Im Juli 2015 erhöhten sich die Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent. Die um Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak bereinigte Kerninflationsrate wird für die Eurozone mit 1,0 Prozent angegeben. Auf globaler Ebene lassen schwache Rohstoffpreise, stagnierende US-Arbeitskosten und chinesische Deviseninterventionen wenig Potential für deutlich steigende Preise. Dementsprechend gibt es wenig Druck auf die Geldpolitik und steigende Zinsen sind ebenfalls nicht zu erwarten.

Nullzins und fehlende Inflation erzeugen Probleme

Die nachlassende Dynamik in der chinesischen Wirtschaft und die Interventionen zur Schwächung des Yuan exportieren ein disinflationäres Preisniveau von Asien in die westliche Welt.  Die am Markt gehandelten Inflationserwartungen und Anleihepreise scheinen diese Erwartung zu reflektieren. In der Konsequenz bleiben die Zinsen niedrig und der Anlagenotstand hoch. Eine Entschuldung, wie sie das Konzept der finanziellen Repression beschreibt, kann so nicht funktionieren. Der, im Vergleich zu einer Schulden- und damit Vermögensneustrukturierung, sanftere Weg der Entschuldung mittels Inflation ist auf absehbare Zeit nicht wahrscheinlich. Gleichzeitig erzeugt das anhaltend niedrige Zinsniveau eine Vielzahl von konkreten Problemen. Neben den generellen Auswirkungen auf die Depotanlage und Ruhestandsplanung sind auch vielfach verdrängte Bereiche wie bspw. die betriebliche Altersversorgung und Pensionszusagen betroffen. Der mögliche Steuervorteil kann durch die hohen Kosten der notwendigen Garantien übertroffen werden, so dass eine tiefere wirtschaftliche Betrachtung erforderlich ist.

Herdenverhalten bereitet Sorgen

Zusätzlich zu den sehr niedrigen Renditen stimmt das Herdenverhalten der Anleger an den Kreditmärkten bedenklich. Der linke Teil der Grafik zeigt die sehr einheitlich ausgerichtete Positionierung der Anleger.  Der rechte Teil der Grafik bestätigt die Aussage (blau) und zeigt zusätzlich die Interventionen der Notenbanken (rot).

Eine Analyse des Depots über alle Instrumente (Anleihen, Rentenfonds, Mischfonds) ist auf jeden Fall sinnvoll. Ein Abgleich mit der eigenen Finanzplanung unter der Fragestellung „Wann werden welche Erträge und Rückzahlungen aus dem Depot benötigt?“ ist dringend anzuraten. Da die Rentenmärkte in der jüngeren Vergangenheit eher von Liquidität verwöhnt waren, ist das Risiko einer geringeren Liquidität nicht in historischen Charts und rückspiegel-basierten Risikomodellen zu finden. Dies ist übrigens ein Sachverhalt, der für die meisten Krisenauslöser galt.

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