Es wird gewiss interessant bleiben zu beobachten, welche Anstrengungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern unternommen werden, um populistische Strömungen von einer zukünftigen politischen Machtübernahme abzuhalten.

Koalitionsbildung wird für die „Blockparteien“ immer schwieriger

Auch die deutschen Nationalwahlen haben gezeigt, wie eng es für die herrschenden Kräfte um Kanzlerin Merkel langsam aber sicher wird. Denn umso stärker Parteien wie die AfD im Zuge von Wahlen abschneiden, desto schwieriger wird es aus Sicht der „Blockparteien“ letzten Endes, Koalitionen zu schmieden.

Auf welche Weise sich beispielsweise die SPD in der großen Koalition der vergangenen Jahre verbraucht und unglaubwürdig gemacht hat, reflektieren deren Wahlergebnisse in Bund und Ländern für wahrlich ziemlich gut.

Wird es in Deutschland nun zu einer so genannten „Jamaika-Koalition“ aus CDU, CSU, FDP und Grünen kommen? Und falls sich eine solche Koalition tatsächlich zusammenschmieden lassen sollte, wie lange wird sie halten?

Zentralisierung mit hoher Geschwindigkeit fordert ihren Tribut

Wer heute nach Katalonien blickt, erkennt, dass es richtig gewesen ist, über die dortigen Entwicklungen FRÜHZEITIG zu berichten. Es war mir zu einem relativ frühen Zeitpunkt ein Anliegen, die Aufmerksamkeit der Leser auf die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien und anderen europäischen Regionen zu lenken.

Denn eine potenzielle Abspaltung und Sezession von Region wie Katalonien von Spanien oder der Lombardei und Veneziens von Italien dürfte der Brüsseler EU nach dem Brexit und damit dem Ausstieg Großbritanniens wohl den Rest geben.

Das Pendel der politischen und wirtschaftlichen Zentralisierung wurde mit einer sehr hohen Geschwindigkeit so stark nach unten durchgedrückt, dass die nun vielerorts zu beobachtenden Gegenbewegungen dieses Pendel mit Verve zurückschwingen zu lassen scheinen.

Das große Gesamtbild im Blick

Insbesondere im Hinblick auf meine Berichterstattung zu Spanien, der Absetzbewegung in Katalonien und der anhaltenden Kaschierung der Solvenzprobleme unter spanischen Banken durch die Madrider Zentralregierung sah ich mich so manchen Leserattacken ausgesetzt, die nicht selten zur Grundlage hatten, dass ich übertreiben und zu schwarz sehen würde.

Derlei Dinge bringen mich jedoch nicht aus dem Konzept, da ich stets versuche, das große Gesamtbild im Auge zu behalten, um auf Entwicklungen, die sich in der Zukunft abspielen könnten, hinzuweisen. Wie sich zeigt, war dies im Fall der sich nun abzeichnenden Ereignisse in Spanien – und so manch anderer Ereignisse in der Welt – aus meiner Sicht der richtige Weg, weswegen ich an meiner Art der Berichterstattung unbeirrt festhalten werde.

Dies gilt gleichsam für wirtschaftliche als auch politische Entwicklungen in der Welt. Unter anderem sehe ich mich auch in Bezug auf meine seit langer Zeit gehegte Skepsis in Sachen der sich massiv verschlechternden Westbeziehungen zur Türkei vollauf bestätigt. Doch lassen wir das, um uns an dieser Stelle den aktuellen Ereignissen zu widmen.

Die Luft wird dünn! Selbst Wolfgang Schäuble gesellt sich zu den Mahnern

Ich hatte diesen Bericht damit begonnen, die Dinge in Deutschland ein wenig zu skizzieren. Dies hatte seinen Grund, denn es ist der ausgehende – und vielleicht auch neue? – Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der sich am Wochenende in einem Interview gegenüber der Financial Times recht offen zu den Vorgängen an den Finanzmärkten äußerte.

Vielmehr handelte es sich um eine Warnung, die den zahlreichen Kritikern und Mahnern der Notenbankpolitik Wasser auf die Mühlen gespült haben dürfte. Denn laut Schäuble bestünde die Gefahr einer massiven Blasenbildung an den Finanzmärkten, die durch das Einpumpen von Billionen von Dollars/Euros/Yens in das Finanzsystem verursacht werden dürfte.

Alter Tobak und Schnee von gestern, ließe sich gewiss über derlei Aussagen behaupten, doch es verhält sich in meinen Augen ein wenig anders, wenn sich nach der Deutsche Bank AG auch Herr Schäuble dazu beflissen sieht, sich zu diesen Vorgängen öffentlich zu äußern. Für mich ein Zeichen, dass die Luft langsam aber sicher dünner zu werden scheint.

Angst vor dem selbstgemachten großen Knall

Gleichzeitig warnte Schäuble abermals vor Stabilitätsrisiken in der Eurozone. Auch daran haben wir uns in den vergangenen Jahren mehr oder weniger gewöhnt. Die durch Banken verursachten Probleme seien seit der Finanzkrise nicht gelöst worden, so Schäuble weiter. Vergessen wir in diesem Kontext jedoch bitte nicht, dass Schäuble ein Finanzregime kritisiert, an dessen Architektur er seit Krisenausbruch selbst aktiv mitgewirkt hat.

Schäuble scheint sich der Ansicht von zahlreichen Beobachtern anzuschließen, laut der das anhaltende Wachstum der staatlichen und privaten Verschuldung irgendwann zu einem lauten Knall in der Welt führen muss. O-Ton Schäuble: „Ja, auch ich mache mir darüber Sorgen.“

Es ist interessant zu beobachten, auf welche Weise sich die Warnungen und Mahnungen nun selbst unter jenen häufen, die einen großen Beitrag dazu geleistet haben, die massiven Finanz- und Vermögenspreisblasen an den Weltmärkten aufzupumpen.

DNB-Chef Klaas Knot sieht das gleiche Bild wie vor der globalen Finanzkrise

So ist es nun auch die niederländische Zentralbank (DNB), die gestern nachlegte, um davor zu warnen, dass die ultralockere Geldpolitik in der Eurozone zur Bildung von exzessiven Risiken und Gefahren an den Finanzmärkten geführt habe. Der gesamte Finanz- und Bankensektor sei demnach stark anfällig für eine plötzlich einsetzende Korrektur.

Er fühle sich mehr und mehr unwohl im Hinblick auf die Tatsache, dass die Volatilität an den Märkten viel zu gering sei, während die Risiken und Gefahren in Bezug auf die Entwicklung der Weltwirtschaft sich am Wachsen befänden, wie DNB-Chef Klaas Knot unter Bezugnahme auf Bloomberg mitteilte.

Klaas Knot fuhr fort, dass die aktuelle Situation dem Bild gleiche, dass sich vor Ausbruch der globalen Finanzkrise am Horizont abgezeichnet habe. Ein plötzlich einsetzender und heftiger Rückgang der Kurse an den Finanzmärkten, der mit einer Rückkehr der Risikoaversion einher zu gehen drohe, schwebe zurzeit wie ein Damoklesschwert über den Märkten, so Knot.

EZB sitz in der Falle - Zurückfahren der aktuellen Geldpolitik wenn überhaupt nur langsam und graduell möglich

Der Ausbruch einer neuen Finanzkrise, mitunter ausgelöst durch zu schwache Euro-Länder, läge im Bereich des Möglichen. Knot forderte die Europäische Zentralbank dazu auf, deren ultralockere Geldpolitik auslaufen zu lassen, um einen Marktcrash zu verhindern. Es sei an der Zeit, so Knot, dass die EZB den Pfad der Vernunft einschlage.

Doch auch Knot weist darauf hin, in welcher Falle sich die EZB mittlerweile wiederfindet. So müsse ein Zurückfahren der aktuellen Geldpolitik langsam und graduell vonstattengehen, um scharfe Einbrüche an den Finanzmärkten auszuschließen. Ein solcher Einbruch würde die EZB letztendlich dazu zwingen, mit einer „Verstaatlichung“ der nationalen europäischen Bondmärkte fortzufahren.

Nichts Neues in diesem Hinblick also. Wie seit Jahren gemutmaßt, wird es aus dem QE der Zentralbanken keinen Ausweg mehr geben. Mit allen Folgen, die dies nach sich ziehen wird.