Wie lange soll das noch so weitergehen?

Das Pokerspiel der griechischen Regierung stellt die Geduld der Gläubiger auf eine harte Probe. Die Regierung in Athen hat es  mit ihrem bisherigen Vorgehen jedoch geschafft, den Bankrott des Landes so lange wie möglich hinauszuzögern. Dabei kommt den Griechen die Verzögerungstaktik von Herrn Tsipras und Herrn Varoufakis teuer zu stehen: Die anhaltende Angst vor den unbekannten Folgen eines Grexits haben in der griechischen Wirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Der Aktienmarkt als ultimatives Fieberthermometer der Wirtschaft hat in den letzten 12 Monaten gut 44 Prozent an Wert verloren.

Die Regierung stellte in den letzten Monaten viele Zahlungen an Auftragnehmer und Unternehmen ein. Alle verfügbaren Mittel wurden für die Zahlung von Renten, Beamtengehältern und Zinszahlungen aufgewendet. Damit wurde der Wirtschaftskreislauf gestört und die Konjunktur gelähmt. In der Folge befindet sich Griechenland seit Ende März wieder offiziell in einer Rezession. Auch Sachinvestitionen, die zuletzt mit aufsteigender Tendenz Hoffnung auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage machten, sind erneut eingebrochen.

Auch die Arbeitslosenzahlen, die noch bis vor kurzem fielen, befinden sich jetzt wieder im Anstieg. Die Gefahr ist groß, dass mit zunehmender Verhandlungsdauer die fiskale und wirtschaftliche Situation außer Kontrolle gerät. In einer kollabierenden Wirtschaft würden die Staatseinnahmen aus Steuern weiter fallen und die Haushaltslage des griechischen Staates weiter schwächen.

Unterdessen erleiden die griechischen Banken einen dramatischen Abfluss von Einlagen. Die Liquidität der Banken wird derzeit nur noch künstlich durch Notfall-Kredite der Europäischen Zentralbank aufrechterhalten. Die Gelder, die als Notfall-Kredite in das griechische Bankensystem fließen, werden als Forderungen in der EZB verbucht. Sollten diese Forderungen durch einen Grexit ausfallen, bleiben die EURO-Mitgliedsländer (da sie Kapitalgeber der EZB sind) auf den Forderungen sitzen. Derzeit stecken 83 Milliarden Euro im griechischen Bankensystem, im Jahr 2012 wurde der bisherige Höchststand mit Krediten in einer Höhe von ca. 120 Milliarden Euro erreicht. Ob die Notfallkredite erhöht werden, wird wöchentlich vom Rat der EZB beschlossen. Angesichts der prekären Lage ist es wahrscheinlich, dass die Kreditsumme weiter ansteigen wird und damit die Kosten im Falle eines Grexits.

Fazit

Wie die Verhandlungen ausgehen, lässt sich heute nicht prognostizieren. Die Fronten zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern sind verhärtet. Positiv ist zu bewerten, dass die Gespräche weiter fortgesetzt werden. Unter rationalen Umständen sollten beide Seiten das Interesse haben, sich in Form einer langfristigen Lösung zu einigen. Denn es ist nicht nur die griechische Wirtschaft, die unter der derzeitigen Verhandlungslage leidet. Auch in andern Ländern wirkt sich die Unsicherheit über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone negativ auf die Wirtschaft aus. Die griechische Regierung hat das politische Mandat in der Eurozone zu verbleiben. Wir halten es für durchaus möglich, dass die Zahlungen an die Gläubiger (IWF oder EZB) nicht erbracht werden und Griechenland dennoch im Euro verbleibt.
Für einen Deal muss sich trotz allem eine der beiden Verhandlungsseiten signifikant bewegen. Die Wahrscheinlichkeiten für eine solche Einigung lassen sich nicht vorhersagen, da die Situation derzeit zu intransparent ist.

Folgen für den Markt

Die Nervosität am Kapitalmarkt ist groß. Dabei sollten die direkten Folgen eines Grexits außerhalb von Griechenland nur gering sein. Die griechische Wirtschaft und die Bankenlandschaft sind bereits seit einiger Zeit isoliert. Es sind vielmehr die psychologischen Risiken, die hier eine Rolle spielen. Wenn Griechenland ausscheidet, könnten diesem Beispiel andere folgen. Auch die Versprechen der EZB, man würde tun „was auch immer nötig sei“, erschienen dann in einem neuen Licht. Wenn man diesen Weg zu Ende denkt, ist es durchaus möglich, dass die Wähler in anderen Ländern der Eurozone auch Parteien wählen, die ein Ende der Sparprogramme versprechen, notfalls auch ohne Euro.

  • Kurzfristig würden die Märkte empfindlich auf einen Grexit reagieren. Doch unserer Meinung nach haben wir bereits einen Großteil des Risikoabschlages (Marktkorrektur) gesehen. Anleger, die langfristig agieren und die nötige Risikobereitschaft an den Tag legen, können aktuell strategische Positionen aufbauen.
  • Mittelfristig sollte sich die Situation wieder beruhigen. Griechenland hat nur eine marginale Bedeutung für die europäische oder globale Wirtschaft. Wir erwarten durch den Ausfall keine Kettenreaktion wie etwa im Fall Lehman Brothers.
  • Langfristig steigt im Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Euro die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Euro weiter zersplittert.

Der wichtigste Hinweis für den Anleger lautet jedoch: Lassen Sie sich durch die Geschehnisse um Griechenland nicht in Ihrer Strategie verunsichern. Wir raten dringend davon ab, sich von der Nervosität oder Angst vor weiter fallenden Kursen anstecken zu lassen und prozyklisch zu verkaufen. Gerne ordnen wir die Ereignisse für Sie im Kontext ihrer strategischen finanziellen Ziele ein.

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