Australiens Wirtschaft geht es zwar schon seit einiger Zeit nicht allzu gut, doch dem Boom an den mittels billigem Zentralbankgeld gefütterten Aktienmarkt tut das bislang keinen Abbruch. Einerseits lasten die in den vergangenen Jahren teils deutlich gesunken Rohstoffpreise auf der Wirtschaft von einem der größten Rohstoffexportländer der Welt.

Der Schuh drückt vor allem von Seiten Chinas her, dem größten Handelspartner Australiens. Seitdem sich die chinesische Wirtschaft abschwächt, leiden insbesondere die australischen Exporteure, die sich in den letzten Jahren nach alternativen Ausfuhrquellen für ihre Produkte und Minenerzeugnisse umblicken mussten.

Doch als einfach erwies sich dieses Unterfangen nicht. Denn mittlerweile ist China zu einem so großen Wirtschaftsdrachen mutiert, der anderen Nationen in der Asien-Pazifik-Region eine Grippe beschert, wenn er selbst einem Husten anheim fällt. Vor allem Australiens Wirtschaft hatte das zuletzt deutlich zu spüren bekommen.

Andererseits kommt der heimische Konsum in Australien auch nicht mehr so recht in die Puschen, was sich unter anderem an den schleppenden Einzelhandelsumsätzen ablesen lässt. Aus welcher Ecke soll der Zaster für eine Steigerung des privaten Konsums in Australien auch schon noch ausquetscht werden?

Schließlich erweist sich die Verschuldung im Sektor der australischen Privathaushalte als eine der höchsten der Welt. Die im Angesicht von Chinas Kapitalflucht anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnungen, Häusern und Immobilien seitens Kaufinteressenten aus dem Reich der Mitte erweist sich für die Aussies sowohl als Fluch als auch als Segen zugleich.

Jene Einheimische, die ein Haus besitzen, erfreuten sich über den Verlauf der letzten Jahre in vielen Fällen über wahnwitzige Immobilienwertsteigerungen. Nicht selten wurden Preis- und Wertsteigerungen seitens der Hauseigner dazu genutzt, um ganz nach Vorbild der Vereinigten Staaten Home Equity Loans auf die eigenen Immobilien aufzunehmen.

Dabei werden die Wertsteigerungen am Immobilienmarkt in Form von Krediten beliehen, so also der innere Wert eines Hauses gegenüber einer Kredit gebenden Bank verpfändet. Solange die Immobilienpreise steigen ist alles gut. Doch wehe, wenn der Wind sich zu drehen beginnt und die Preise fallen. Die US-Immobilienkrise hat gezeigt, was dann passieren kann.

Ein großer Teil dieser aufgenommenen Home Equity Loans ist in den heimischen Konsum – und nicht etwa in Investitionen – geflossen. Auch in diesem Punkt steht Down Under vielen anderen Nationen und Wirtschaftsräumen in der Welt in nichts nach. Kehrseite der aktuellen Entwicklungen an den Häusermärkten ist, dass junge Australier aus dem Markt ausgepreist werden.

Junge Generation ohne Chance auf eigene Immobilie

Seit Jahren hat sich unter der Altersklasse der 20-45-jährigen die Ansicht breit gemacht, wohl niemals selbst – und somit aus eigener Kraft – zum Aufbau von Immobilienvermögen zu gelangen. Wie gut hätten es doch da noch die Eltern einst einmal gehabt, deren Verdienst den Erwerb einer Immobilie in der Vergangenheit noch möglich gemacht habe.

Heutzutage reicht es unter jungen Australiern wohl von hinten bis vorne nicht, um sich selbst in diese Position zu bringen. Nicht von ungefähr wachsen beständig Neid und Frust darüber, dass vor allem Chinesen aus Festlandchina den Einheimischen die Immobilien vor der Nase wegkaufen. Und vor allem zahlungskräftig sind.     

Wie dem auch sei, momentan erhitzen sich die öffentlichen Debatten auch noch an ganz anderen Ereignissen. Australiens Aktienmarkt hat zwar noch nicht wieder das einst im Jahr 2008 ausgebildete Niveau erreichen können. Trotz allem haben die Aktienkurse der meisten Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zulegen können.

Während das viele billige Geld der Zentralbanken auch die Preisentwicklung am australischen Aktienmarkt nährt, wächst der öffentliche Ärger über das Verhalten und die Gepflogenheiten unter einer großen Anzahl von heimischen Unternehmen. Und zwar wird den australischen Unternehmen der Vorwurf gemacht, heimischen Arbeitskräften den Verdient „zu stehlen“.

Längst schon sind auch in Down Under Debatten über Lohndumping, Jobauslagerung und Erpressung der Arbeitnehmerschaft entbrannt, die sich in den vergangenen Monaten immer stärker zugespitzt haben. Die vor sich hindümpelnde und womöglich wieder vor dem Eintritt in eine Rezession stehende Wirtschaft in Down Under wird weitläufig angeklagt, den Druck auf die Arbeitnehmerschaft in einer wachsenden Reihe von Branchen zu steigern.

Dazu gehören in erster Linie die Bereiche Fast Food, Einzelhandel, Transportgeschäfte sowie Restaurant- und Gaststättengewerbe, denen zum Vorwurf gemacht wird, eigene Mitarbeiter in stetig wachsendem Ausmaß auszubeuten. Nicht nur heimische Medien klagen an, sondern nun sind auch die Gewerkschaften auf den fahrenden Zug mit aufgesprungen.

Es ist unter anderem der lokale Gewerkschaftsboss Mark Morey aus dem Bundesstaat New South Wales, der sich vor einigen Tagen dazu hinreißen ließ, Unternehmen wie Domino´s, 7-Eleven, Pizza Hut, Caltex, Deliveroo sowie einige andere beim Namen zu nennen, um deren Praktiken im Umgang mit deren Mitarbeitern öffentlich zu brandmarken.

Danach sollen die betreffenden Unternehmen viele eigene Mitarbeiter unterbezahlen und die Minimumbeschäftigungskonditionen teils gar weitläufig unterlaufen. Die bezahlten Wochen- und Monatslöhne seien mitunter so niedrig, dass davon kein Beschäftigter in Australien einen Lebensunterhalt bestreiten könne.

Massiver Druck auf Arbeitnehmer an allen Fronten

Hinzu käme, dass die Mitarbeiter nicht selten dazu angehalten würden, viele Überstunden zu schieben, die finanziell nicht entlohnt werden. Der lokale Gewerkschaftsboss Morey erklärte dazu, dass diese Praktiken in vielen Branchen heutzutage an der Tagesordnung seien, und rief die Regierung in Canberra dazu auf, eine königliche Kommission zu berufen, die sich dem „Lohndiebstahl“ annehmen und diesen fortan adäquat bestrafen solle.

Hinzu käme auch, dass immer mehr Arbeitnehmer insbesondere durch die namentlich genannten Unternehmen als private Vertragsnehmer oder Freelancer abgeheuert würden, was dazu geführt habe, dass diese Personen nur noch für einzelne Aufgaben beschäftigt würden, und womit diesen ein normaler Wochenlohn auf ungesetzliche Weise vorenthalten werde.

Insbesondere der australische Dienstleistungssektor sieht sich weitläufigen Vorwürfen unter Bezugnahme auf den Missbrauch von Arbeitskräften und miese Jobbedingungen ausgesetzt. Die schwache Wirtschaftslage habe Trends dieser Art in den letzten Jahren noch verschärft, was dazu geführt habe, dass ehemalige Vollzeitjobs mehr und mehr in individuell bezahlte Einzelaufgaben ohne Sozialabsicherung umgewandelt worden sind.

„Populismus“ auch in Down Under auf dem Vormarsch?

Die Einsetzung einer königlichen Kommission hätte, so Morey, die Aufgabe, diesen Trends entgegenzuwirken, indem die heimische Regulierung – wo nötig – verschärft wird etwaige Arbeitsprozesse gesetzlich adjustiert würden. Längst sei doch jedem Australier bewusst geworden, dass zwischen dem Missbrauch von Arbeitskräften und einem stark wachsenden informellen Beschäftigungssektor eine riesige Korrelation bestünde, so Morey weiter.

Es sei mehr als an der Zeit, den Praktiken eines Unterlaufens von Beschäftigungssicherheit, eines Mindestlohns, von Sozialabsicherung und Lohndiebstahl im Unternehmenssektor ein für allemal den Garaus zu machen. Die Unternehmen erfreuten sich mittels unlauterer Weise und auf Kosten der Arbeitnehmerschaft weiterhin prosperierenden Gewinnen.

Es stellt sich in einem solchen Umfeld die Frage, wie lange es in Down Under noch dauern wird, bis sich „populistische“ politische Kräfte im Land bilden, die für das Establishment unangenehme Wahrheiten offen aussprechen sowie klar und deutlich beim Namen nennen und „politically incorrect“ in der Öffentlichkeit thematisieren, nicht wahr?