In einigen meiner Gesprächen über die Vorgänge an den Finanzmärkten der letzten Tage wurde bestätigt, dass koordinierte Interessen am Werke waren.

Dabei geht es nicht nur um die Spekulation gegen europäische Defizitländer, die prima Reformen planen und umsetzen. Es geht auch um die Attacke auf die Schweiz oder die jüngste Abwärtsbewegung am Aktienmarkt, in der Topunternehmen unter anderem aus Deutschland mit historischen Ertragsmarken innerhalb von einer Woche bis zu 25% ihres Werts einbüßten. Der Dax verlor ausgehend von einer historisch unterbewerteten Lage (25% unter Mittelwert bei bester historischer Ertragslage) innerhalb von 6 Werktagen von 7.270 auf 5.500 Punkte. Das sind 24,4%.

Global wurde ein Billionenvermögen an Buchwerten zerstört. Dagegen sind dann 350 Mrd. Euro Staatsverschuldung Griechenlands nahezu "Peanuts", um in der Sprache der Deutschen Bank zu bleiben.

Die Aggressivität und die Feuerkraft dieser koordinierten Interessen, die sich zu größten Teilen aus dem unregulierten Hedge Fund Bereich rekrutieren und sich maßgeblich derivativer Instrumente mit hoher Hebelwirkung bedienen, sind in der Lage innerhalb von Stunden systemische Risiken für das Finanzsystem zu kreieren oder Länder und Gesellschaften, die genau das Richtige im Gegensatz zu den USA oder Japan unternehmen, an den Rand der Existenz zu drücken.

Gleichzeitig verfährt diese Hedge Fund Branche mit den USA ungleich anders. Da wird eine Kaufkraft-Burnrate sportlich toleriert.

  • Der Leitzins liegt bei 0,00%- 0,25%,
  • die Verbraucherpreise stellen sich auf 3,4%,
  • die Erzeugerpreise liegen bei 7,0%.


Eine Vorfestlegung in der Zinspolitik für knapp 2 Jahre, die durchaus als antiautoritäres Meisterstück bezeichnet werden darf und als historisch einmalig in das Guinness Buch der Rekorde eingehen wird, wird am US-Bondmarkt fröhlich abgefeiert.

  • Fünfjährige US-Treasuries notieren bei 0,98%.
  • Deutschland zahlt 1,41%
  • und Italien muss 4,29% berappen.


"Food for thought!"

Kommen wir zurück zu den Hedge Funds. Die amerikanischen Hedge Funds haben Verstärkung bekommen. Die US-Großbanken haben zu wesentlichen Teilen ihre Handelsabteilungen im Zuge der Regulierung der letzten Jahre in "Special Investment Vehicles" geparkt. Damit unterliegen diese spekulativen Teilnehmer nicht mehr in der gewohnten Form der Bankenaufsicht.

Die Regulierung der Banken und der Mangel der Regulierung der Hedge Funds sind für die aktuelle antiautoritäre Ausprägung an den Märkten mitverantwortlich.

Dabei ist deutlich, dass es eine Tendenz gibt, die USA und das UK aus dem Feuer zu halten und Europa, die Schweiz oder auch andere Länder (China, Immoblase, politische Desintegration, Tibet, Überhitzung, Absturz - Themen der letzten drei Jahre determiniert durch die Finanzplätze London und NY) zu den Spielplätzen der latenten Unruhe zu machen, obwohl gerade diese Regionen durch sensible Reformpolitik und oder Stabilität reüssieren.

Eine solche antiautoritäre Spielart impliziert immer auch eine politische Agenda. Man könnte förmlich den Eindruck gewinnen, dass hier eine Form des Finanzkriegs um hegemoniale Macht und das Recht der Themendeterminierung stattfindet. Wir bedienen uns bewusst des Konjunktivs. Können Sie Spaß verstehen?

Hinsichtlich der Feuerkraft der Hedge Fund Branche bedarf es großer Gegengewichte. Diejenigen, die heute die Desintegration der Eurozone auf ihrer Agenda haben, unterstützen implizit damit gleichzeitig eine potentielle Unterwerfung unter die Interessen dieser Klientel und der dahinter stehenden politischen Interessen.

Was ist zu tun:

  • Massive Regulierung der Hedge Funds
  • Einschränkung und Regulierung des derivaten Marktes
  • Ernsthafte Untersuchungen über kartellrechtlich angreifbare Strukturen mit dem Ziel der Manipulation.


Dieser Katalog ist nicht vollständig, er zielt aber in die richtige Richtung! Anders ausgedrückt muss vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten 24 Monate die Frage nach dem Maß der Naivität in europäischen Eliten gestellt werden.

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve beschloss gestern mit einer Mehrheit von 7 gegen 3 Stimmen (Fisher, Kocherlakota, Plosser) die quasi Nullzinspolitik (0,00% - 0,25%) voraussichtlich bis Mitte 2013 fortzusetzen. Das ist für die Märkte beruhigend. So weit, so gut. Es handelt sich um eine historisch einmalige Entscheidung einer Zentralbank. Sie muss als antiautoritär hinsichtlich der Anforderungen der Stabilitätspolitik definiert werden.

Wir nehmen die Willfährigkeit unserer "Freunde" in London und NY zur Kenntnis und fragen uns, wann die EZB von diesen Kreisen das nächste Mal wegen unorthodoxer Maßnahmen in Ungnade fallen wird. Es ist schon klasse, mit zweierlei Maß zu messen und keine Fähigkeit zur Selbstkritik zu entwickeln. "Chapeau!"

Quantitative Maßnahmen wurden nicht beschlossen, sie wurden zukünftig nicht ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit liegt voraussichtlich leicht über 50% für derartige Maßnahmen im Laufe der kommenden sechs Monate.

Die Konjunkturanalyse fiel den Erwartungen entsprechend sehr nüchtern aus. Wir freuen uns über den Realitätssinn.

Wir sind jedoch ernüchtert, dass das Thema der notwendigen Strukturreformen unverändert unadressiert bleibt!