In Australien hat sich Wachstum der Wirtschaft im zweiten Quartal auf das niedrigste Niveau in den vergangenen vier Jahren abgeschwächt. Nun, da sich der Minen- und Metallboom in sein Gegenteil verkehrt hat, war eigentlich nicht viel anderes zu erwarten, als dass auch andere wichtige Wirtschaftsbereiche wie der Industrie- und Immobiliensektor unter einer ganzen Reihe von ökonomischen Schwierigkeiten zu leiden haben würden. Vor allem ein signifikanter Einbruch der CAPEX-Investitionen macht dem Land nun schwer zu schaffen.

Nicht nur deutlich rückläufige Kapitalinvestitionen (CAPEX) machen einer ganzen Reihe von wichtigen Branchen auf dem australischen Kontinent schwer zu schaffen. Klar war schon seit geraumer Zeit, dass ein sich ins Gegenteil verkehrender Minenboom ab einem bestimmten Zeitpunkt seinen Tribut fordern würde. Dieser Zeitpunkt scheint nun erreicht zu sein.

Exportgeschäfte laufen nicht rund

Auch die Exportgeschäfte laufen für viele australische Minen- und Industriefirmen nicht mehr rund. Im zweiten Quartal brachen die Exporterträge teils deutlich ein. Natürlich ist China auch im Hinblick auf diesen Aspekt wieder das ganz große Thema. Denn China zählt seit Jahren zu den größten Handelspartner des fünften Kontinents.

Es sind eben jene Entwicklungen, die insbesondere die großen Rohstoffexportstaaten wie Kanada, Australien, Südafrika, Russland oder Brasilien betreffen,  die wir auf wirtschaftsfacts vor eineinhalb bis zwei Jahren richtig vorausgesehen hatten. Wie Australiens Statistikbehörde heute Morgen bekannt gab, legte Australiens BIP in Q2 gerade noch um mickrige 0,2% im Vergleich mit Q1 zu.

Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal wurde immerhin noch ein Wachstum von 2% erzielt, doch es lässt sich keineswegs ausschließen, dass das BIP-Wachstum in Q3 schrumpfen wird. Das in Q2 erzielte Wachstum von 0,2% entspricht auch gleichzeitig der geringsten Zunahme innerhalb der vergangenen vier Jahre.

An den Finanzmärkten herrschten nach Publikation der Daten größtenteils lange Gesichter. Denn die durchschnittlichen Konsensprognosen unter Analysten hatten mit einer doppelt so hohen Zunahme des Wirtschaftswachstums in Q2 gerechnet. Kein Wunder, dass der Aussie Dollar nach Bekanntgabe der Daten abermals in den Sinkflug gegenüber dem US-Dollar ging.

AU-Dollar rutscht unter wichtige Schwelle

Seit mehr als sechs Jahren rutschte der AU-Dollar im heutigen Handel unter die wichtige Schwelle von AU$ 0,70 pro US-Dollar. Gegenüber Q1 dieses Jahres, in dem die australische Wirtschaft um 0,9% gegenüber dem Vorquartal wuchs, hat sich das Wachstum in Q2 somit nochmals deutlich abgeschwächt.

Beobachter und Ökonomen sprechen von einer Wirtschaftsstagnation, die schon bald dazu führen dürfte, dass Australiens Wirtschaft schrumpfen wird. Denn in den vergangenen Tagen gesellten sich zu den miesen Wachstumsdaten auch eine ganze Reihe von weiteren überaus enttäuschenden Daten.

Analysten bereitet insbesondere Sorgen, dass sich die Pläne der heimischen Unternehmen im Hinblick auf CAPEX-Investitionen zuletzt als deutlich rückläufig erwiesen haben. Es ist nicht nur der wichtige Minensektor des Landes, der unter den stark eingebrochenen Rohstoff- und Metallpreisen zu leiden hat. So sind beispielsweise die Gewinne des Rohstoffriesen BHP Billiton in Q2 um 84% im Vergleich mit dem Vorjahr eingebrochen.

Vielmehr zieht sich diese Entwicklung wie ein roter Faden durch alle Branchen des Landes. Analysten gaben sich ob des noch stärkeren Einbruchs der Exporterträge geschockt und gaben bekannt, ihre Wachstumsprognosen für die kommenden Quartale für Australien nach unten anzupassen. Vielerorts wird nun mit einer Wirtschaftsschrumpfung in Q3 gerechnet.

Rezession im Anmarsch?!

Unter einigen Analysten- und Brokerhäusern wird plötzlich die Warnung vor einer Rezession laut. Sehr wahrscheinlich wird die Reserve Bank of Australia (RBA) den momentan bei rekordniedrigen 2% liegenden Schlüsselleitzins in den nächsten Wochen erneut senken, um den Versuch zu unternehmen, die Wirtschaftsleistung anzukurbeln.

Man muss sich vorstellen, dass die aktuellen Prognosen der RBA eine Wachstumssteigerung der australischen Wirtschaft von 2,25% in 2015 vorsehen. Im 1. Halbjahr wurden allerdings gerade einmal 0,55% erreicht. Selbst Analysten beginnen nun, das Board der RBA für die viel zu optimistischen Wachstumsprognosen zu kritisieren.

Es stellt sich die Frage, in welchen Bereichen die australische Wirtschaft in der absehbaren Zukunft zu expandieren gedenkt, nun, da sich vor allem die Rohstoffnachfrage aus China immer stärker abschwächt. Wir hatten diese Frage bereits vor rund einem Jahr aufgeworfen, als absolut miese und rekordschlechte Daten aus Australiens Industriesektor bekannt wurden, denen Ankündigungen zu Massenentlassungen auf dem Fuß gefolgt waren.

Verschärfung der Kreditrichtlinien

Analysten der US-Großbank Morgan Stanley warnten in der Zwischenzeit vor den Risiken einer Rezession. Dies gilt insbesondere im Angesicht einer Reihe von Maßnahmen der australischen Regierung, die zum Ziel haben, die total überhitzte Preisentwicklung an den heimischen Immobilienmärkten in den Griff zu bekommen. Dazu gehört unter anderem eine Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien im Bankensektor.

Diese Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien kommt jedoch viel zu spät. Wie in einigen Berichten zu diesem Thema in der Vergangenheit ausgeführt, gehören die australischen Privathaushalte zu den am höchste verschuldeten in der ganzen Welt. Setzt der Bust an den australischen Häusermärkten erst einmal richtig ein, wird sich Australien mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sehen wie die Vereinigten Staaten in den Jahren 2006-2008.

Denn gerade in den vergangenen drei bis vier Jahren erwiesen sich Australiens Banken in Bezug auf die Häuser- und Hypothekenkreditvergabe im Angesicht der steigenden Preise derart großzügig, dass eine Flut von so genannten Subprime-Hypotheken vergeben wurde (ich berichtete). Da die wichtigsten Industrien des Landes nun massenhaft Mitarbeiter auf die Straße setzen, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis diese Entwicklung die entsprechenden Effekte an den Immobilienmärkten zeitigen wird. 

Auch damit ließ sich leider rechnen. Analysten und Ökonomen fordern die Regierung in Canberra dazu auf, den sich abzeichnenden Wirtschaftsabschwung durch neue Konjunktur- und Stimulierungsprojekte abzufedern. So wird abermals nach einer Expansion der staatlichen Infrastrukturmaßnahmen gerufen, wenn alles nichts mehr hilft und die verantwortliche Zunft mit ihrem Latein am Ende ist.