Am gestrigen Dienstag berichtete ich Ihnen, dass die Vereinigten Staaten nach dem Auslaufen des INF-Vertrags eine baldige Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Asien-Pazifikregion in Erwägung ziehen.

Laut den Aussagen des neuen US-Verteidigungsministers Mark Esper werde eine solche Entwicklung in China nicht als militärstrategische Herausforderung betrachtet werden, da die USA das Recht darauf hätten, auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen mit dem Reich der Mitte gleichauf zu ziehen.

Vielleicht muss man in einer Regierung sitzen oder gedanklich einfach nur auf einem anderen Stern zu Hause sein, um solche Aussagen von sich zu geben. Vielleicht muss man hierzu auch einfach nur Amerikaner sein.

Wer auf den weiten Feldern der Geopolitik, der Handelspolitik, der Währungspolitik & Co. auf permanente Weise die Spielsteine verschiebt, so wie die USA dies über die vergangenen dreißig Jahre tun, darf sich letztendlich nicht wundern, wenn die entsprechende Gegenseite auf ihre ganz eigene Weise auf diese Veränderungen reagiert.

Eben jenes Recht scheint man in Washington jedermann in der Welt absprechen zu wollen. Was dann letztendlich dabei herauskommt, sind Aussagen á la „Handelskriege sind leicht zu gewinnen“ und ähnlicher Blödsinn, der – wenn die Lage nicht so gefährlich wäre – einfach nur beschmunzelt werden könnte.

Die selbst ernannte „außergewöhnlichste und unverzichtbarste Nation auf Erden“ gebärdet sich auch auf eben jene Weise. Politisch verhält sie sich wie ein Elefant im Porzellanladen, der bei jeder Wende auf kleiner Fläche unzählige Scherben produziert.

Aus Sicht der USA mag es unverständlich sein, dass die durch die US-Regierung aufs Korn genommenen Drittstaaten nach einer Ohrfeige nicht auch noch ihre andere Wange hinhalten. Aus Sicht der betroffenen Drittstaaten ist dies hingegen nur allzu verständlich. Kompromisse mit Washington scheinen darüber hinaus überhaupt nicht mehr möglich.

Doch hierauf basiert die internationale Diplomatie. Ein machtvolles Regime, das nur noch auf Eskalation, Sanktionen, Einschüchterungsversuche und Drohungen gegenüber Dritten setzt, wird letztlich zur Folge haben, dass es zu neuen Blockbildungen im Rest der Welt kommen wird.

Und eben dies erleben wir über den Verlauf der letzten Jahre ja auch schon längst. Das Schlagwort der multipolaren Weltordnung macht die Runde. In Washington scheint sich niemand wirklich damit anfreunden zu können, dass die einstige Full Spectrum Dominance der USA keinen Bestand mehr hat.

Dabei hatte einer der Vordenker der amerikanischen Geopolitik, Zbigniew Brzezinski, seinen Landsleuten eine eben solche Entwicklung in den letzten Jahren vor dessen Ableben noch unmissverständlich ins Stammbuch geschrieben. Erinnern möchte sich in den Vereinigten Staaten – und insbesondere im politischen Washington – jedoch kaum jemand an Brzezinskis substanzielle Warnungen.

Einmal mehr ist es die in chinesischem Staatsbesitz befindliche Tageszeitung Global Times, in der seitens Chinas in einem ersten Schritt auf die durch US-Verteidigungsminister Mark Esper getätigten Aussagen vom vergangenen Freitag eingegangen wird. Nochmals sei erwähnt, dass Esper in einer baldigen Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Asien-Pazifik-Region keine Herausforderungen aus Perspektive Chinas zu erkennen vermochte – oder es nicht wollte.

In der Global Times heißt es hierauf jedoch erwartungsgemäß, dass eine solche Stationierung durch die Amerikaner ein intensives Waffenwettrüsten in der Region auslösen wird. Weiter heißt es, dass die amerikanische Gier und der nackte Drang nach Welthegemonie ein sehr gefährliches und höchst unvorhersehbares Waffenwettrüsten in ganz Asien auslösen und die Instabilität in der gesamten Region fördern werde.

Die USA zeigten aller Welt nun ihr wahres Gesicht, so das Blatt weiter, einerseits auf Basis des gierigen Verfolgens militärischer Superiorität mit dem Ziel einer Konsolidierung der eigenen Hegemoniebestrebungen, und zum anderen anhand der permanenten Ablehnung zur Bildung eines Machtgleichgewichts in der Welt.

Aus eben jenem Grund sei es die Pflicht aller asiatischen Staaten, sich den Versuchen der Amerikaner zur Schaffung einer neuen Krise in der Region gemeinsam entgegenzustellen. Es dürfe bestenfalls gar nicht erst dazu kommen, Asiens Staaten im Angesicht eines massiven Waffenwettrüstens die jeweilige Seite wählen zu lassen

Ergebnis aus einer Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenraketen werde nichts anderes als der Ausbruch eines neuen Kalten Krieges in der Region sein. Die redaktionelle Kolumne in der Global Times richtete sich insbesondere direkt an die politischen Führungen in Japan und Südkorea.

Beide Nationen stünden in der Pflicht, neben ihren eigenen auch die asiatischen Interessen wahrzunehmen. Da sich die ökonomische Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen mit China und Russland über die letzten Jahre vertieft habe, erwiesen sich die USA nicht mehr als einzige Quelle in der Welt, die aus Sicht beider Staaten zu Vorteilen gereiche.

Bedingungslose Treue gegenüber den USA werde sich im Fall des Ausbruchs eines neuen Kalten Krieges in der Region sowohl für Japan als auch für Südkorea als Albtraum erweisen. Unter aller Voraussicht werden sich Japan und Südkorea mit unter den ersten Nationen in Asien befinden, welche Washington in Bezug auf eine Stationierung von Raketensystem um Zusammenarbeit ersuchen werden.

Abschließend heißt es in der redaktionellen Kolumne, dass die Vereinigten Staaten den politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und anderer asiatischer Staaten akzeptieren müssten. Hierauf folgte die Warnung, in China werde darauf gehofft, dass „sich weder Japan noch Südkorea im Angesicht der aggressiven Asienpolitik der Amerikaner in Kanonenfutter verwandeln werden“.