Zahlen und Fakten zum Wohnungsmarkt in Deutschland als Grundlage für Investitionsentscheidungen

2. Teil: Bautätigkeit

„Die neue Wohnungsnot“ titelte die Wirtschaftswoche letzten Montag und stößt damit ins selbe Horn, wie im Moment die meisten Medien. Um beurteilen zu können, was an dieser „neuen Wohnungsnot“ wirklich dran ist, habe ich hier bei cashkurs.com einen ersten von insgesamt drei Beiträgen mit Zahlen und Fakten zum Wohnungsmarkt geschrieben. Ich möchte diese Zahlen nicht kommentieren, sondern die Situation nur sachlich beschreiben.  Hier nun der 2. Teil.

Zum Ende des letzten Immobilienbooms wurden im Jahr 1994 712.636 Wohnungen genehmigt.

Vierzehn Jahre später, 2008 erreichte die Baugenehmi-gungsstatistik mit 174.691 Wohnungen ihren tiefsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik.

Ab dem Jahr 2000 sank die Bautätigkeit schneller, als der Wohnungsbedarf.

Mitte 2009, nach der Finanz- und Wirtschaftskrise setzte eine Trendwende ein. Es wurden in diesem Jahr 177.570 Wohnungen, ein Jahr später 187.632 und 2011 bereits 228.311 Wohnungen genehmigt.

Trotz (vielleicht müsste man sagen „wegen“) Banken-, Staatsschulden- und Eurokrise  wurden 2011 immerhin 22 Prozent mehr Wohnungen als im Vorjahr genehmigt.

Bei den Baufertigstellungen fiel das Wachstum etwas gedämpfter aus. 2011 wurden mit 183.000 Wohnungen etwa 15 Prozent mehr fertig gestellt als im Vorjahr.

Laut BMVBS* wurde der vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in seiner unteren Variante der Wohnungsmarktprognose ermittelte Neubedarf von etwa 180.000 bis 190.000 jährlich erreicht.

Verstetigt sich die Zuwanderung, liegt der Bedarf nach zusätzlichem Wohnraum eher bei 250.000 Einheiten pro Jahr.

Die Ausführungen zur Bautätigkeit wären nicht vollständig, wenn der Wohnungsabgang unberücksichtigt bliebe. In der Abgangsstatistik werden Gebäude und Gebäudeteile erfasst, die durch ordnungsbehördliche Maßnahmen, Schadensfälle oder Abbruch der Nutzung entzogen werden oder deren Nutzung zwischen Wohn- und Nichtwohnzwecken geändert werden. Ein Totalabgang liegt vor, wenn die Bausubstanz beseitigt wird.

Die Nutzungsänderung  (beispielsweise wird eine Wohnung zu einem Büro umgewidmet) führt nicht zum Verlust von Bausubstanz. Aber zum Verlust einer oder mehrerer Wohnungen.

Nach den mir im Moment vorliegenden aktuellsten Listen des statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2009 5393 Gebäude mit 1 und 2 Wohnungen und 26.852 Gebäude mit 3 und mehr Wohnungen abgegangen.

Insgesamt 32.245 Gebäude.

Das sind nach meiner persönlichen groben Schätzung rund 115.000 Wohnungen.

2010 waren es dann 5084 Gebäude mit 1 und 2 Wohnungen und 18.517 Gebäude mit 3 und mehr Wohnungen.

Insgesamt 23.601 Gebäude.

Nach meiner persönlichen groben Schätzung dürften das etwa 85.000 Wohnungen gewesen sein.

*BMVBS: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung