Die NAFTA-Neuverhandlungen werden demnächst in ihre vierte Verhandlungsrunde eintreten. Nicht nur seitens der Vereinigten Staaten wird mittlerweile verbal gegen das einst in den 1990iger Jahren getroffene Dreiländerfreihandelsabkommen gepoltert, was das Zeug hält.

Mexiko arbeitet an „Plan B“ und die Gewerkschaften in Kanada rebellieren

Wie jüngst berichtet, beginnen sich auch in Mexiko und selbst in Kanada Absetzbewegungen breit zu machen. In Mexiko wird bereits ganz offiziell von einem Plan B gesprochen, an dem die Regierung im Falle eines Scheiterns der NAFTA-Neuverhandlungen arbeite.

In diesem Zuge soll der Freihandel mit den Staaten der Europäischen Union in der Zukunft ausgebaut und intensiviert werden. Was Kanada anbelangt, so beginnen die örtlichen Gewerkschaftsorganisationen inzwischen Morgenluft zu schnuppern, um sich von den in Mexiko herrschenden Arbeitskostenvorteilen abzusetzen und zu distanzieren.

US-Handelskammer erkennt Modernisierung von NAFTA als „höchst gefährlich“

Es ist die einflussreichste amerikanische Handelsorganisation, die am vergangenen Freitag weitere Bedenken und Sorgen äußerte. Denn ginge es nach der US-Handelskammer, so würde das einst getroffene Abkommen auf die alt hergebrachte Weise fortgeführt, was mit der neuen Trump-Administration jedoch augenscheinlich nicht zu machen ist.

So gab die US-Handelskammer bekannt, dass die durch die Trump-Regierung aufgestellten Forderungen im Hinblick auf eine Generalüberholung und Modernisierung von NAFTA sich als „höchst gefährlich“ erweisen könnten.

Denn in den USA könnte es im Falle einer Umsetzung dieser Forderungen zu einer Erosion der Unterstützung unter Corporate America bezüglich einer Modernisierung des Abkommens kommen.

John Murphy, Vizepräsident der Organisation, drückte sich am Freitag recht unverblümt und offen aus, darauf hinweisend, dass sich einige der durch die Trump-Administration ins Spiel gebrachten Forderungen als kontraproduktiv für eine Fortführung des Abkommens erweisen könnten.

Die vierte Verhandlungsrunde steht an - bisher gab es noch keine großen Fortschritte

Bei der US-Handelskammer blicke man „mit wachsender Sorge auf den aktuellen Zustand der NAFTA-Neuverhandlungen“. Zwischen dem 11. und 15. Oktober wird es bereits zur vierten Neuverhandlungsrunde zwischen den drei beteiligten Ländern kommen.

Große Fortschritte wurden bis dato nicht erzielt. Vielmehr lässt sich beobachten, dass sich die politischen Führungen der drei Beteiligten verbal gegenseitig ihre Forderungen um die Ohren schlagen, ohne die Bereitschaft aufzuweisen, der jeweils anderen Seite zuzuhören und auf deren spezielle Interessen einzugehen.

Unternehmen aller drei Länder fürchten eine Umsetzung der jüngsten Ideen

Unter einer großen Mehrheit der amerikanischen Unternehmen sei der jüngste Vorschlag des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer alles andere als gut aufgenommen worden, einer überarbeiteten NAFTA-Vereinbarung einen Passus hinzuzufügen, laut dem das Abkommen innerhalb der nächsten fünf Jahre aufgelöst werden könne.

Auf Seiten Kanadas und Mexikos geht derweilen die Sorge um, dass deren Unternehmen von staatlichen Aufträgen in den USA in der Zukunft ausgeschlossen werden könnten. Auch durch Trumps Regierungsmannschaft ins Spiel gebrachte Anforderungen im Hinblick auf die Auto-Teilefertigung in Mexiko und Kanada stoßen auf keinerlei Gegenliebe.

Kooperationsbereitschaft der US-Unternehmen untereinander würde sinken

Laut Murphy würden diese Vorschläge und Pläne auch unter einer breiten Mehrheit der US-Unternehmen abgelehnt. Vielmehr erwiesen sich diese Pläne als gefährlich, da sich allein die Umsetzung von nur eines dieser Ansinnen negativ auf die Kooperationsbereitschaft unter den heimischen Unternehmen auswirken dürfte.

Letztendlich würde eine Umsetzung dieser Pläne wohl gar dazu führen, sich die heimische Unternehmenswelt in den USA zum Feind zu machen, so Murphy weiter. Im Fahrzeugbereich beabsichtigt die Trump-Regierung den zukünftigen Anteil der heimischen Teileproduktion auf mindestens 50% zu erhöhen.

Gewerkschaft begrüßt Forderungen, Lobby warnt vor steigenden Preisen und sinkender Wettbewerbsfähigkeit

Unter amerikanischen Gewerkschaften werden Trumps Pläne hingegen mehrheitlich begrüßt. Aus deren Zentralen heißt es, dass sich NAFTA in den letzten beiden Jahrzehnten desaströs auf die Vereinigten Staaten ausgewirkt habe. Dass Washingtoner Lobbygruppen ihre Pfründe im Angesicht der aktuellen Situation zu retten versuchten, sei nur allzu selbstverständlich.

Washingtoner Lobbygruppen warnen hingegen deren Auftrag gemäß davor, dass die durch Trump ins Spiel gebrachten Forderungen samt einer Verschärfung der Regularien dazu führen werde, die heimische Industrie weniger wettbewerbsfähig zu machen. Dazu würden die Preise für heimische Verbraucher aller Voraussicht nach steigen.

Ich überlasse es abschließend Ihnen, sich eine Meinung über die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen zu bilden.