Es gibt Millionen von Menschen, die mittlerweile an den Ablauf einer alltäglichen Routine in ihren eigenen vier Wänden gewöhnt sind. Tag um Tag Fernsehen konsumierend, die medizinischen Rechnungen und Gesundheitsvorsorgepläne bezahlend sowie indoktriniert im Hinblick auf das hirnlose Theater eines kulturellen Niedergangs, der sich Tag um Tag vor unserer aller Augen abspielt. Ich bin der Ansicht, dass es fürchterlich ist, dass es sich hierbei bis zu einem gewissen Grad um eine Kreation der internationalen Konzernwelt handelt,  die es in der Zukunft sehr wahrscheinlich zu adressieren gilt. – Terence McKenna, Das Internet ist Heilung für die Fernsehmanie (1994)

Ich bin mir darüber bewusst, dass die Überschrift meines heutigen Berichtes aus Perspektive von verschiedenen Faktoren ungewöhnlich klingen mag. Erstens ist es nun schon zwanzig Jahre her, seitdem die Internetblase platzte, und aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass rund drei bis vier Milliarden Menschen auf der Welt – in etwa die Hälfte aller Erdbewohner – heutzutage im Netz unterwegs sind. 

Die aktuelle Kritik an den Sozialen Medien ist hauptsächlich eine politische

Zweitens ist es im Jahr 2017 zu einem neuen Trend geworden, auf all die schlechten Dinge zu deuten, die das Internet mit sich bringt. Soziale Mediennetzwerke stehen hierbei an erster Stelle und sehen sich mitunter recht lautstarker Kritik ausgesetzt. Obwohl ich zugeben muss, dass soziale Mediennetzwerke gewiss auch eine dunkle Seite wie eine ungesunde Obsession und Abhängigkeit aufweisen, fokussiert sich der größte Anteil der Kritik auf „Fake News“ und eine „russische Einmischung“ in die Wahlen in der Heimat.

Um es mit anderen Worten auszudrücken, ist der größte Anteil an der gerade vorherrschenden Hysterie rein politischer Natur, und würde wahrscheinlich bei Weitem nicht so viele negative Schlagzeilen machen, wenn Hillary Clinton die US-Wahlen für sich entschieden hätte. Ganz plötzlich wird darauf insistiert, dass soziale Medien besonders gefährlich seien, weil sie eine „Echokammer“ in der Gesellschaft schafften, die sich nach einem bestimmten Bias ausrichte.

Ich verweigere mich nicht der Einsicht, dass dieses Phänomen existiert, doch wie es sich auch im Hinblick auf alle anderen Dinge verhält, müssen sowohl das Gute als auch das Schlechte in Einklang miteinander gebracht werden – und auf lange Sicht übertrumpfen die guten Seiten die schlechten allemal. Hauptgrund, warum so Viele gerade eine Panikattacke bekommen, ist, dass das Internet und die sozialen Medien es einer breiten Öffentlichkeit erlauben, sich direkt untereinander und miteinander auszutauschen, ohne sich durch Konzernmediengeschichten beeinflussen und manipulieren zu lassen.

Gleichzeitig entschieden sich die Amerikaner dazu, die Auserwählte, Hillary Clinton, als potenzielle US-Präsidentin zurückzuweisen. Daraus haben „sehr intelligente Menschen“ und „Experten“ den Schluss gezogen, dass das Problem auf Seiten der Wähler liegt, anstelle sich die Frage zu stellen, inwieweit die Leute den beiden furchtbaren Präsidentschaftskandidaten in Opposition gegenüberstanden oder welchen Einfluss das völlig korrupte System auf die Wahlentscheidung der Menschen an sich gehabt hat. 

Soziale Medien unterwandern die Deutungshoheit der Eliten

Daraus resultiert der eigentliche Grund im Hinblick auf die aktuelle Obsession in Sachen „Fake News“ und gesellschaftlich „gefährlichen sozialen Echomediennetzwerkkammern“. Die herrschenden Eliten zeigen sich lediglich frustriert ob der Tatsache, dass deren Methoden der Propaganda nicht mehr länger zu wirken scheinen, weil sich mehr und mehr Menschen am Tag online untereinander und miteinander über die verschiedensten Themen austauschen.

Im Gegensatz dazu sehe ich mich selbst im Lager von Masha Gessen, wenn es um eine Erklärung der Dinge geht, die im US-Wahljahr 2016 geschehen sind. Hier folgt ein Zitat von ihr aus einem kürzlich gegebenen Interview:

Ich möchte wirklich komplett anders denken als die zumeist liberalen Medien. Da heißt es, dass die Menschen anders wählen würden, wenn sie es nur besser wüssten. Laut dieser Medien sind die Menschen schlecht informiert und größtenteils nicht hinlänglich ausgebildet, um Entscheidungen von Tragweite zu treffen.

Ich bin hingegen der Ansicht, dass hier etwas völlig falsch verstanden wird, nur weil Menschen angeblich und unter Bezugnahme auf die politisch korrekte und erwünschte Weise nicht rational handeln. Es bedeutet noch lange nicht, dass sich die Menschen nicht rational verhalten, nur weil bestimmte Dinge und Abläufe von oben in einer bestimmten Weise erwartet werden.

Ich bin vielmehr der Ansicht, dass die Wahl Trumps mit einer ganzen Menge an rationaler Entscheidungsfähigkeit einhergegangen ist. Und dies nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus sozialen Gründen. Die Lebensumstände vieler Menschen verschlechtern sich zusehends. Sie fühlen sich weniger wohl in ihren eigenen vier Wänden, in ihrer eigenen Stadt und in der eigenen Haut. Ihr Ausblick für die Zukunft verschlechtert sich mit jedem verstreichenden Jahr. Trotz allem gaben die meisten Menschen einem Kandidaten des Establishments noch immer alle vier Jahre ihre Stimme.

Es ist nunmehr sozusagen eine mehr als deutlich ersichtliche Tatsache, dass das System für die Mehrheit der Menschen nichts Gutes mit sich gebracht hat. Dabei handelt es sich um das System der repräsentativen Demokratie. Und weil Viele die Nase mittlerweile gestrichen voll und das Vertrauen rundweg verloren haben, wird eben eine Granate ins System geworfen, wenn diese Granate in Reichweite kommt. Erklären Sie mir bitte nicht, dass es sich hierbei nicht um eine rationale Entscheidung handelt. 

Die Wahl von Trump hatte sehr wohl reinen rationalen Grund: Protest

Als solches erweckt es den Eindruck, als ob Trumps Präsidentschaftswahlsieg in der Tat nur eine rationale Antwort einer amerikanischen Wählerschaft gewesen ist, die es mehrheitlich satt zu haben scheint, wie die Dinge in unserer Gesellschaft ablaufen und sich vollziehen. Gleichzeitig hat sich die zu Trump bestehende Alternative für viele Wähler/innen als völlig unwählbar erwiesen.

Wenn dies der Fall sein sollte, so erweist sich auch die ganze Märchengeschichte, laut der das Internet und die sozialen Medien Menschen zu irrationalen Entscheidungen bewegen würden, weil die uninformierte Plebs sich untereinander auf direkte Weise austauscht, als kompletter Unsinn.

Vielmehr spiegeln sich in dem Präsidentschaftswahlsieg Trumps ein Schrei nach Hilfe sowie eine Formierung des Protestes seitens einer Öffentlichkeit wieder, die durch ihre eigene Regierung seit Jahrzehnten missbraucht und angelogen worden ist. Ich selbst kenne mehrere Trump-Wähler persönlich, und nicht eine einzige dieser Personen findet Trump sympathisch.

Alle wollten nur eines: Eine demokratische Granate in dieses System werfen, was als Bürger dieses Landes ihr Gott gegebenes Recht ist. Die meisten der auf Trump entfallenen Stimmen waren keine überzeugten Stimmen zugunsten des Kandidaten Trump, sondern vielmehr Ausdruck der horrenden Antipathie, die Hillary Clinton entgegenschlug. Und damit beenden wir dieses Thema. 

Erst das falsche Wahlergebnis führte urplötzlich zur „Fake-News“-Debatte

Wenn sich diese Beobachtung als korrekt erweisen sollte, so sagt einem allein der gesunde Menschenverstand, dass die Behauptung, laut der das Internet und soziale Medien destruktiv in ihrer Art seien, weil sie „Fake News“ beförderten und zu irrationalen Entscheidungen ihrer Nutzer beitrügen, als vollkommen haltlos.

Ich möchte nicht behaupten, dass Donald Trumps Wahl zum neuen US-Präsidenten eine gute Wahl gewesen ist, doch vielmehr drückt sich darin aus, dass die letztjährigen Wahlen mehr als je zuvor eine Antwort auf den völlig diskreditierten und korrupten Status Quo, der sich jedweder Reform oder dem Einschlagen von alternativen Pfaden verschließt, gewesen ist.  

Wenn es nicht Trump im Jahr 2016 gewesen wäre, wäre es im Laufe der Zeit irgendwer Schlimmeres gewesen, und ja, es gibt weitaus schlimmere Kandidaten als Trump. Tom Cotton würde mir in diesem Kontext zum Beispiel in den Sinn kommen. Langfristig gesehen war es wahrscheinlich besser, dass wir diese Medizin zum jetzigen Zeitpunkt geschluckt haben.

In den frühen Tagen der sozialen Medienplattformen wie Facebook oder Twitter war jeder voll von Optimismus, doch nun, nachdem Hillary Clinton die Wahl verloren hat, sind diese Plattformen ganz plötzlich zur größten Bedrohung für unsere Gesellschaft avanciert. 

Bei allen Vorbehalten: Die sozialen Medien lassen ein nie da gewesenes globales Netzwerk entstehen

Während auch ich eine ganze Reihe von Vorbehalten gegenüber diesen Plattformen hege, wenn sich die Dinge um Zensur und die Überwachung unserer Privatsphäre drehen, bleibe ich ein Freund dieser Medien angesichts des Ausblicks auf Milliarden von Menschen, die sich weltweit in Echtzeit miteinander unterhalten können. Dadurch entstehen globale Netzwerke.

Wir haben uns so sehr an die Verfügbarkeit von sozialen Medien gewöhnt, dass viele von uns schon gar nicht mehr mitbekommen, wie revolutionär und außergewöhnlich diese Medien tatsächlich in ihrer Art sind. Nichts dergleichen hat es jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gegeben.

Es fällt mir schwer, nicht optimistisch zu sein, wenn ich darüber nachdenke, welchen Einfluss diese Entwicklung auf das Leben auf unserer Erde auf lange Sicht haben dürfte. Denken wir hierbei nur an Caitlin Johnstone, eine Frau aus Australien, von der noch vor rund zwei Jahren niemand von uns jemals etwas gehört haben wird.

Doch heutzutage verfasst diese Frau permanent einige der besten Kommentare über die US-Politik, die sich im Netz finden lassen. Wie ist das möglich und was bedeutet es? Diese Dinge sind möglich geworden, weil es soziale Medien und das Internet gibt, welche die Verbreitung von freien Meinungen und Ansichten auf globaler Basis ermöglichen. 

Freie Meinungsverbreitung für alle!

So etwas hat es in der Geschichte der Menschheit mit einer solchen Leichtigkeit zuvor noch niemals gegeben, so dass die sich hieraus vollziehenden Schlüsse mit Sicherheit als grandios bezeichnen lassen. Vor dem Internet musste jedermann, der sich öffentlich als Journalist oder Kommentator betätigen wollte, nach den Gesetzen des Systems spielen, was bedeutete, sich die Medienkonzernleiter hoch zu hangeln.

Bis dato war davon auszugehen, dass es nur die best informierten und intelligentesten Leute gewesen sein mögen, die es bis an die Spitze dieser Organisationen schafften. Wie absurd dieser Gedanke war, zeigt allein die Tatsache, dass es vor allem Ja-Sager/innen waren, die es in diese Organisationspositionen schafften, und die es niemals gewagt hätten, die herrschende Klasse auch nur in irgendeiner Art zu attackieren, geschweige denn zu kritisieren.  

Dies ist heutzutage nicht mehr länger der Fall. Vielleicht werden Sie sich auch darüber bewusst geworden sein, dass die intelligentesten und kreativsten Denker es niemals an die Spitze von solchen Medienorganisationen geschafft hätten. Befreiend wirkt deshalb die Tatsache, dass heute jedermann dazu in der Lage ist, seine/ihre Ansichten einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen – eine sehr positive Entwicklung aus meiner Sicht.

Selbstverständlich finden sich auch zahlreiche furchtbare Charaktere, die es zu einem gewissen Bekanntheitsgrad aufgrund von ihren degenerierten Ideen und Philosophien gebracht haben, doch letztendlich müssen wir das Schlechte wie auch das Gute akzeptieren. Es ist das, worum es im Hinblick auf unsere persönliche Freiheit letztendlich geht.

Weit wichtiger erscheint mir, dass sich der direkte, freie, gegenseitige und weltweite Austausch unter den Menschen über das Internet langfristig als unvorstellbar positiv auf unsere Spezies und unseren Planeten auswirken wird, selbst wenn es auf Basis eines kurzsichtigen Ausblicks nicht so aussehen mag. 

Der Bitcoin ist das Produkt einer globalen Community

Und dann ist da Bitcoin. Eine Innovation, die uns eine frühzeitige Indikation im Hinblick auf all jene Dinge ermöglicht, die durch Menschen auf der ganzen Welt geschaffen werden können, wenn untereinander beschlossen wird, auf freiwilliger Basis zusammenzuarbeiten, um etwas Revolutionäres und Besonderes zu kreieren.

Obwohl ich in der Vergangenheit mehrfach die positiven Seiten an Bitcoin hervorgehoben hatte, wozu die Tatsache zählt, dass die Kryptowährung dezentralisiert daher kommt, auf dem Geist eines freien Marktes basiert und abseits des offiziellen Regierungsgeldes ihren Aufstieg nimmt, so habe ich einen wichtigen Aspekt bislang unter den Tisch fallen lassen. Und dabei handelt es sich um die globale Community, die sich um Bitcoin spinnt.

An jedem neuen Tag interagieren Bitcoin-Akteure in der ganzen Welt miteinander, um den Entschluss Folge zu leisten, an einem weiteren gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Dabei handelt es sich um ein Experiment, das niemals an den Start hätte gehen können, wenn es das Internet nicht geben würde. 

Bitcoin zeigt, das wir die gesellschaftlichen Probleme selbst in die Hand nehmen können

Es handelt sich um das erste weltumspannende Projekt in der Geschichte, das durch einfache Menschen und Ottonormalverbraucher rund um den Planeten in Gang gesetzt wurde. Bitcoin entspringt nichts anderem als einer Graswurzelbewegung, die sich dem Versuch verschrieben hat, eines der größten Probleme zu adressieren, dem sich die Menschheit über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren ausgesetzt sah: Der Stabilität des Geldes. 

Ob Sie nun persönlich der Ansicht sind, dass es sich im Fall von Bitcoin um ein großartiges oder furchtbares Projekt handelt, spielt letztendlich nicht wirklich eine Rolle. Wichtig ist, dass Bitcoin den schlagenden Beweis dafür liefert, dass wir keine Bürokraten, Politiker oder selbst ernannte akademische „Experten“ benötigen, um unsere gesellschaftlichen Probleme zu lösen.

Vielmehr können wir alle es besser, indem wir unseren globalen Gehirnschmalz auf freiwilliger Basis vereinen, indem wir miteinander und untereinander beständig in Kontakt stehen und uns weltweit austauschen. Während Bitcoin selbst gewiss auergewöhnlich ist, resultiert die Lektion, die uns dieses globale Projekt über all die Dinge lehrt, die möglich sind, aus einem mächtigen und inspirierenden Erkenntnisgewinn. 

Geduld! Wir stehen immer noch am Anfang der Entwicklungen

Darüber hinaus benötigte es mehr als zwanzig Jahre nach Start des Internets, um dieses Projekt weitläufig – wie auch in Folge einer zerstörerischen Finanzmarktkrise – in der breiten Gesellschaft adaptierbar zu machen. In anderen Worten ausgedrückt, sollten Sie Geduld aufbringen. Verzweifeln Sie nicht.

Denn wir befinden uns noch immer in der Frühzeit dieser Entwicklung, wenn man bedenkt, dass sich rund die Hälfte aller Erdenbürger noch immer offline befindet. Ich sage hier nicht voraus, dass die globale Konnektivität des Internets zu einer Art Utopia führen wird, doch ich möchte abermals zum Ausdruck bringen, dass diese Entwicklung aus meiner Sicht sehr außergewöhnlich positive Aspekte mit sich bringen wird, die wir uns heute vielleicht noch gar nicht vorstellen können. Das Ganze befindet sich noch immer in den Kinderschuhen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2017 Michael Krieger @ libertyblitzkrieg.com