Bleiben wir bei den Währungsmärkten. Erstaunlich ist im Angesicht der Entwicklungen in der Welt, dass sich klassische Handelsnationen nicht endlich unabhängiger vom US-Dollarsystem machen, um den Einschüchterungs- und Erpressungsversuchen, der Schikane und dem durch die US-Regierung an den Tag gelegten Mobbings selbstbewusst den Rücken zu kehren.

Und doch, schon seit einiger Zeit lässt sich ein Prozess namens De-Dollarisierung unter einer Reihe von Nationen beobachten, der anscheinend unaufhaltsam voranschreitet. In diesem Zuge wurden und werden beispielsweise Abkommen zwischen Nationen getroffen, um in deren bilateralen Handel auf den US-Dollar unter Nutzung eigener Währungen zu verzichten.

Es handelt sich hierbei schlichtweg um eine Präventionsmaßnahme, da niemand in der Welt davor gefeit ist, nicht morgen seitens Washingtons ebenfalls angedroht zu bekommen, aus dem US-Dollarsystem ausgeschlossen zu werden.

Seitdem das US-Dollarsystem durch die amerikanische Regierung inzwischen als Druck- und Erpressungsmittel eingesetzt wird, um Länder, deren Regierungen die Ansichten der US-Regierung nicht teilen, unter politischen und wirtschaftlichen Druck zu setzen, wird sich der Prozess der De-Dollarisierung in den nächsten Jahren voraussichtlich noch beschleunigen.

Russland ist aufgrund der US-Sanktionen einen Schritt weiter gegangen, um sich vom größten Teil seiner ehedem gehaltenen US-Staatsanleihebestände zu verabschieden. Aus russischer Sicht gilt es, den Grad der Abhängigkeit von den USA auf einen Minimalwert zu senken, so wie es Staatspräsident Putin in einigen seiner letzten Reden auch auf den Punkt gebracht hat.

Russland – wen wundert es – scheint in China einen Verbündeten gefunden zu haben, denn beide Nationen stehen vor der Unterzeichnung eines Abkommens, das die Nutzung von deren eigenen Währungen im bilateralen UND internationalen Handel deutlich steigern würde. Es handelt sich hierbei um einen weiteren Schritt, um sich von dem noch immer durch den US-Dollar dominierten Weltfinanzsystem abzusetzen.

Laut eines Berichts der russischen Nachrichtenagentur TASS wird das zu unterzeichnende Abkommen Grundlage eines Plans zum Aufbau eines bilateralen Zahlungssystems sein, das auf Basis von nationalen Währungen operieren wird. Ziel des Abkommens ist es, die Nutzung des Rubels und des Yuans im bilateralen Handel deutlich zu steigern eine Nutzung beider Währungen AUCH im globalen Handel mit anderen Partnernationen hoffähig zu machen.

Bei TASS wird Bezug auf die Entwurfsvorlage des Abkommens genommen, in der es heißt, dass die bis dato noch bestehenden Barrieren zur Zahlung in nationalen Währungen durch eine Unterzeichnung des Abkommens aus dem Weg geräumt werden sollen. Dass Russland inzwischen ein eigenes „SWIFT-System“ aufgebaut hat, das Anschluss an China finden soll, hatte ich Ihnen in der Vergangenheit ebenfalls mehrfach berichtet.

Nach Unterzeichnung des Abkommens werden Güter und Waren, Dienstleistungen sowie Direktinvestitionen zwischen Wirtschaftseinheiten der Russischen Föderation und der Volksrepublik China unter Nutzung von ausländischen Währungen, des Rubels und des Yuans abgewickelt. Moskau und Peking werden hierfür an der Entwicklung eines nationalen Zahlungssystems arbeiten.

Dies heißt nichts anderes, als dass die nationalen Zahlungssysteme in Russland und China aufeinander abgestimmt und integriert werden, was in beiden Nationen eine reibungslose Abwicklung sowohl auf Basis des Rubels als auch des Yuans ermöglichen würde. Letztes Jahr berichtete ich Ihnen, dass Pläne zur Nutzung der chinesischen UnionPay-Kreditkarte in Russland und der russischen Mir-Kreditkarte in China bereits weit fortgeschritten sind.

Am Mittwoch lobpreiste Chinas Staatspräsident Xi Jinping ein neues Niveau in den russisch-chinesischen Beziehungen im Zuge seines dreitägigen Staatsbesuchs in Russland. Diese bilateralen Beziehungen zwischen beiden Nationen seien in der Geschichte noch niemals so gut gewesen wie heute, so Xi.

Seitens Wladimir Putin wurde diese Aussage bekräftigt, ausführend, dass sich die bilateralen Beziehungen zwischen China und Russland auf einem nie zuvor gesehenen Niveau befänden. Russland und China blickten auf die Schlüsselprobleme in der Welt durch eine gemeinsame Brille.

Diese gemeinsame Sichtweise drückt sich beispielsweise im bilateralen Handel zwischen den beiden Ländern aus, der im vergangenen Jahr auf einen Rekordbetrag von 108 Milliarden US-Dollar geklettert ist. Auch die Fertigstellung der ersten Gaspipeline zwischen beiden Ländern wird gegen Ende dieses Jahres erwartet.

Versuchen Sie, diese Entwicklungen einmal ein wenig weiter zu denken. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch der Iran, Pakistan, Kasachstan und eine Reihe von weiteren Schlüsselländern des Seidenstraßenprojekts Pekings in den neuen Zahlungsmechanismus aufgenommen und integriert werden? Ich halte das für ziemlich smart.

Letztendlich zeichnet sich ab, dass im Osten auf eigene Faust ein alternatives Finanzsystem aus der Taufe gehoben wird, das den Status Quo in der Welt ab einem bestimmten Zeitpunkt erschüttern dürfte. Glauben Sie tatsächlich, dass der Iran Gefahr läuft, seitens Amerikas den Krieg erklärt zu bekommen? Falls dem so ist, überdenken Sie das Ganze bitte noch einmal.