Dass der seit rund einer Dekade anhaltende Minenboom am Auslaufen ist, zeigt sich unter anderem an den unter großen Edelmetall- und Basismetallproduzenten in jüngster Zeit vorgenommenen Wertberichtigungen, Abschreibungen und sonstigen Finanzanpassungen. Auch auf die beständig sinkenden Preise für Eisenerz waren wir in den letzten Monaten immer wieder einmal eingegangen, und hatten dabei auch stets die Preisentwicklung im Kupfersektor im Auge. Für eine ganze Reihe von Unternehmen wird es jetzt eng. Mit Western Desert Resources erwischte es in Australien in dieser Woche das erste Opfer.

Dass die Entwicklung im Basismetallsektor ab einem gewissen Zeitpunkt erste Opfer fordern würde, war mehr als absehbar. In diesem Kontext sind wir beispielsweise des Öfteren auf die Lage unter Basismetallproduzenten in den großen Rohstoffexportnationen Brasilien, Kanada und Australien eingegangen.

Die deutlich gesunkenen Eisenerzpreise, die in dieser Woche auf ein neues 5-Jahres-Tief unter die Marke von AUS$84 pro Tonne sanken, haben nun in Australien das erste Opfer gefordert. So gab der Minenkonzern Western Desert Resources bekannt, Insolvenzantrag eingereicht zu haben, nachdem es im Rahmen von Verhandlungen mit den Gläubigerbanken zu keiner Übereinkunft in Bezug auf eine außergerichtliche Schuldenrestrukturierung gekommen war.

Western Desert Resources wird nach Ansicht von Rohstoffexperten nicht das einzige Unternehmen im Minensektor bleiben, dem dieses Schicksal droht. Ganz im Gegenteil könnte sich schon bald eine Luke auftun, die weitere Insolvenzen in der Branche zur Folge haben wird. Western Desert Resources war nicht mehr dazu in der Lage, am globalen Markt zu konkurrieren, nachdem die Top-4 Produzenten die globalen Rohstoffmärkte mit Eisenerz überschwemmten.

Eisenerzpreisentwicklung / Chart: Indexmundi.com

Zu diesen Top-4 Produzenten gehören BHP Billiton, Rio Tinto, Vale Rio Doce und Fortescue Metals. Die Ausweitung der Produktion unter diesen Konzernen und deren stark anziehende Exportaktivitäten führten in den letzten zwei Jahren nicht nur zu immensen Überkapazitäten im Eisenerzsektor, sondern hatten in diesem Zeitraum auch einen Preiseinbruch von rund 40% zur Folge.

Wie sich zeigt, sind kleinere Wettbewerber wie Western Desert nicht mehr dazu in der Lage, diesen Aktivitäten Paroli zu bieten. Zu den aktuellen Preisen können diese Unternehmen nicht mehr gewinnbringend fördern. Western Desert ist insbesondere im australischen Northern Territory aktiv, wo das Unternehmen auch seine bislang ergiebigste Roper Bar Mine betrieb.

Manche Beobachter führen die Insolvenz von Western Desert auch auf anhaltende Probleme in der Roper Bar Mine zurück. Doch diese Sichtweise wird vor allem durch in Australien ansässigen Minen- und Rohstoffanalysten negiert, die vielmehr darauf hinweisen, dass kleine und mittelgroße Rohstoffproduzenten auf dem fünften Kontinent schon sehr bald von einem ähnlichen Schicksal ereilt werden könnten.   

Es gäbe eine ganze Reihe von Unternehmen, die dem anhaltenden Preisabschwung finanziell nicht mehr standhielten. Hinzu käme, dass der individuelle Verschuldungsgrad – wie im Fall von Western Desert – historisch betrachtet überaus hoch sei, wenn nicht gar so hoch wie nie zuvor. Es gäbe zwar noch viele Unternehmen, die im Angesicht ihrer individuellen Produktionskosten bei aktuellen Preisen mehr schlecht als recht über die Runden kämen und sich finanziell über Wasser halten könnten, wie es hieß.

Doch sollten die Preise weiter sinken, werde sich nicht nur im australischen, sondern auch im kanadischen, südafrikanischen und brasilianischen Minensektor eine Luke unter den Firmen öffnen, der viele Wettbewerber zum Opfer fallen werden. Laut einer Studie der Schweizer UBS AG werde es nichtsdestotrotz wohl bald schon auch kleinere Produzenten wie Atlas, Grange Resources oder Gindalbie Metals erwischen, deren Produktionskosten im Angesicht der aktuellen Preise bereits höher liegen. .

Hinzu kommt, dass die stark vom Export abhängige Wirtschaft Australiens trotz eines sich im Außenwert gegenüber dem US-Dollar zuletzt vermindernden Aussie-Dollars auch weiterhin mehrheitlich der Ansicht ist, dass der Aussie-Dollar im internationalen Vergleich immer noch zu hoch bewertet sei.

Laut Analystenschätzungen soll die Eisenerzproduktion in Australien und Brasilien trotz der Preistalfahrt im Sektor im laufenden Jahr um weitere 15% zulegen. Die jetzt schon immensen Überkapazitäten an den Eisenerzmärkten werden sich auf diese Weise nochmals vergrößern. Allein aus diesen beiden Ländern werden auf diese Weise mehr als 130 Millionen zusätzliche Tonnen Eisenerz auf die Märkte strömen.

Größtes Problem für die Wettbewerber in diesem Sektor sei, dass Produktionsriesen wie BHP oder Rio Tinto selbst bei einem anhaltenden Verfall des Eisenerzpreises auf AUS$55 pro Tonne immer noch profitabel wirtschaften könnten. Für unzählige Unternehmen in diesem Sektor würde es hingegen das Aus bedeuten. Manche Analysten halten es nicht einmal für abwegig, dass Eisenerz sich auf diesen Preis verbilligen könnte, da Chinas Importnachfrage aufgrund einer sich dort abschwächenden Wirtschaft deutlich nachlässt.

Aktienentwicklung von Fortescue Metals / Chart: stockcharts.com

Selbstverständlich lässt sich diese Entwicklung auch an den Aktienkursen vieler Minenfirmen ablesen. So verbilligte sich die Aktie von Fortescue Metals allein seit Beginn dieses Jahres um mehr als ein Drittel. Unter kleineren Wettbewerbern belaufen sich die Einbrüche nicht selten auf 50% oder gar mehr. Die Aktie von Western Desert wurde zu Beginn dieser Woche vom Börsenhandel ausgesetzt, nachdem Investoren in Panik ihre Anteile auf den Markt schmissen.

Bei Western Desert handelt es sich um ein Unternehmen, das seine Produktion erst im vergangenen Jahr aufnahm. Die in die Aktivitäten der Firma gesetzten Hoffnungen erfüllten sich im Angesicht der Lage an den Eisenerzmärkten allerdings nicht. Wie es heißt, sei es durchaus möglich, dass auch die angekündigte Übernahme von Iron Ore durch BC Iron scheitern könnte, weil eine Vertragsklausel einen Eisenerzpreis festschreibt, der nicht zwanzig Tage in Folge unter AUS$90 pro Tonne sinken dürfe.

Es wird interessant sein, die sich entwickelnde Lage unter Basismetallproduzenten weiter zu beobachten. Dies gilt insbesondere auch für Produzenten, Förderunternehmen und Firmen, die im Kupfersektor tätig sind.