Guten Tag meine Damen und Herren,

der Markt befindet sich in einer Phase, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Um 10.150 Punkte liegt die für zahlreiche Analysten und Investoren besonders wichtige 200-Tage-Linie im DAX, an der sich Hausse und Baisse scheiden. Darunter sollte man den Bereich um 9.970 Punkte als nächste Auffangzone im Auge behalten. Nach oben haben wir kurzfristig die Marke von 10.280 und im größeren Bild die 10.500 bzw. 10.700 Punkte im Blick. Darüber, so die Charttechniker, wäre ein sportlicheres Durchstarten nach oben möglich.

Französische Wirtschaftsdaten passabel – Italien muss weiter privatisieren

Die französische Wirtschaft ist mit einem Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal im ersten Vierteljahr 2016 etwas besser gelaufen als erwartet. Die Proteste im Land nehmen allerdings immer größere Ausmaße an, was u.a. auch für die Fußballfans in den nächsten Wochen durchaus ein Thema werden könnte.

Italien muss weiter privatisieren. So fordern es der IWF und die EU. Post, Staatsbahn, Flugaufsichtsbehörde, staatliche Immobilen und anderes Tafelsilber soll allerorten verkauft werden. Am Ende ist das doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es um den Abbau einer gigantischen Staatsverschuldung geht.

EZB startet Ankauf von Unternehmensanleihen: Massiver Markteingriff und Ungerechtigkeit zugleich!

Die EZB wird in Kürze mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen beginnen. Das bedeutet, dass die Notenbank den Unternehmen die Schuldpapiere abkauft. Bis zu 70 Prozent des jeweiligen Emissionsvolumens will die EZB aufkaufen. Die Unternehmen würden damit praktisch direkt über die EZB finanziert werden. Wenn es schon sonst keiner macht, macht man es eben direkt. Hierbei werden in erster Linie Anleihen von Industrieunternehmen aufgekauft werden, und zwar vor allem von denen, die über eine hohe Bonität verfügen. Der normale kleine Mittelständler, etwa der Handwerksbetrieb oder der Mittelständler mit ein paar hundert Mitarbeitern, hat in der Regel überhaupt keinen Zugang zum Kapitalmarkt. Dieser begibt keine Anleihen, sondern geht zu seiner Hausbank und nimmt einen Kredit auf. Das war’s. Mehr Möglichkeiten hat er nicht.

Die Unternehmensanleihen der großen Konzerne hingegen will die EZB demnächst aufkaufen, und zwar nicht nur am Sekundärmarkt, sondern auch direkt von den Unternehmen. Die Konzerne können also ihre Schuldpapiere direkt an die EZB verkaufen, und das auch noch zu sehr niedrigen Zinsen. Darin liegt zum einen eine riesige Gefahr, zum anderen aber auch eine große Sauerei. Denn das bedeutet billiges Geld für ausgewählte Konzerne. Der EZB-Präsident entscheidet also, welchen Konzern er wirtschaftlich unterstützt. Der Mittelstand kommt, wie gesagt, an dieses Geld gar nicht heran. Der ist gezwungen, das benötigte Kapital zu relativ hohen Zinsen bei seiner jeweiligen Hausbank aufzunehmen, so er dort überhaupt Geld bekommt. Die großen Konzerne, denen Mario Draghi wohlgesonnen ist, bekommen das Geld direkt von der EZB zu Spottpreisen. Das forciert zusätzlich die Monopolisierung der Welt. Die kleinen Unternehmen werden ausgebootet und die großen besonders unterstützt.

Das ganze Spiel geht aber noch weiter. Denn diese Praxis betrifft nicht nur Europa bzw. europäische Unternehmen, sondern auch die europäischen Tochterunternehmen nicht-europäischer Unternehmen, beispielsweise von US-Konzernen. Diese könnten sich nämlich genauso an die EZB wenden und dort billiges Geld bekommen. Dadurch bekommen diese Konzerne einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber den kleinen, mittelständischen Betrieben. Das ist eine Sauerei! Daher sind genau dagegen auch Klagen anhängig, die aber wahrscheinlich, wie immer, abgeschmettert werden dürften. Man muss sich also ganz genau anschauen, was hier passiert, zumal dieses Thema in der öffentlichen Darstellung bisher so gut wie keine Resonanz findet. Ich halte dies aber für eine der ganz großen Sauereien der EZB, obgleich diese Praxis noch nicht in ihrer vollen Tragweite verstanden wird. Man muss sich einmal vor Augen führen, welcher Eingriff in Unternehmenskulturen von der Notenbank vorgenommen wird, in welcher Weise große Konzerne unterstützt werden und der Mittelstand zugleich in noch schwierigeres Fahrwasser gebracht wird, weil dieser gegenüber seinen großen Konkurrenten dank des billigen Geldes für diese noch weniger wettbewerbsfähig werden wird. Letztlich werden diese Maßnahmen auch Übernahmen begünstigen bzw. beschleunigen und damit eine Monopolisierung der Welt forcieren.

Alles in allem werden die Notmaßnahmen der Notenbanken immer größer, um irgendwie die Konjunktur anzukurbeln – und immer wieder über neue Kredite. Ob das gelingt? Nun, bisher nicht. Demnächst wird man wohl noch das rostige Fahrrad von Oma Brockmeyer kaufen, damit die sich wieder ein neues kaufen kann. Auch daran erkennt man, wie verrückt die geldpolitische Situation geworden ist.

China: Gigantisches Volumen an faulen Krediten – astronomisch hohe Immobilienpreise

Der Chinesische Yuan befindet sich inzwischen auf dem tiefsten Stand zum US-Dollar seit fünf Jahren. Der Kapitalabzug aus China geht also weiter. Das ist einerseits eine Gefahr für die Konjunktur, andererseits auch direkt für die Unternehmen. Denn jene Unternehmen, die US-Dollar-Kredite aufgenommen haben, geraten nun zunehmend in Schwierigkeiten, diese immer teurer werdenden Dollarkredite zu bedienen oder zu verlängern.

Die französische Großbank Société Général schätzt das Volumen der faulen Kredite in China auf über eine Billion Euro (8 Billionen Yuan). Aus diesen faulen Krediten resultieren große Probleme für die chinesische Wirtschaft, so die SocGen-Analysten. Der chinesische Staat ist unterdessen dazu übergegangen, Unternehmen, die sich nicht mehr tragen bzw. ihre Kredite nicht mehr bedienen können, zwangsweise zu verstaatlichen. Das bedeutet, dass die staatlichen Banken, die die Kredite vergeben haben, diese Kredite jetzt gegen Aktien dieser Unternehmen tauschen und somit diese Firmen übernehmen. Diese Banken werden also unrentable oder Verluste einfahrende Unternehmen betreiben. 

Dass das lediglich wieder eine Verschiebung von dramatisch großen Problemen in eine nicht mehr dramatisch weit entfernte Zukunft ist, sollte uns allen klar sein. Denn die Tatsache, dass man diese Katastrophe immer wieder einmal ein wenig verschiebt, heißt nicht, dass man sie abwendet. Die SocGen geht von einer 30-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es mittelfristig zu einem schweren Einbruch der chinesischen Wirtschaft kommt. Aus China heraus kommt etwas auf uns zu. Die Frage ist nicht „Ob“ , sondern „Wann“. Wie viel Zeit mag man noch gewinnen können? Das können noch viele Monate oder einige Jahre sein. Die nicht gelösten Probleme werden aber irgendwann auf uns niederkommen. Deshalb gilt es dieses große Thema für die nächsten Jahre unbedingt immer im Blick zu behalten.

Genau in diese Thematik passt auch die Entwicklung an den chinesischen Immobilienmärkten, die von enormen Preissteigerungen in der letzten Zeit gekennzeichnet ist. Allein im letzten Jahr stiegen laut einer kürzlich veröffentlichten Studie die Immobilienpreise beispielsweise in Peking um 18, in Schanghai um 28 und in Shenzhen sogar um 62 Prozent. Seit dem Jahr 2000 sind Chinas Immobilienpreise um das Fünf- bis Siebenfache angestiegen. Die chinesische Bevölkerung, so diese Studie weiter, hat in den letzten Jahrzehnten ein Vermögen von 27 Billionen US-Dollar aufgebaut, das zu drei Vierteln in diesen Immobilien liegen soll – und das oft in einer völlig überteuerten Preisklasse! Die Wohnungspreise in Chinas Ballungsgebieten liegen im Schnitt bereits bei 30 (!) Jahresgehältern. In München, der teuersten deutschen Stadt, liegt dieser Wert bei zehn Jahresgehältern. Nun kann man sich ungefähr vorstellen, was passiert, wenn diese astronomische Immobilienblase platzt – so wie alle Blasen stets geplatzt sind, siehe Japan, USA oder Spanien. Diese Blasen platzen immer. Was mag wohl passieren, wenn 75 Prozent des chinesischen Privatvermögens in diesen Immobilen stecken und in diesem Sektor die Preise 20, 30 oder 50 Prozent zurückkommen? Da kommt was auf uns zu!

Deshalb versucht China, diese Blase irgendwie aufrecht zu erhalten und immer weiterzuziehen. Doch der Knall wird (wie bei einem Luftballon) hinterher nur noch größer, vor allem dann, wenn man die Blase noch zusätzlich aufpumpt.

Chaos in Brasilien: Ein NSA-Bumerang aus den USA?

In Brasilien geht die Rezession mittlerweile in ihr fünftes Quartal in Folge und damit in die längste Phase der wirtschaftlichen Kontraktion in der jüngeren Geschichte dieses BRICS-Staates. Das brasilianische Bruttoinlandsprodukt ist seit 2014 schon um stattliche sieben Prozent gefallen. Die großen Korruptionsskandale im Land spielen dabei sicherlich mit hinein. Die suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff sieht sich dabei Vorwürfen ausgesetzt, die jedoch im Vergleich zu den gegenüber anderen Politikern, insbesondere gegenüber ihren Nachfolgern und den unter ihnen Verantwortlichen erhobenen, verschwindend klein sind. Momentan herrscht in Brasilien ein einziges Chaos. Dilma Rousseff war bislang davon noch am wenigsten betroffen.

Sie hatte allerdings das Problem, dass sie sich massiv gegen die USA gestellt hat. Erinnern wir uns und gehen ein bisschen zurück in der Zeit: Erinnern Sie sich noch an den NSA-Skandal? Die brasilianische Präsidentin war damals die aggressivste Vertreterin gegen die USA. Sie gehörte außerdem noch einer linken Regierung an, die Vieles in Brasilien zu Lasten der US-Konzerne und der amerikanischen Interessen verändert hat. Als es dann um die NSA-Spionage ging, hat sich Rousseff ganz aggressiv gegen die USA gestellt und u.a. bei einer Rede vor der UNO von einem Bruch internationalen Rechts gesprochen sowie eine Entschuldigung der USA verlangt. Sie hat ihre massive US-Kritik wiederholt, als das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales umgeleitet und nach einer Zwangslandung in Wien durchsucht wurde. Die USA gingen seinerzeit davon aus, dass Edward Snowden mit an Bord dieser Maschine gewesen ist. Da, wo Angela Merkel wortlos blieb oder sich mit Aussagen wie „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht!“ begnügte, hat sich Brasiliens Präsidentin massiv in die Bresche geworfen und Tacheles gesprochen. Tja, und nun kommt dieser Bumerang auf weitem Bogen zurück...

Goldpreis testet wichtige Unterstützung – Wie lange ist Gold noch förderbar?

Der Goldpreis testet momentan eine wichtige Unterstützung bei 1.200 US-Dollar pro Feinunze. Schon seit einigen Wochen beobachten wir diesen wichtigen Bereich, unter den der Edelmetallpreis möglichst nicht nachhaltig fallen sollte. Ein Rücksetzer in diese Zone wäre durchaus sinnvoll. Wie zu erwarten, finden nahe dieser Marke bereits Eindeckungen der großen Commercials an den Terminbörsen statt, also seitens der großen Edelmetallhändler, die über einen recht guten track record verfügen. In den vergangenen Wochen waren diese Player sehr stark netto-short, verfügten also über große Short-Positionen. Diese werden derzeit eingedeckt. Das ist eigentlich eine recht gesunde Entwicklung, auch wenn diese etwas stärker ausgeprägt sein könnte.

Eine interessante Statistik einer geologischen Vereinigung wurde im Rahmen des U.S. Geological Survey veröffentlicht: Seit dem Förderbeginn von Gold sei bisher schon 75 Prozent des förderbaren Goldes an die Erdoberfläche geholt worden, das meiste davon in den letzten 150 Jahren. Wenn das aktuelle Goldfördertempo anhielte, wäre in 19 Jahren Schluss mit der Goldförderung. Nun, das hat man beim Öl auch geglaubt, Stichwort „Peak Oil“. Mal sehen, ob wir „Peak Gold“ noch erleben werden. Die Goldbugs wird dies in jedem Fall freuen. Ob in 19 Jahren wirklich kein Edelmetall mehr aus der Erde zu holen sein wird? Ich kann es abwarten...

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erholsames und sonniges Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller