Die Inflationsrate ist im Dezember 2014 unterhalb der Nullprozent-Marke gefallen. Damit steckt die Eurozone zumindest vorläufig in einer leichten Deflation. Doch was bedeutet dies und entstehen daraus unmittelbar Probleme?

Bei einer genaueren Betrachtung der Inflationsdaten kann man schnell feststellen, dass sich die Kerninflation (ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) konstant hält und sogar um 0,1 Prozent zulegen kann. In der offiziellen Eurostat Pressemitteilung ist der Rückgang der Energiepreise mit minus 6,3 Prozent angegeben.  Es ist also offensichtlich, dass der starke Ölpreisverfall die Energiepreise stark beeinflusst hat.

Für alle Energiekonsumenten ist der Preisrückgang natürlich wie ein kleines Konjunkturprogramm, denn das Geld, welches nicht für Energie ausgegeben wird, kann anderweitig genutzt werden. Auch wenn durch diesen Sondereffekt die lahmende europäische Wirtschaft ein wenig Rückenwind erhält, sind die Probleme des stagnierenden Wachstums nicht gelöst. Auch die Kerninflation ist weit von dem offiziellen Inflationsziel der EZB entfernt und daher gilt es als beschlossene Sache, dass die EZB noch im Januar den Kauf von Staatsanleihen bekannt geben wird.

Griechenland

Leider kann die EZB alleine nicht alles ausbügeln, was derzeit in die falsche Richtung läuft. Die für den 25. Januar anstehenden Neuwahlen in Griechenland verdeutlichen sehr gut das politische Dilemma, in welchem sich die Eurozone befindet. 

Die griechische Wirtschaft ist seit 2007 um gut 25 Prozent geschrumpft und hat sich nie davon erholt. Die Lohnstückkosten sind nach Berechnungen des IWF um ca. 20 Prozent gefallen. Hinzu kommt die Belastung der Gesellschaft durch eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent.

Eigentlich könnte das gefallende Lohnniveau ausländische Investoren anziehen, doch die immer wieder aufkommende Diskussion um einen Verbleib in der Eurozone verhindert dies. Die Perspektiven für die griechische Wirtschaft sind, wie man unschwer erkennen kann, denkbar schlecht. In dieser Situation, vor den anstehenden Wahlen, eine Drohkulisse hinsichtlich des Ausscheidens aus dem Euro zu errichten, kann einem gemeinschaftlichen Projekt wie dem Euro nicht gut tun.

Nach den aktuellen Umfragen liegt die linksgerichtete Syriza Partei mit knapp 25 Prozent vorne. Ein Ausstieg aus dem Euro wird von Syriza nicht angestrebt. Sollte der aktuelle Vorsprung halten, benötigt die Partei jedoch einen Koalitionspartner. Nach den Wahlen wird es unserer Meinung darauf hinauslaufen, dass die griechischen Schulden, die nicht tragbar sind, entschärft werden. Dies könnte über eine Aussetzung der Zinszahlungen oder / und durch eine Anpassung des Rückzahlungszeitpunktes geschehen. Damit könnte auch die deutsche Politik ihr Gesicht wahren, da kein direkter Schuldenerlass erfolgt und die Griechen hätten mehr Spielraum in der Haushaltsplanung.

Die Aufregung, die im Vorfeld der anstehenden Wahlen zeugt wird, ist unserer Meinung nach unangebracht. Natürlich bleibt ein Restrisiko, dass sich die Fronten verhärten und keine politische Lösung gefunden wird.

Rückblick 2014 

Im Jahr 2014 kehrte die Volatilität an die Märkte zurück. Davon betroffen war ein Großteil der Anlageklassen. Aktien, Währungen und Rohstoffe waren deutlich stärkeren Schwankungen ausgesetzt als noch im Vorjahr 2013.

Der Aktienmarkt lieferte ein gemischtes Ergebnis. Einige Aktienmärkte, wie Indien oder China, profitierten von positiven politischen Prozessen. Andere Märkte, wie zum Beispiel in Europa, kämpfen mit teilweise hefigem wirtschaftlichem und politischem Gegenwind. Der globale Aktienmarkt (MSCI World), der traditional in USD abgerechnet wird, erreichte im Jahr 2014 eine Wertentwicklung von 2,10 Prozent. Ein unterdurchschnittliches Jahr für den Aktienmarkt.

Zum Glück vieler Anleger gab der EUR im Verlauf des Jahres 2014 deutlich nach. Durch diesen Effekt stieg der Wert von Anlagen in Fremdwährungen. Da in der Finanzwelt die dominierende Währung der USD ist und dieser gut 12 Prozent gegenüber dem EUR gewann, steigert dies die Rendite vieler Portfolios.

Abseits des Aktienmarktes überraschte die Entwicklung am Anleihemarkt die meisten Investoren. Noch zu Beginn des Jahres 2014 waren sich alle Experten sicher, die Preise für Anleihen (besonders US-Anleihen) könnten nur fallen. Diese Erwartungen erfüllten sich nicht, sondern die Anleihen erzielten in den meisten Märkten eine höhere Rendite als der Aktienmarkt.

An den Rohstoffmärkten setzte sich der Preisverfall im Jahr 2014 weiter fort. Die global schwache Nachfrage und eine geringe Inflation belasteten hier die Preise. Im Fall des Ölpreises belastet zusätzlich der Preiskrieg zwischen den großen OPEC- Staaten und den ölfördernden Unternehmen in den USA. 

Folgen für den Anleger

Die Alternativen im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind weiterhin begrenzt. Investitionen in vermeintlich sichere zinstragende Produkte bringen kaum noch Zinsen und bergen sogar das Risiko von Kursverlusten bei ansteigenden Leitzinsen. Auf der anderen Seite bieten Aktien deutlich höhere Renditen, aber auch ein deutlich höheres Risiko.
Auf die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten bezogen ist eine differenzierte Betrachtung der Anlageklassen unbedingt zu empfehlen. Die globalen Divergenzen in Wirtschaftswachstum und Zinspolitik bestimmen heute und auf absehbare Zeit, die Spielregeln an den Kapitalmärkten.

Im Hinblick auf die nicht ausgestandene Eurokrise ist es durchaus empfehlenswert, einen Anteil seines Vermögens in alternativen Währungen zum Euro aufzuteilen.

Unabhängig von den Renditen, die der Kapitalmarkt bietet, ist es maßgebend, welche persönliche finanzielle Risikobereitschaft ein Anleger mitbringt. Diese ergibt sich aus der emotionalen Risikobereitschaft und der Risikotragfähigkeit. Die sogenannte Risikotragfähigkeit gibt den Verlust an, den der Anleger im Fall der Fälle verkraften kann. Die emotionale Risikobereitschaft ist die Fähigkeit, mit Schwankungen an den Kapitalmärkten umzugehen. Denn nicht jeder kann nachts gut schlafen, wenn das eigene Vermögen in einem schlechten Jahr um 20 oder 30 Prozent fällt.

Quelle: YPOS Research

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