Ich hatte die Fehlentwicklungen in Bezug auf Obamacare im Verlauf des letzten Jahres wiederholt unter die Lupe genommen und darüber anhaltend berichtet. Also möchte ich Ihnen nun auch nicht vorenthalten, wie Spitzen der amerikanischen Versicherungswirtschaft die aktuelle Lage beurteilen.

Gestern war es Aetna-Chef Mark Bertolini, der seine harsche Kritik am Affordable Care Act erneuerte, um die Trump-Administration darauf einzustimmen, dass sich die handwerklich in der Historie wohl mit am schlechtesten umgesetzte Reform – kurz Obamacare – vor ihrem nahenden Scheitern befinde.

Ein Kollaps der durch den Staat subventionierten und obligatorisch vorgeschriebenen Krankenversicherung sei laut Bertolini nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch eine Frage des Wann. Obamacare sehe sich gefangen „in einer Todesspirale“, wie Bertolini dem Wall Street Journal erklärte.

Nicht nur, dass die Versicherungsprämien im ganzen Land weiter bedeutsam kletterten. Arge Probleme werden Obamacare auch deshalb bereitet, weil gesunde Personen in Scharen nach Wegen suchten, um aus dem System auszubrechen. Zudem zeichne sich ab, dass eine noch weit größere Anzahl von Versicherern bis 2018 aus dem Programm ausscheren wird.

Unter anderem sorgte die Bekanntgabe eines Ausscherens aus dem Affordable Care Act durch den Versicherer Humana im vergangenen Jahr für einen Schock und lange Gesichter unter den Demokraten (ich berichtete). Auch bei Aetna werde zurzeit an Plänen gearbeitet, um die eigene Präsenz im staatlichen Subventionsprogramm mehr und mehr abzubauen.

Allein im letzten Geschäftsjahr fuhr Aetna mit dem Verkauf von Gesundheitsplänen auf Basis des Affordable Care Act einen Verlust von $450 Millionen ein. Diese Entwicklung hat bereits dazu geführt, dass Aetna nur noch in vier Bundesstaaten (von ehemals fünfzehn) auf diesem Gebiet aktiv ist.

Zahlreiche Obamacare-Kritiker – darunter unter anderem auch Dr. Ron Paul – hatten in den letzten Wochen und Monaten vor einer massiven Verschlechterung der Lage an der Front für staatlich subventionierte Krankenversicherungen gewarnt. Zu diesen Kritikern zählte sich auch Aetna-Chef Bertolini.

So hatte der Aetna-Chef bereits im Herbst 2016 davor gewarnt, dass anziehende Zinsen weite Teile der körperlich gesunden Arbeitnehmerschaft in den Vereinigten Staaten aus Obamacare herausdrängen würden. Den Versicherern verblieben auf diese Weise nur noch viele jener Vertragsnehmer, die wirklich krank und pflegebedürftig seien.

Aus diesem Grund sei es auch kein Wunder, dass die Versicherungsprämien Jahr um Jahr durch die Decke gingen. Hinzu geselle sich die Tatsache, dass die allgemeinen Gesundheits-, Krankenhaus- und Medikamentenkosten immer stärker anzögen. Nicht nur Aetna, sondern auch vielen Wettbewerbern habe dieses Umfeld hohe Verluste beschert.

Situation wird weiterhin schön geredet

Obamacare befinde sich „in einer Todesspirale“ so Bertolini. Doch viele der im akademischen Elfenbeinturm sitzenden Gesundheitsexperten wollen klare und deutliche Aussagen dieser Art nicht gelten lassen. Vielmehr wird die Situation auch weiterhin schön geredet, wie dies in den meisten immer offensichtlicher werdenden Problemfällen mit Blick auf die Entwicklungen in unseren Gesellschaften der Fall ist.

Seitens des Think Tank Brookings Institution heißt es dazu lapidar, dass der „überschaubare“ Rückgang in Bezug auf Obamacare-Versicherungsnehmer von 2016 auf 2017 der Tatsache geschuldet sei, dass die meisten Vertragsnehmer staatliche Subventionen erhielten, die dazu beitrügen, Effekte wie steigende Versicherungsprämien zumindest teilweise auszugleichen. Jeder macht und denkt sich eben seine Welt, wie sie ihm gefällt...

Ein Bericht der noch ein wenig mehr Licht in die Angelegenheiten bringt, findet sich unter diesem Link auf der Seite von The Daily Signal.