Es ist durchaus bemerkenswert, dass der Anstieg des US-Dollars in den Vereinigten Staaten so mir nichts Dir nichts hingenommen wird. Dies gilt insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der neue US-Präsident Handelspartner wie Deutschland, China, Japan oder Mexiko öffentlich als Währungsmanipulatoren betitelt.

Im Monat April wird es zur Veröffentlichung eines durch das US-Finanzministerium gerade in Arbeit befindlichen Berichts kommen, in dem China durch die USA aller Voraussicht nach offiziell als Währungsmanipulator gebrandmarkt werden dürfte. Es ist nicht allzu schwer sich vorzustellen, was darauf folgen wird.

Zinsdifferenzen weiten sich aus

Denn gemeinhin ist die Trump-Administration gerade dabei, die Weichen für den Ausbruch eines offenen Handelskriegs in der Welt zu stellen. Dass der aufmerksam beobachtete BIP-Indikator der Fed of Atlanta für das erste Quartal gerade noch ein Wachstum von 0,9% in den USA indiziert, tat der Fed keinen Einbruch, ihren Leitzins am Mittwoch erneut anzuheben.

Selbstverständlich verschieben sich auf Basis der seit Dezember 2015 nunmehr drei erfolgten Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten auch die globalen Kapitalströme. Dies lässt sich beispielsweise recht schön an den sich ausweiteten Zinsdifferenzen zwischen amerikanischen Staatsanleihen und deutschen Bunds mit 10-jähriger Laufzeit ablesen (ich berichtete).

Auch der US-Dollar wird mittel- bis langfristig weiter im Außenwert zulegen, vor allem dann, falls andere große Notenbanken wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of Japan trotz der Zinsentwicklung in den USA auch weiterhin an Negativzinsen und QE in ihren jeweiligen Wirtschaftsräumen festhalten sollten.

„Langfristige Aufwertung des US-Dollars im besten Interesse der USA“

Zumal ein Großteil dieses frisch erzeugten Geldes seinen Weg im aktuellen Zinsumfeld in die Vereinigten Staaten finden dürfte. Umso überraschender ist, dass der neue US-Finanzminister Steven Mnuchin seine Ansicht in dieser Woche erneut wiederholte, laut der „eine langfristige Aufwertung des US-Dollars im besten Interesse seines Landes“ sei.

Denn auf diese Weise setzten Investoren rund um den Globus schließlich ein Zeichen von Vertrauen in die Beständigkeit des US-Dollars als Weltreservewährung. Dass ein US-Dollar, der sich anschickt im Außenwert gegenüber dem Rest der Welt weiter zuzulegen, das große Ziel Trumps einer Reduzierung des amerikanischen Handelsdefizits konterkarieren dürfte, steht indes auf einem ganz anderen Blatt.

Die USA werden nicht beides haben können, heißt eine starke Währung bei gleichzeitiger Reduzierung des heimischen Handelsdefizits. Kurzfristig, wie Mnuchin am Donnerstag in der deutschen Hauptstadt Berlin ausführte, könnte ein weiter im Außenwert zulegender US-Dollar zwar einige Probleme kreieren. Doch dies sei nichts im Vergleich mit dem Ziel, die Stabilität des US-Dollars als Weltreservewährung langfristig zu erhalten.

Donald Trump: US-Dollar ist zu hoch bewertet

Diese Sichtweise hatte Mnuchin auch bereits in einer Senatsanhörung zu seiner Ernennung als US-Finanzminister am 19. Januar vertreten. Doch wie passen diese Aussagen mit zuvor durch US-Präsident Donald Trump getätigten Erklärungen zusammen, laut denen der US-Dollar im Vergleich mit den meisten anderen Papierwährungen zu hoch bewertet sei?!

Laut Mnuchin seien diese Aussagen seines Chefs im Weißen Haus lediglich auf kurzfristige Entwicklungen fokussiert gewesen. Werte Leser, lassen Sie es mich an dieser Stelle nochmals wiederholen, auch wenn Ihnen meine Sichtweise vielleicht nicht gefallen wird. Investoren ist aus meiner Sicht zu empfehlen, den US-Dollar physisch in jedem Falle zu halten.

Ich persönlich tue dies seit dem Jahr 2008 und bin damit alles andere als schlecht gefahren. Dies gilt insbesondere unter der Prämisse, dass die Schwellenländer auf Basis des steigenden US-Dollars immer mehr in die finanzielle Bredouille geraten. Und umso mehr ausstehende Schulden in diesen Ländern platzen, desto beständiger wächst die Nachfrage nach US-Dollars in diesen Regionen.

Wenn verlockende Schulden zu Nullzinsen zum Bumerang werden...

Schauen Sie sich zum Beispiel nur die Türkei an! Noch Fragen? In vielen anderen Ländern der Welt sieht die allgemeine Lage nicht viel besser aus, da Nullzinsen und QE in den USA einfach zu verlockend gewesen sind, um sich auf Basis des US-Dollars in aller Welt noch weitaus stärker zu verschulden als dies bereits vor zehn Jahren der Fall gewesen ist.

Seit dem Präsidentschaftswahlsieg von Donald Trump hat der durch Bloomberg berechnete Dollar Spot Index um weitere knapp 3% zulegen können. Zum Thema Währungsmanipulation teilte Mnuchin in Berlin mit, dass Drittstaaten und andere Wirtschaftsräume den Außenwert ihrer Währungen nicht manipulieren dürften.

Aus eben jenem Grund untersuche das US-Finanzministerium die Währungsgepflogenheiten anderer Staaten auf halbjährlicher Basis, um frühzeitig Schieflagen an den Währungs-, und Devisenmärkten der Welt erkennen und begegnen zu können. Hierbei arbeiteten die USA mit dem Internationalen Währungsfonds eng zusammen.

Der Startschuss für den globalen Währungkrieg fiel bereits 2009...

In diesem Zusammenhang darf keineswegs vergessen werden, dass die USA es selbst waren, die im Jahr 2009 mit der Verkündung des ersten großen Anleiheaufkaufprogramms der Fed den Startschuss für einen auf globaler Ebene einsetzenden Währungskrieg lieferten. Doch wie sich zeigt, scheint es den USA – die Weltreservewährung inne habend – ein Leichtes zu sein, die weltweiten Kapitalströme massiv zu beeinflussen.

Damals den Rest der Welt noch mit billigen und elektronisch frisch erzeugten US-Dollars überschwemmend, drehen sich diese Geldströme nun sukzessive wieder um, wovon sowohl das heimische Finanzsystem als auch die Wirtschaft profitieren dürften. Es fällt nicht schwer, die durch Trump verfolgte Handelsabschottung der heimischen Wirtschaft gegenüber dem Rest der Welt zu verstehen, was mittel- bis langfristig zu massiven Problemen führen dürfte.

Solange die Zinsen an den amerikanischen Bondmärkten nicht zu stark steigen, scheint die Parole der US-Regierung wie folgt zu lauten: „Nach mir die Sintflut!“ Wie einst einmal gemutmaßt, dürfte vielen Regierungen in der Welt im Angesicht der aktuellen Entwicklungen das Hemd sehr bald näher sein als die Hose...