie kann ich sie selber umsetzen?

Grundsätzliches

Ziel der Trendmodelle ist es nicht, die Gewinne zu maximieren, sondern vielmehr die Verluste zu minimieren und dadurch langfristig Mehrwert zu schaffen. Ein großer Vorteil der Trendfolge ist, dass Emotionen ausgeschlossen werden, da die Strategie auf klar definierten Handelsregeln basiert. Emotionen behindern die Disziplin und sind der größte Feind des erfolgreichen Investors.

Strategie kaufen oder selber umsetzen?

In meinem letzten Beitrag (09.06.2016 - Chartanalyse) habe ich versucht zu erklären, wie die technische Analyse funktioniert, welche Vorteile und welche Grenzen sie hat.

Seit Jahren gibt es sie. Fonds, die es darauf anlegen, stets dort zu sein, wo die Musik spielt. Sie richten sich mit ihren Investments allein nach Kurstrends, gleich ob bei Ländern oder Branchen, bei Aktien, Anleihen oder Rohstoffen. Wo und wann ge- oder verkauft wird, bestimmt der Computer anhand von Kurs- und Marktdaten. Prognosen, Analysen, Stimmungen spielen keine Rolle.

Für den Anleger ist solch ein Fonds ein bequemes Investment. Weiß er doch, dass der Computer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Ein- und Ausstiegssignale liefert. Mit neuronalen Netzen bestückt, lernt der Computer aus Fehlern und wird sie beim nächsten Trade vermeiden. Dem Anleger wird die Entscheidung abgenommen, wann und wie er sein Geld anlegen soll. Keine Ängste mehr, zum falschen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Das klingt doch gut. Oder?

Trendfolgefonds sind Langfristanlagen

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen ein gutes Dutzend solcher Trendfolgefonds. Die Fonds haben alle das gleiche Ziel: in guten Börsenphasen dabei zu sein, schlechte dagegen möglichst zu meiden. Der Großteil der Performance wird in Abwärtstrends erzielt, denn da möchte der Fonds nicht dabei sein. Das ist logisch. So benötigt ein Fonds nach einem 50%igen Verlust 100% Gewinn, um die Verluste zu kompensieren. Ein Fonds, der seine Verluste auf 20% begrenzt, benötigt dafür hingegen 25% Gewinn.

Die Computer handeln erst dann, wenn sich Trend nachhaltig etabliert haben. Das kann ein paar Tage aber auch Wochen dauern. Das ist also stets eine Zeit nach den Wendepunkten des Marktes. Die ersten Gewinne verpasst somit der Fonds, ebenso wie er die ersten Verluste noch mitnimmt. Das kann kurzfristig betrachtet durchaus zu einer deutlichen Underperformance dieser Fonds führen.

Grenzen des Trendfolgemodells

Die vergangenen Jahre waren ein Härtetest für die Trendfolgefonds. Das Chaos an vielen Märkten während der Finanzkrise 2008/09 und das ständige Auf und Ab im wenig ergiebigen Börsenjahr 2011 und 2015 stellten für die Modelle, die auf klare und kalkulierbare Trends abzielen, eine große Herausforderung dar. Längst nicht alle Fonds bestanden sie.

Umsetzung der Trendfolgestrategie

Um Ihnen den Effekt der Trendfolgestrategie zu zeigen, habe ich eine einfache und nachvollziehbare Anlagestrategie benutzt.

Als Basisinvestment habe ich für einen Anlagebetrag von 20.000 EUR einen DAX-ETF gewählt und als Kauf- und Verkaufssignalgeber die 200-Tage-Linie. Durchbricht der aktuelle Kurs des ETF den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben, wird am nächsten Tag zum Schlusskurs gekauft. Durchbricht der Kurs hingegen diese Linie von oben nach unten, wird entsprechend verkauft. Einfacher ausgedrückt. Sind die Kurse über der Trendlinie, ist der Anleger dabei. Sind die Kurse hingegen unter der Trendlinie, ist er raus. Die Handelskosten betragen jeweils 19,50 EUR pro Trade (IMAS-Depot – io-direkt.de). Bis zum nächsten Kaufsignal verbleibt der Anlagebetrag auf dem Verrechnungskonto. Aufgrund der maximalen Datenhistorie von 10 Jahren und der 200-Tage-Linie beträgt der aufgezeigte Kursverlauf in meinem Versuchsmodell nur knapp 9 Jahre.

Die Vorteile dieser Anlagestrategie sind klar ersichtlich. In Phasen starker Abwärtsbewegungen wurde rechtzeitig verkauft (rot hinterlegt). Bei den starken Aufwärtsbewegungen hingegen war man die meiste Zeit dabei (grün hinterlegt).

Mit dieser Strategie konnte man in dieser Zeit mit dem DAX-ETF eine Performance von ca. 37% erzielen. Bei der Buy-and-Hold Strategie hingegen nur ca. 14%.

Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn wir den Start auf den 01.03.2009 legen. Also genau zu den Tiefstkursen von 2009.

Hier läge Sie mit der Buy-and-Hold Strategie deutlich besser, da sich nach diesem Tag ein deutlicher und nachhaltiger Aufwärtstrend etablieren konnte und es bis 2015 zu keinen dramatischen Abschwüngen mehr gekommen ist. Mit einer Performance von über 88% lag hier die Buy-and-Hold Strategie deutlich vor der Trendfolgestrategie mit einer Performance von „nur“ ca. 48%.

Im Jahr 2015/2016 haben wir wieder ein ausgeglichenes Ergebnis

Anfang 2015 entfernten sich die Kurse weit von der Trendlinie, so dass ein Teil der Gewinne aufgrund des verspäteten Verkaufssignals verloren gingen. Danach befanden sich die Kurse nahe am gleitenden Durchschnitt, und es kam zu Fehlsignalen. Beide Strategien erzielten somit die gleiche Performance = 0%.

Nur ein Trend ist Dein Freund

Seitwärtsbewegungen - das Gift für Trendfolgemodelle

Der bekannte Fonds BGF World Gold wird u.a. gerne als Alternative zur direkten Anlage in physisches Gold benutzt. Hätte man beim bei diesem Fonds die Trendfolgestrategie angewendet, dann wäre selbst auf 9-Jahressicht nur eine Performance von ca. 3% zu erzielen gewesen. Warum? Die Ursache liegt im Jahr 2011. In diesem Jahr bewegte sich der Fondspreis mit einer großen Schwankungsbreite lange Zeit in der Nähe der 200-Tage-Linie seitwärts und generierte viele falsche Handelssignale, die neben Kursverlusten auch noch zu erhöhten Transaktionskosten führten (rot hinterlegt). So wurden in diesem Zeitraum 87 Handelssignale ausgelöst, die Kosten von 1.696,50 EUR verursachten. In dieser Zeit wurden höhere Kursverluste erzielt als in den gesamten Abwärtsbewegungen davor und danach.

Mögliche Lösung – Indikator anpassen

Verändert man hingegen den Indikator und wählt statt der 200- die 30-Tage-Linie, dann ergibt sich ein völlig anderes Bild.

Die Anzahl der generierten Trades erhöht sich in diesem Zeitraum auf 185 (also ca. 20 Trades pro Jahr) und die Kosten dafür auf 3.607,50 EUR. Dennoch läge die Performance bei ca. 27%. Der Aufwand und die Kosten hätten sich also gelohnt.

Zusammenfassung

Die Anlagestrategie Trendfolgemodell ist durchaus eine geeignete Strategie, um langfristig eine gegenüber der Buy-and Hold-Strategie erhöhte Performance zu erzielen. Wie die Tests jedoch zeigen, wird der Performancevorteil dadurch erzielt, dass man versucht, Abwärtsbewegungen rechtzeitig zu erkennen, um dann den jeweiligen Markt zu verlassen. Verlustvermeidung heißt hier die Devise.

Das Problem hierbei ist jedoch, den geeigneten Indikator zu finden. Nimmt man eine starke Kursglättung vor (Bsp. 200-Tage-Linie), läuft man Gefahr, dass sich die Kurse in dynamischen Phasen weit von der 200-Tage-Linie entfernen, was dazu führt, dass die Handelssignale aufgrund der Trägheit dieser Linie nur sehr verspätet erzeugt werden. Nach dynamischen Aufwärtsphasen verliert man dadurch einen Teil der Kursgewinne, nach dynamischen Abwärtsphasen verpasst man einen Großteil der Aufwärtsbewegung. Die Anzahl der erzeugten Handelssignale und damit auch die Kosten sind jedoch in diesen Phasen überschaubar.

Reduziert man hingegen die Kursglättung und wählt eine niedrigere Tageslinie als Handelsindikator, kann man diesen Nachteil reduzieren. Dann besteht jedoch die Gefahr darin, dass sich die Anzahl der Handelssignale und damit auch die Kosten sprunghaft erhöhen.

Für jedes Wertpapier bzw. für jeden Fonds lässt sich durch Versuche die Trendlinie ermitteln, die in der Vergangenheit die erfolgreichsten Handelssignale geliefert hat. Doch auch hier gilt, dass sich diese Erkenntnis nur auf historische Kursbewegungen bezieht und kein Garant dafür ist, dass sie auch in Zukunft die besten Signale liefert.

Egal, welche Tagelinie gewählt wird. Das klassische Trendfolgemodell versagt dann, wenn es keinen klaren Trend gibt. Speziell in ausgeprägten Seitwärtsbewegungen mit starken Schwankungen führt das Trendfolgemodell regelmäßig zu Fehlsignalen, die sich auch nicht durch Hinzunahme anderer Indikatoren gänzlich vermeiden lassen.

Die Trendfolgestrategie verlangt vom Anleger ein ausgeprägtes Maß an Disziplin. Die Handelssignale müssen konsequent umgesetzt werden. In Phasen ohne ein Kaufsignal muss die Liquidität genauso beibehalten werden wie die Investitionen in Phasen ohne Verkaufssignal. Für die Umsetzung benötigt der Anleger geeignete Softwarelösungen. Ansonsten muss der Anwender einen nicht unerheblichen Aufwand für die Kursbeobachtung betreiben.

Einige Broker bieten mittlerweile Privatanlegern automatisierte Handelssysteme an, die jedoch vorrangig für börsengehandelte Wertpapiere genutzt werden können. Eine Umsetzung auf Fonds- bzw. ETF-Basis im außerbörslichen Handel gestaltet sich da bisher noch recht schwierig. So können aus der Software erzeugte Handelssignale i.d.R. noch nicht automatisiert in eine direkte Order umgesetzt werden. Das ist auch gut so. Denn egal wie intelligent die Software auch sein mag. Letztendlich sollte immer der Anleger selber das Zepter in der Hand behalten, bevor er sich komplett der Technologie ausliefert.

Denken Sie immer daran! Ihre Strategie ist umso erfolgreicher, je weniger andere Anleger sie nutzen.


Vorschau

Mit der richtigen Anlagestrategie zum Erfolg

Teil 6: Weltportfolio – Die ganze Welt in einem Depot