Überraschen Sie uns, Mister Dax!

Die Tui-Aktie von Gerüchten getragen, der Computerbauer Dell mit Potenzial und der Underdog-Index SDax womöglich am Beginn einer Aufholjagd. Die wöchentliche Show der markantesten Börsenkurse auf manager magazin online - heute von Börsenprofi Dirk "Mr. Dax" Müller.

1. Teil: Fusionsgerüchte treiben Tui

Die Tui-Aktie hatte im Krisenjahr 2008 so viel an Marktkapitalisierung verloren, dass sie schließlich aus dem Dax geworfen wurde. Die letzten vier Jahre hatten der Kurs wie das Unternehmen mit strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Aktie hatte niemand mehr richtig auf dem Schirm. Das macht sie zu einem guten Beispiel darüber, dass man eine Aktie nie vollends abschreiben darf - außer natürlich im Falle einer Pleite oder einer Übernahme.

Übernahmefantasien sind es auch, die den Kurs der Tui-Aktie weit höher fliegen ließen als den des Heimatindex MDax. Nachdem Tui sich in der zweiten Hälfte des Jahres 2012 im Kurs fast verdoppeln konnte, war im Dezember bei 8,24 Euro vorerst Schluss und es wurden wieder Gewinne abgegeben. Eine jetzt diskutierte Zusammenlegung der Aktien von Tui und Tochter Tui Travel ließ die Aktionärsherzen in der vergangenen Woche wieder höher schlagen.

2. Teil: Dell ist wieder heiß

Die Aktie von Dell ist gemütlich um die elf Dollar ins neue Jahr gestartet. Am vergangenen Montag setzte dann ein plötzlicher Aufwärtsschub bis über die 13 Dollar ein, nachdem Nachrichten über eine anstehende Privatübernahme bekannt wurden. Ein solcher so genannter Limited Buyout, oder kurz LBO, hat in dieser Größe seit der Lehman-Pleite und der Finanzkrise nicht mehr stattgefunden. Dahinter steht ein Konsortium aus Finanzinvestoren. Die stolze Kaufsumme soll um die 25 Milliarden Dollar betragen.

Jetzt ist natürlich die Frage, wie viel Steigungspotential wir der Aktie noch geben sollen. Das längerfristige Chartbild jedenfalls hat sich durch den Kurssprung massiv aufgehellt und einer monatelangen Bodenbildung zum fulminanten Abschluss in Form eines 8-Monats-Hochs verholfen. Das KGV befindet sich gegenwärtig unter 10, die Marktkapitalisierung von aktuell knapp 22 Milliarden Euro würde ebenfalls noch gewisse Spielräume zulassen. Dell ist plötzlich wieder heiß!

3. Teil: TNT: Wohin nach dem Absturz?

Eine völlig gegenläufige Entwicklung sahen wir in der letzten Woche beim niederländischen Logistiker TNT. Nachdem die Wettbewerbshüter der EU einer Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten UPS den Riegel vorschoben, fiel die Aktie ins Bodenlose: Es ging seit dem Jahreshoch von 8,47 Euro um vernichtende 40 Prozent nach unten. Auf dem neuen Niveau bei knapp über 5 Euro verharrte der Kurs dann regungslos. Wie exakt doch der Preisfindungsprozess an der Börse manchmal funktioniert …

So sieht dann eine geplatzte Übernahme aus. Als diese im März vergangenen Jahres angekündigt wurde, sprang der Kurs von damals rund sechs Euro auf über zehn Euro nach oben und plätscherte seither schwächelnd vor sich hin, bis die Aktionäre die Reißleine zogen. Bei einem derart verzerrten Chartbild ist momentan keine Analyse möglich, so ehrlich muss man sein. Die Zukunft von TNT gleicht zur Stunde bestenfalls einem Münzwurf.

4. Teil: Nokia kommt zurück

Totgesagte leben länger - das trifft gegenwärtig auf kaum eine Aktie besser zu als die von Nokia. Die ehemals unangefochtene Nummer 1 unter den Handyherstellern fiel im Smartphone-Zeitalter weit zurück, da die Finnen diesen Boom bis dato radikal unterschätzten. Für unter 1,50 Euro ist die Aktie im Sommer zu haben gewesen, seither ging es um gut 130 Prozent nach oben auf aktuell rund 3,50 Euro. Nokia ist damit der krasse Gegenentwurf zu den fortlaufenden Verlusten in der Apple-Aktie.

Nokia ließ in der zweiten Kalenderwoche des neuen Jahres die gesamte Konkurrenz des EuroStoxx 50 weit hinter sich. Der Auslöser waren die Zahlen zu den insgesamt 6,6 Millionen verkauften Smartphones im Schlussquartal, womit wohl fast niemand gerechnet hatte. Die Hoffnungen, dass die neue Baureihe der Lumia-Smartphones den Konzern herumreißen könnte, sind greifbar wie nie. Die Marke erfreut sich nach wie vor hoher Bekanntheit. Nach fünf Verlustjahren am Parkett könnte 2013 das Comeback der Aktie einläuten.

5. Teil: Nordex-Aktie gelingt Ausbruch nach oben

Auch Nordex Chart zeigen ist dieser Tage nach einer schier endlosen Durststrecke endlich mal wieder für eine positive Überraschung gut gewesen. Verantwortlich war ebenfalls das vierte Quartal, da es dem Unternehmen nach glänzenden Zahlen für das Jahr 2012 einen neuen Rekord-Auftragseingang von knapp 1,3 Milliarden Euro bescherte, während es 2011 noch 1,1 Milliarden gewesen sind. Das entspricht einem Wachstum von ungefähr 15 Prozent.

Ansonsten macht Nordex einen insgesamt stabilen Eindruck. Die Eigenkapitalquote liegt bei 30 Prozent, Zahlen zu Cashflow und Verschuldung geben ebenfalls keinen Anlass zur Sorge. Allerdings sind die Margen im hart umkämpften Windenergiemarkt mittlerweile gering. Dem Chart gelang so in diesen Tagen ein Ausbruch aus einer Bodenbildung. Damit ist die lange Kursbereinigung vorerst abgeschlossen. Der Kurs konnte sich aus der stabilen Zone zwischen 2,80 und 3,20 Euro befreien.

6. Teil: Vorsicht bei Solarworld

Hoffnungen für das Börsenjahr 2013 weckte ebenfalls die Aktie von Solarworld Chart zeigen, wobei das vermeintlich längere Leben dieses Totgesagten auf eine deutlich härtere Probe gestellt wird. Zwar schoss die Aktie seit Jahresbeginn um 50 Prozent nach oben, aber das geschah weitgehend im Fahrwasser einer branchenweiten Kaufwelle, ausgelöst durch eine Milliardeninvestition des Orakels von Omaha, Warren Buffet, in amerikanische Solarprojekte.

Daneben beflügeln Diskussionen um eine Errichtung von EU-Strafzöllen auf chinesische Module, die dem deutschen Produzenten sehr entgegen käme. Solarworld konnte entgegen seiner ehemals an der Börse genauso stark gehypten Konkurrenten wie Q-Cells oder Conergy einer Pleite wohl nur knapp entgehen. Vorsicht ist außerdem geboten, da die Kaufwelle überwiegend durch Kleinanleger ausgelöst wurde. Hier bestehen nach unten also weiter deutliche Risiken.

7. Teil: Small-Cap-Index SDax steht vor der Aufholjagd

Wird 2013 das Börsenjahr der Underdogs? Die zugegeben politische Rallye der letzten Monate wurde maßgeblich von den großen Investitionen in die großen Werte getrieben, während die Kleinen, also die Small Caps aus dem SDax, bis auf Ausnahmen wenig Beachtung fanden. In den letzten 250 Tagen konnte der SDax seinen Wert um knapp 12 Prozent steigern. Der große Bruder Dax schaffte im selben Zeitraum mit rund 17 Prozent Zuwachs fast um die Hälfte mehr.

Der SDax ist zur Stunde wieder im Bereich der Sommerhochs 2011 angekommen, hat diese jedoch noch nicht herausgefordert. Dies wird die erste große Bewährung des Jahres sein. In den letzten Wochen ist der Index fast schnurstracks nach oben marschiert. Den höchsten Punktestand seit dem Lehman-Crash hat der Dax übrigens schon vor Wochen hinter sich gelassen. Die Kleinen haben also etwas aufzuholen. Die Chancen stehen gut. Viele Nebenwerte sind derzeit fundamental attraktiver bewertet als die Bluechips.