Die Zusammenarbeit zwischen der Volksrepublik China und dem Iran intensiviert sich im Rohölbereich zusehends. Dass sich ausgerechnet der Iran als eines der Hauptdrehkreuze in Bezug auf das durch China vorangetriebene Projekt der Neuen Seidenstraße erweist, mutet auf den ersten Blick doch ein wenig seltsam an.

Denn immerhin handelt es sich aus iranischer Sicht um einen theokratischen Gottesstaat, der Atheisten und/oder Ungläubigen, in diesem Fall unter anderem Christen, nur einen geringen Grad an Toleranz zukommen lässt.

Im Fall der Volksrepublik China handelt es sich hingegen aus dem Blickwinkel der Historie heraus betrachtet bis dato um eine der erfolgreichsten kommunistischen Diktaturen der Welt.

Bei Licht besehen handelt es sich aus Sicht beider Nationen jedoch wiederum um sogenannte Kommandowirtschaften, in denen sich die gesamte ökonomische Planung in Händen der politischen Führung an der jeweiligen Spitze beider Nationen befindet. Im Umkehrschluss heißt das, dass alle wichtigen Entscheidungen von Tragweite Top-Down getroffen werden.

Wahrscheinlich erweist es sich als noch wichtiger, dass sich sowohl der Iran als auch China auf dem geopolitischen Schachbrett im Fadenkreuz der Washingtoner Regierung befinden. So soll der Iran laut Auffassung des Westens und Israels mit aller Macht daran gehindert werden, eine eigene Atombombe zu entwickeln.

Dass sich Amerika wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich auf einem absteigenden Ast befindet, verdeutlichen die aktuellen Ereignisse recht unverblümt. Die Wirtschaft scheint nur noch auf Steroiden, deren Dosierungsgrad beständig erhöht werden muss, zu funktionieren.

Dass die Volksrepublik China die Vereinigten Staaten in der laufenden Dekade unter aller Voraussicht als stärkste Wirtschaftsmacht dieser Erde ablösen wird, kann den Amerikanern allein schon aus Perspektive der in Washington propagierten Full Spectrum Dominance nicht gefallen und ins Kontor passen.

Noch erweist sich der Weltreservewährungsstatus des US-Dollars als jenes Zünglein an der Waage, das den Amerikanern gegenüber der Russischen Föderation, der Volksrepublik China, Europa und dem Mittleren Osten zu Vorteilen gereicht.

Sollte die elektronische Gelderzeugung aus dem Nichts in den Vereinigten Staaten auch mit Blick auf das neue Jahrzehnt in einer derart rücksichtslosen Weise anhalten, so lässt sich absehen, dass der US-Dollar ab einem bestimmten Zeitpunkt weltweit unter Druck geraten dürfte.

Die größten Rivalen der Washingtoner Regierung haben über die letzten Jahre ohnehin schon rasante Fortschritte in Bezug auf eine kontinuierliche Diversifizierung der eigens gehaltenen Währungsreserven gemacht. Russland hat in diesem Prozess mittlerweile die globale Führung übernommen.

Die durch Peking hartnäckig vorangetriebene Belt & Road Initiative hat im Westen und in den USA inzwischen einen Alarmzustand ausgelöst, der zur Folge hat, dass die neue Biden-Administration mittlerweile selbst Projekte dieser Art unter amerikanischer Führung anstrebt.

Ich hatte Ihnen über die vergangenen Jahre immer mal wieder aus Afrika berichtet, um Ihnen vor Augen zu führen, wie weit die wirtschaftliche Durchdringung des schwarzen Kontinents durch die Volksrepublik China bereits vorangeschritten ist.

Egal, ob Straßenbau, Eisenbahnbau, Brücken- oder Hafenbau – chinesische Bauunternehmen sind in vielen afrikanischen Staaten omnipräsent, was beispielsweise in Kenia dazu geführt hat, dass sich inzwischen auch amerikanische Unternehmen wie Bechtel um Großaufträge im Straßen- und Autobahnbau in dem ostafrikanischen Land beworben – und gar den Zuschlag – erhalten haben.

Feststellen lässt aus Sicht der letzten fünfundsiebzig Jahre zudem, dass es die westlichen Nationen – allen voran die USA – selbst gewesen sind, die das wirtschaftliche, militärische und politische Emporkommen der Volksrepublik China durch weitreichende Auslagerungen der eigenen Produktionsstätten samt Verlagerung der damit in Verbindung stehenden Jobs, Arbeitsplätze und weitreichendem Know-how überhaupt erst möglich gemacht haben.

Die einstigen Warnungen des geopolitischen Beraters Zbigniew Brzezinski schienen mit Beginn der 1990iger Jahre vollkommen in Vergessenheit geraten zu sein, laut denen sich eine durch die US-Regierung angestrebte Full Spectrum Dominance nur dann verwirklichen ließe, wenn es gelingen würde, andere Rivalen wie China oder Russland an einem Wiederaufstieg zu hindern.

Diese sich nach dem Fall der Berliner Mauer bietende Chance scheint aus aktueller Sicht vertan zu sein. Die unbändige Gier unter westlichen Unternehmen und Verbrauchern, welche über die letzten Jahrzehnte zu beständig sinkenden Produktions- und Absatzpreisen aufriefen, scheint den westlichen Strategieplänen aus dem Rückspiegel der Ereignisse heraus betrachtet einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht zu haben.

Ganz im Gegenteil hat sich die Volksrepublik China zum größten Produktionszentrum auf dem asiatischen Kontinent entwickelt, was in der anhaltenden Covid-Krise überdeutlich zutage und in Erscheinung getreten ist. In diesem Zuge haben die Chinesen einen immensen Wohlstandszuwachs erfahren, den es zukünftig zu verteidigen gelten wird.

Gewiss, sowohl im Westen als auch in Japan sind Forderungen nach einer Umkehrung dieser Situation laut geworden, um die eigene wirtschaftliche Abhängigkeit von der Volksrepublik China wieder zu verringern. Doch wie realistisch mutet eine Umsetzung dieser Forderungen aus Perspektive der aktuellen Situation auf der Welt an?

Einer Produktionsverlagerung von China in die amerikanische, europäische oder japanische Heimat wird unter führenden Politikern dieser Wirtschaftsräume das Wort geredet – auf heimische Konzerne und Unternehmen blickend, die es sich wirtschaftlich in China bequem eingerichtet haben, von dort aus den größten Verbrauchermarkt der Welt bedienen und daher wohl wenig Lust in Bezug auf Gedanken und Ideen dieser Art zu hegen scheinen.

Sichtbar wird das neue Selbstbewusstsein in der Volksrepublik China und der iranischen Führung gegenüber dem Westen unter anderem anhand einer gemeinsamen Bekämpfung der durch Washington gegen Teheran verhängten Rohölsanktionen.

Während sich viele andere Länder den durch die USA verhängten Rohölsanktionen gegen den Iran ohne großartigen Einspruch unterworfen haben, um deren geschäftliche Beziehungen mit dem Iran aufzugeben, hat sich die Volksrepublik China hinsichtlich der eigens propagierten Gangweise keineswegs beirren lassen.

Ganz im Gegenteil hat die Volksrepublik China ihre Seehäfen für den Import von iranischem Rohöl daraufhin weit geöffnet, so dass die durch Washington verhängten Sanktionen bislang nicht die zu erwartende Durchschlagskraft gehabt haben.

Wie Dr. Mamdouh Salameh kürzlich ausführte, basiere die chinesisch-iranische Kooperation und deren strategische Zusammenarbeit auf drei Säulen. In erster Linie eint beide Nationen deren feindliche Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten.

Zweitens verfolgten beide Nationen unter geopolitischen Gesichtspunkten hohe Ambitionen und drittens erwiesen sich die Verkäufe von iranischem Rohöl an die Volksrepublik China als eine absolute Win-Win-Situation aus Perspektive beider Nationen.

Solche Beobachtungen hätten sich spätestens seit Ende der 1980iger Jahre anstellen lassen, als die Volksrepublik China damit begann, die Teheraner Regierung mit Schiffe brechenden Raketen des Typs Silkworm zu beliefern.

Auf diese Weise sei der Iran dazu in die Lage versetzt worden, die Flottenbewegungen der Amerikaner durch das wichtige Nadelöhr der Straße von Hormus einer ernsthaften Gefahr auszusetzen.

Inzwischen ist diese Kooperation auf verteidigungspolitischem Gebiet in eine ambitionierte Partnerschaft zwischen beiden Nationen gemündet, auf deren Basis sich die Präsenz Chinas im Iran nicht nur auf militärischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet massiv erhöht hat.

Wie die New York Times im vergangenen Jahr berichtete, basiere eine zuletzt geschlossene Vereinbarung zwischen der Volksrepublik China und dem Iran auf dem Ziel eines deutlichen Ausbaus der Präsenz von chinesischen Unternehmen im iranischen Banken-, Eisenbahn-, Hafen- und Telekommunikationssektor.

Im Gegenzug sieht der vereinbarte Ausbau der strategischen Beziehungen zwischen beiden Ländern eine preislich rabattierte Belieferung der Volksrepublik China mit iranischem Rohöl über die nächsten fünfundzwanzig Jahre vor.

In der Volksrepublik China scheinen die durch Washington verhängten Sanktionen gegen den Iran also niemanden im höchsten Kreis der politischen Führung des Landes zu kratzen. Ganz im Gegenteil, hat sich die Volksrepublik China eine beständige Belieferung mit iranischem Rohöl mit Blick auf die Zukunft gesichert.

Diese getroffene Vereinbarung wird auf der geopolitischen Bühne gewiss nicht ohne Folgen bleiben. Chinas Wirtschaft dürstet es nach dem Herunterfahren der heimischen Ökonomie zu Beginn des letzten Jahres abermals nach Rohöl. Entsprechend stark hat sich die chinesische Ölnachfrage über den Verlauf der letzten acht Monate entwickelt.

In diesem Zuge hat die Volksrepublik China dem Iran aktiv Unterstützung in Bezug auf eine Umgehung der durch Washington verhängten Sanktionen geleistet. Folgerichtig sieht sich die Volksrepublik China – zuzüglich einer sich intensivierenden Bestrafung aufgrund der durch den Westen vorgebrachten Uiguren-Vorwürfe – mittlerweile selbst einer Sanktionierung durch die USA und den Westen ausgesetzt.

Um was zu tun? Korrekt, die Chinesen verhängen ganz einfach Gegensanktionen, in diesem Zuge mitteilend, die Samthandschuhe gegenüber den USA und Europa jetzt abstreifen zu wollen. In den letzten Tagen wurden partielle Internetfunktionen aus Sicht jener in China aktiven Modehändler wie H&M aufgrund von deren moralischen Bevormundung Pekings einfach mal abgeschaltet.

Auf sozialen Medienplattformen wie Weibo rufen Tausende Akteure zudem zu einem Boykott von westlichen Konzernen wie H&M in der Heimat auf. Inzwischen scheint es den Managements von westlichen Konzernen tatsächlich wichtiger zu sein, gegenüber anderen Nationen wie China die Moralkeule zu schwingen, anstatt auf dem größten Markt der Welt gutes Geld zu verdienen.

Wie moralisch verhalten sich eigentlich die USA, wenn die Washingtoner Regierung offen zugibt, in Syrien mit eigenen Truppen aufgrund eines anhaltenden Ölklaus zu verbleiben?! Ganz abgesehen davon, haben die gegen den Iran verhängten Sanktionen bislang nicht dazu geführt, die Teheraner Regierung von deren ambitionierten Nuklearplänen abzubringen.

Die nackten Zahlen spiegeln die aktuellen Entwicklungen ebenfalls sehr eindeutig wider. Danach haben sich die chinesischen Importe von iranischem Rohöl im abgelaufenen Monat März laut Analysten auf mindestens 856.000 Fass pro Tag belaufen. Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat sei es somit zu einer Steigerung von knapp 130 Prozent gekommen.

Der Iran hat sich für das Entgegenkommen der Chinesen im Angesicht von stark steigenden Rohölpreisen mittels einer Rabattierung seiner Ölausfuhren ins Reich der Mitte bedankt. Laut Bloomberg soll sich dieser Preisrabatt auf drei bis fünf US-Dollar pro Fass Rohöl belaufen.

Die Volksrepublik China hat ihre strategischen Erdölreserven über die vergangenen Monate wiederum beträchtlich aufgestockt. In diesem Zuge sei es unter anderem auch zum Bau von vielen neuen Öllagern in der Volksrepublik China gekommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters zuletzt berichtete.

In diesen Prozess sähen sich insbesondere Firmen aus dem privatwirtschaftlichen Bereich involviert. Im Jahr 2021 werden die strategischen Erdöllagerkapazitäten in der Volksrepublik China auf diese Weise in einem Äquivalent von einhundert Millionen Fass ausgebaut.

Die chinesischen Erdölkäufe haben im zweiten Halbjahr 2020 einen großen Beitrag dazu geleistet, die Weltrohölpreise wieder zu stabilisieren. Auch US-Präsident Trump hatte auf dem Höhepunkt der Ölkrise im Frühjahr letzten Jahres angeordnet, die strategischen Roh- und Erdölreserven der Vereinigten Staaten deutlich aufzustocken.

Aus Perspektive eines Landes wie China, das fünfundsiebzig Prozent seines jährlichen Rohölbedarfs importiert, macht es durchaus Sinn, die eigenen Rohöllagerkapazitäten deutlich auszubauen. Daneben gilt der sich verschärfende Umgangston mit den Vereinigten Staaten als weiterer Gesichtspunkt, der für eine solche Entwicklung spricht.

Bereits im Jahr 2019 hatte die US-Regierung Sanktionen gegen das chinesische Unternehmen Cosco Shipping verabschiedet, das hauptsächlich Rohöl in die Volksrepublik China aus aller Welt verbringt. Grund hierfür war ein Transport von iranischem Rohöl.

Immerhin wurden diese Sanktionen nach den Handelsgesprächen mit der Volksrepublik China teilweise aufgehoben. Wie sich anhand der nun wieder entspannten Situation um den Suez-Kanal zeigt, lässt sich der globale Handel schnell aus dem Gleichgewicht bringen, falls es zur Sperrung oder Durchfahrtsbehinderungen von einer oder in einer der großen Transportstraßen auf der Welt kommen sollte.

Neben dem Suez-Kanal gehören hierzu unter anderem auch das Bab-el-Mandeb am Horn von Afrika, die Straße von Malakka in Fernostasien sowie die Straße von Hormus im Mittleren Osten. Eine Hortung von hohen Rohölbeständen drängt sich aus chinesischer Sicht oder der Perspektive anderer Weltmächte unter den aktuell gegebenen Bedingungen geradezu auf.

Diese Zusammenfassung für CK*Wirtschaftsfacts basiert auf einem Bericht auf der Seite von oilprice.com, der durch Roman Baudzus inhaltlich ergänzt wurde.

Hier geht es zum zweiten und abschließenden Teil des Berichts

„Was heißt das für mich konkret!?“ (Roman Baudzus)

Vom Tauziehen zwischen der Teheraner Führung und der US-Regierung – samt deren Verbündeten im Nahen Osten wie beispielsweise Israel – scheint sich Peking mittlerweile vollkommen unbeeindruckt zu zeigen.

Vielmehr ist die Volksrepublik China seit Ausbruch des sino-amerikanischen Handelskriegs dazu übergegangen, Gegensanktionen gegen die USA und deren europäische Verbündete auf den Weg zu bringen, falls dies aus Sicht Pekings notwendig sein sollte.

Gleichzeitig legt Peking seine schützende Hand über all jene Nationen auf dem eurasischen Kontinent, die sich im Fadenkreuz des Westens befinden, sich jedoch strategisch betrachtet von immanenter Wichtigkeit hinsichtlich einer gelungenen und erfolgreichen Umsetzung des Projekts der Neuen Seidenstraße erweisen.

Neben dem Iran sieht sich hiervon in erster Linie auch Pakistan betroffen, das mit China einen gemeinsamen Wirtschaftskorridor betreibt. Bislang haben sich Boykottversuche der Belt & Road Initiative durch die Amerikaner nicht als erfolgreich erwiesen.

Allein aus diesem Grund lässt sich in dieser Dekade mit einer Intensivierung der Spannungen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten rechnen.