Der gespitzte Speer

Im Fall von Hoppes Werk handelt es sich um nichts anderes als einen gespitzten Speer, der sich gegen die heiligste aller Gottesgelehrsamkeiten richtet. Hoppes grundlegendstes Vergehen gegen die Demokratie? Demokratie verschwendet. Demokratie leidet an Kapitalerschöpfung.

Auf ewig blickt die Demokratie durch ihre kurzsichtige Brille. Hoppe stützt sich auf das ökonomische Konzept der Zeitpräferenz, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Eine Jill mit geringer Zeitpräferenz hebt sich ihre Gratifikation für die Zukunft auf. Sie ist diszipliniert. Sie ist dazu bereit, sich ihren Teil vom Kuchen zu einem späteren Zeitpunkt abzuschneiden.

Demokratie denkt kurzfristig

Aber ein Jack mit hoher Zeitpräferenz orientiert sich im Hinblick auf sein Handeln am gegenwärtigen Konsum. Er will seinen Teil vom Kuchen genau jetzt und in diesem Moment, ohne sich darum zu scheren, was irgendwann in der Zukunft einmal sein wird. Demokratie will alles, so unter Bezugnahme auf Hoppe, „genau in diesem Moment“.

Die Demokratie ist verschwenderisch, vergleichbar mit einem Schlendrian oder einem von der Kette gelassenen Kind in einem Süßigkeitengeschäft. So wie der Betrunkene nicht über seinen nächsten Trunk hinaussehen kann, kann die Demokratie nicht über die nächsten Wahlen hinaus blicken.

Politiker denken nicht langfristig

Problem an der Sache ist, so Hoppe, dass die demokratischen Führungen nicht Herren über die Regierungsmaschinerien sind. Die politisch Verantwortlichen befinden sich nur für einen bestimmten Zeitraum in diesen Ämtern. Aus diesem Grund sind demokratische Politiker lediglich bloße Platzhalter. Doch findet sich hierin nicht die größte Tugend unseres Systems?

Ganz einfach deshalb, weil die politische Macht nicht auf ewig in Händen derselben Personen verbleibt? Eine rotierende Schurkennamensliste ist einem einzigen Schurken weit überlegen, wie Sie vielleicht erwidern werden. Andernfalls hätte es sich im Fall der Amerikanischen Revolution um einen großen Schwindel gehandelt.

Der 4. Juli wäre ein niederträchtiger Feiertag. Doch weil demokratische Führer nicht Herr über ihren Regierungsapparat sind, wie Hoppe argumentiert, liegt ihnen auch nichts daran, dessen Wert zu steigern. Anstelle dessen tendieren demokratische Führer dazu, dessen Wert zu vermindern.

Ihr limitierter und kurzsichtiger Zeithorizont zwingt demokratische Führer dazu, sich die anfallende Gratifikation stets jetzt und in diesem Moment zu verschaffen. Berücksichtigen Sie den ehrgeizigen, demokratischen Führer, der die Zustimmung einer Öffentlichkeit voller Erwartungshaltungen erfüllen möchte.

Zuckerstücke für die nächsten Wahlen

Er wird gewiss in die Zwickmühle des finanziell Machbaren geraten. Sollte er dabei versagen, die Erwartungen der Masse zu erfüllen, wird es ein anderer tun. Und unser demokratischer Ehrgeizling wird die nächsten Wahlen verlieren. Also bietet er immerfort die notwendigen Zuckerstückchen an.

Wenn die Sozialversicherungsbezüge steigen müssen, um ihn in seinem Amt zu halten, dann werden diese Bezüge steigen. Wenn es höhere Medicare-Bezüge, verbesserte Arbeitslosenversicherungsleistungen und mehr sozialstaatliche Leistungen braucht? Dann wird genau dies geschehen.

Seine Wahl ist nichts anderes als ein vorarrangierter Raubzug, dem das Finanzministerium zum Opfer fällt. Wenn die nationalstaatliche Geldbörse leer ist, wenn die finanziellen Lasten nicht mittels bestehenden Reserven geschultert werden können, dann wird eben die Kreditkarte gezückt.

Ist diese Art des Geschäftemachens solide? Oder wird die demokratische Republik letztendlich in den Staatsbankrott schlittern? Nun, (der Begriff) „letztendlich“ befindet sich einen langen Weg entfernt vom Jetzt, wie sich unser demokratischer Führer überzeugt zeigt. Überlassen wir die Problemlösung ganz einfach unserem Nachfolger.  

Der „geleaste“ Staat und die Folgen

Hierbei handelt es sich um den klassischen Politkandidaten in einer modernen Demokratie. Vergleichen Sie eine demokratische Regierung für einen Moment mit einem geliehenen Fahrzeug. Der Fahrzeugmieter hat kein Eigentum an dem Fahrzeug. Aus diesem Grund braucht er sich um die langfristigen Gesundheitszustand des Wagens auch nicht zu sorgen.

Also überschleunigt der Fahrzeugmieter den Motor des Autos. Er verwüstet die Bremse. Er verabreicht dem Fahrzeug das billigste Benzin. Würde er jemals den Ölstand überprüfen? Und welcher Fahrzeugmieter hat den Wagen jemals durch eine Waschanlage gefahren? Hoppe bezieht sich in eben jenem Punkt auf demokratische Regierungen: Hier weiter wie folgt:

Es muss als unvermeidlich angesehen werden, dass staatlich-öffentliches Eigentum einen kontinuierlich anhaltenden Kapitalkonsum zur Folge hat. Anstelle der Wartung oder gar Verbesserung des öffentlichen Regierungseigentums – wie es ein König tun würde – wird ein Präsident (der temporäre Statthalter der demokratischen Regierung oder deren Verwalter) so schnell wie möglich einen hohen Anteil der Regierungsressourcen nutzen, ganz nach dem Motto, was nicht jetzt und sofort konsumiert wird, lässt sich auch in der Zukunft niemals konsumieren. Aus Sicht eines Präsidenten – entgegen eines Königs – resultieren aus Zurückhaltung lediglich Nachteile.

Der Vergleich zur Monarchie

Hoppe spricht über einen König. Ungleich der Demokratie blickt eine Monarchie in die langfristige Zukunft, so Hoppe. Der Monarch ist Herr über den Regierungsapparat. So wie es auch dessen Erben sein werden. Also wendet sich der Monarch auf natürliche Weise Strategien zu, die dessen Wert langfristig steigern.

Wenn die Sozialversicherung, Medicare und der Rest damit beginnen, die Reserven seiner Regierung aufzuzehren, wird der Monarch eine Kürzung der Bezüge verordnen. Sie sind auf der Suche nach einer „Sozialversicherung“? Ich schlage vor, Sie beginnen frühzeitig damit, sich um ihre Rente zu kümmern.

Und vergessen Sie nicht, sich für Regentage ein Polster zu schaffen. Sie sagen, dass Sie eine Krankenversicherung wollen. Ich hoffe, dass Sie nicht zu viel rauchen oder trinken. Und lassen Sie es mich sofort hier und jetzt erwähnen – Zucker ist weit davon entfernt, eine gesunde Substanz zu sein.

Daneben gibt es Privatversicherungen. Ich kann Ihnen einige empfehlen, wenn Sie das möchten. Ist ein solches System undemokratisch? Gewiss. Ist es herz- und gefühllos? Nun, vielleicht ist das so. Doch ist es fiskalisch stabil? Ja. Würde sich ein solches System massive Schulden aufhalsen, die es niemals zurückbezahlen könnte? Recht unwahrscheinlich.

Um es kurz zu sagen, geht eine Monarchie in den meisten Fällen besser mit Geld um als Demokratien. Zumindest aus theoretischer Sicht betrachtet ist dem so. Hoppe hierzu wie folgt:

Während ein König keine Einwände gegen eine Aufnahme von Schulden hat, sieht sich ein König auf „natürliche“ Weise aufgrund der Tatsache restringiert, da er der private Eigner der Regierung ist. Er und seine Erben werden im Hinblick auf eine Rückzahlung von Staatsschulden persönlich zur Verantwortung gezogen. Ein König kann sprichwörtlich bankrott gehen oder durch seine Kreditgeber dazu gezwungen werden, Regierungsvermögenswerte zu liquidieren.

Berücksichtigen Sie an dieser Stelle ein Beispiel: Im Jahr 1392 schuldete Englands König Heinrich III. dem Papst in Rom viel Geld…Heinrich wurde zu einer Schuldentilgung in Höhe von 1.000 Pfund gedrängt. Doch er hatte das Geld nicht.

So sah sich der alte König dazu gezwungen, sich an die Londoner Bürgerschaft zu wenden, um dort um „Spenden“ zu ersuchen. Doch ihm wurde die kalte Schulter gezeigt. Können Sie sich einen Präsidenten der Vereinigten Staaten vorstellen, der vor den Bürgern Washingtons auf Knien flehend um Geld bitten würde?

Zumal es diesen Bürgern frei stünde, das Ersuchen des Präsidenten abzulehnen? Hier ein Auszug aus  Freeman Tildens (zu wenig gewürdigtem) Meisterwerk aus dem Jahr 1936 mit dem Titel „Eine Welt in Schulden“:

Könige verfügten über genügend Macht, um ausstehende Schulden einzustampfen, machten jedoch die Erfahrung, dass es weit schwieriger war, persönliche Vorteile aus dieser Macht zu ziehen im Vergleich zu den an Gesetze gebundenen Königen, die zu einem späteren Zeitpunkt in der Geschichte folgten. Das mit Unsicherheit behaftete Feudalsystem, das zudem Zeuge von permanenten (kriegerischen) Disputen gewesen ist, war nicht auf ein florierendes Kreditsystem ausgerichtet.

Für die Schulden nicht verantwortlich

In entschiedenem Gegensatz zu dieser Situation, wie Hoppe anfügt, befindet sich hingegen der US-Präsident:

Ein präsidentialer Regierungskontrolleur wird nicht für die während seiner Amtszeit eingegangene Verschuldung zur Verantwortung gezogen. Vielmehr wird die unter der präsidentialen Amtszeit eingegangene Verschuldung als „öffentlich-staatlich“ angesehen, weshalb diese Schulden samt Zinsen durch zukünftige (ebenfalls nicht zur Verantwortung zu ziehende) Regierungen bezahlt werden müssen.

Vielleicht erklärt sich aus diesem Umstand – zumindest teilweise – weswegen die nationalen Staatschulden der Vereinigten Staaten von Amerika mittlerweile einen Betrag in Höhe von $22 Billionen erreicht haben?

Zu viel Bürokratie

Beim Nachfolgenden handelt es sich um eine Tatsache trotz aller verbalen und akademischen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten: Die meisten demokratischen Nationen leiden unter einem viel zu großen Regierungsapparat, einer überbordenden Besteuerung und Himalaya-hohen Schuldenniveaus. Auf welche Weise vergleicht sich dieser liebliche Staat mit dem barbarischen Zeitalter der Monarchen, Herr Hoppe?

Während der gesamten monarchischen Epoche bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übertraf die durchschnittliche Steuerlast nicht mehr als fünf Prozent der Jahresgesamtwirtschaftsleistung. Seither ist die Steuerlast kontinuierlich angestiegen. In Westeuropa lag sie nach dem Ende des 1. Weltkriegs bei 15 bis 20% in Relation zur Jahresgesamtwirtschaftsleistung. In der Zwischenzeit ist die Steuerlast auf bis zu 50% geklettert.

Die durchschnittlichen Regierungsausgaben beliefen sich vor dem 1. Weltkrieg auf ungefähr zehn Prozent des BIPs. Zum aktuellen Zeitpunkt beläuft sich dieser Wert auf fast 50% in vielen demokratischen Staaten. Die Gesamtjahresausgaben der US-Regierung belaufen sich im „Land der Freiheit“ mittlerweile auf 36% in Relation zum BIP.

Die Steuern der amerikanischen Vorväter

Unsere kolonialen Vorväter hätten den alten König George im Jahr 1775 vielleicht in Ruhe lassen sollen. Denn König Georges Steuerforderungen erwiesen sich als äußerst mild. Unsere Nachforschungen haben zum Ergebnis, dass sich die amerikanische Kolonialbesteuerung auf gerade einmal rund ein Prozent der Gesamteinkommen belief – ein Prozent. Und zwischen 1764 und 1775 verhielt es sich unter Bezugnahme auf Politwissenschaftler Alvin Rabushka wie folgt:

Die nahezu zwei Millionen weißen Kolonialisten in Amerika zahlten im Vergleich zu den zu diesem Zeitpunkt rund 8,5 Millionen Einwohnern im britischen Mutterland gerade einmal einen Anteil von rund ein Prozent der anfallenden Jahresgesamtsteuern. Auf Pro-Kopf-Basis beliefen sich die Steuerabgaben der Kolonialisten in Amerika im Vergleich zum britischen Mutterland auf gerade einmal einen Anteil von einem Fünfundzwanzigstel.

So verräterisch es auch erscheinen mag, so sprechen wir auf König George im Nachhinein trotz allem einen Toast aus. Doch lassen Sie uns an dieser Stelle über keine weiteren Gedanken der Häresie mehr nachsinnen. Hoppes Werk versteht sich nicht als Aufruf zugunsten einer Rückkehr zur Monarchie.

Monarchie ist auch nicht die Lösung

So wie der Autor es zu Beginn seines Werkes selbst ausführt: „Ich bin kein Monarchist und mein Werk versteht sich nicht als Verteidigung von monarchischen Systemen.“ Das primäre Ziel besteht darin, eine Krankheit zu diagnostizieren – und nicht eine Heilmethode zu verordnen.

Hoppes Versündigung an der Demokratie sieht sich trotz allem herber Vernichtungskritik ausgesetzt.  Und aus Sicht von Mainstream-Akademikern zählt Hoppe aufgrund seiner Blasphemie zu den Exkommunizierten. Um es zu wiederholen, ruft Hoppe nicht zu einer Rückkehr zur Monarchie auf. Auch wir tun das nicht.

Davon abgesehen könnte sich ein König in jeder Hinsicht als dasselbe Wiesel wie ein Präsident erweisen. Und weil sich ein König keinen Wahlen stellen muss, auf welche Weise könnten wir ihn für amüsante und idiotische Dinge, die er von sich gibt, kritisieren?

Lassen Sie uns aus diesem Grund nicht den komödiantischen Wert in Bezug auf demokratische Regierungen schmälern. Zusätzlich lässt sich sagen, dass monarchische Systeme gewiss über keine eingebaute Garantie gegen ein Ausbleiben von Staatsbankrotten verfügen. Die Historie legt hierüber Zeugnis ab.

Mehr als nur einige wenige verschwenderische Könige haben ihre einstigen Reiche in den Ruin getrieben. Wer könnte sich dieser Tatsache verwehren? Doch es liegt auf der Hand, dass es inkompetente Könige waren, die dies zu verantworten hatten. Das Königtum an sich hat damit nichts zu tun.

Der Traum von Utopia

Ein Heinrich VIII. kann einen Thron ebenso leicht erben wie ein Salomon. Unabhängig davon spielt es kaum eine Rolle. Hoppes monarchisches Utopia wird nie zustande kommen – gewiss nicht in unserer heutigen Zeit der Massendemokratie. Doch schmälert dies seine Sichtweise?

Winston Churchill ist bekannt für seinen oftmals zitierten Ausspruch, laut dem es sich im Fall der Demokratie um die schlimmste Regierungsform mit Ausnahme des Rests handele. Wer einmal eingehender darüber nachdenkt, wird vielleicht zu dem Ergebnis kommen, dass es sich im Fall der Monarchie unter Umständen um die schlimmste aller Regierungsformen handeln mag…mit Ausnahme des Rests.

Ihr,
Brian Maher

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2018 Brian Maher / The Daily Reckoning / Agora Publishing