Die Container verlassen die USA leer in Richtung China…

Nach wie vor zeichnet sich keine Aussicht auf eine Entspannung der Lage an den globalen Märkten für Frachtschiffcontainer ab. Weltweit aktive Logistikunternehmen berichten unter Berücksichtigung von Lagerauffüllungen in den Vereinigten Staaten über eine teils extreme Knappheit an Frachtschiffcontainern.

Resultat ist, dass die Frachtraten für Passagen von China nach Amerika um mehr als 300 Prozent geklettert sind. Um den weltweiten Güterstrom aufrechtzuerhalten, werden in US-Häfen gelöschte Frachtschiffcontainer inzwischen leer nach Asien zurückgeschickt, um die Nachfrage unter dort ansässigen Exporteuren befriedigen zu können.

Wie der Sender CNBC berichtet, wurden zuletzt allein von Los Angeles, New York und New Jersey knapp 180.000 Frachtschiffcontainer in leerem Zustand – und somit ohne ein Verladen von amerikanischen Ausfuhrgütern – zurück über den Pazifischen Ozean geschickt.

In der aktuellen Situation spiegelt sich die Handelssituation zwischen den USA und China auf eindrucksvolle Weise wider. Mehr als jemals zuvor wird deutlich, wie abhängig sich die US-Wirtschaft von Gütereinfuhren aus Asien erweist.

Das Outsourcing von Fabriken und Arbeitnehmern wurde über die vergangenen Jahre auf eine Weise vorangetrieben, die nur noch wenig Raum für Flexibilität und Anpassungsmaßnahmen zu lassen scheint.

Der Güterstau auf den Weltmeeren droht nun gar so groß zu werden, dass amerikanischen Exporteuren – hauptsächlich im Agrar-, Rohstoff- und Minenbereich – kaum mehr Zeit bleibt, um mit eigenen Fracht- und Ausfuhrgütern beladene Frachtschiffcontainer zurück nach Asien zu schicken.

Situation gleicht einer Exportblockade für die USA

In einem weiterführenden Bericht der Washington Post heißt es hierzu, dass amerikanische Exporte zurzeit de facto einer Blockade unterliegen. Selbstverständlich beginnt sich diese Situation abermals stark negativ auf Amerikas Handelsbilanz auszuwirken.

Laut aktuellen Zahlen kletterte das amerikanische Handelsdefizit im Monat Januar auf annualisierter Basis um 3,4 Milliarden auf ein neues Rekordhoch von 221,1 Milliarden US-Dollar. Doch wie sagte Donald Trump einst? Sollen Handelskriege nicht leicht zu gewinnen gewesen sein?

In der Realität lässt sich hiervon erwartungsgemäß nichts beobachten. Ganz davon abgesehen, dass die aus dem Ausland importierten Güter Unternehmen und Verbraucher in den USA aufgrund der erhobenen Zolltarife mehr Geld kosten.

Löst sich der „Teufelspakt“ bald auf?

Bislang scheinen sich jedoch weder die Amerikaner noch die Chinesen an dieser Situation zu stören, was sich auf Sicht allerdings ändern könnte. Über die vergangenen Dekaden bestand zwischen den USA und China der sogenannte „Teufelspakt“, der sich der jetzt darstellenden Realität nicht mehr standhalten dürfte.

Bislang sorgte eine hohe Konsumnachfrage aus den USA zu einer Verschiffung von Gütern und Produkten aus China und Asien zu vorteilhaften Preisen in Richtung der USA.

Im Gegenzug erhielten die auf dem asiatischen Kontinent ansässigen Produzenten und Hersteller eine zwar im Kurs schwankende, jedoch – im Papierwährungsvergleich – relativ stabile Weltreservewährung. Doch die den vergangenen Jahrzehnten zugrundeliegenden Verhältnisse befinden sich nun spätestens angesichts der Covid-Krise in einem Wandel.

Dass in Amerika überhaupt noch in jenen vor Ausbruch dieser Krise zu beobachtenden Ausmaßen konsumiert werden kann, liegt neben einer ultralockeren Geldpolitik der Federal Reserve zudem an einer sich verewigenden Auflage von Fiskalprogrammen durch die Washingtoner Bundesregierung (samt dem damit verbundenen Abwurf von „Helikopter-Geld“).

Es stellt sich die Frage, ob China überhaupt noch dazu geneigt ist, auch zukünftig US-Dollars in hohem Ausmaß zu akkumulieren. Zuletzt getätigte Aussagen deuten eher auf das exakte Gegenteil und einen ins Auge gefassten Abbau von gehaltenen US-Staatsanleihen auf einen anvisierten Betrag von 800 Milliarden US-Dollar hin.

Amerikas Verbrauchern, deren Kaufbereitschaft durch einen Abwurf von „Helikopter-Geld“ in Form von übersendeten Schecks und generösen Aufstockungen der Arbeitslosenbezüge durch die Washingtoner Bundesregierung aufrechterhalten wird, steht keine produktive Leistung mehr entgegen.

Dollarabwertung droht!

Das bedeutet wiederum, dass US-Dollars wie am Fließband gedruckt werden, um Einkommen aus produktiven Leistungen mittels elektronisch erzeugtem Geld zu substituieren. Auch wenn sich der US-Dollar derzeit in einer technischen Gegenbewegungen in Relation zu anderen wichtigen Fiat- und Papierwährungen zu befinden scheint, droht der amerikanischen Währung langfristig eine abhaltende Abwertung.

In China weiß man das auch. Es verwundert aus diesem Blickwinkel kaum, dass die USA im vergangenen Jahr nicht nur unter einer sinkenden Produktion, sondern auch unter einem scharfen Rückgang im Bereich der ausländischen Direktinvestitionen zu leiden hatten. Zum selben Zeitpunkt ist die heimische Geldmenge förmlich durch die Decke geschossen.

Bei Bloomberg wurde im letzten Jahr ganz offen die Frage gestellt, wie lange sich die USA angesichts von explodierenden Defiziten ihrer Privilegien, welche der Status des US-Dollars als Weltreservewährung mit sich bringen, überhaupt noch werden bedienen können. Werden klassische Exportländer wie China auch in der Zukunft Bereitschaft zeigen, um US-Dollars in hohem Maße zu halten und zu „recyceln“?

Aus aktueller Sicht deutet wenig auf eine solche Entwicklung hin. Schon über den Verlauf der vergangenen Jahre hat die Volksrepublik China importierte US-Dollars anteilig in den Ausbau der eigenen Belt & Road Initiative auf dem eurasischen Kontinent investiert.

Mittlerweile sehen sich mehr als siebzig Nationen auf dem eurasischen Kontinent und in Afrika in das Projekt der Neuen Seidenstraße involviert. Die Pekinger Regierung hat längst erkannt, dass US-Dollars besser und viel eher in Projekte im Ausland, aus denen sich in der Zukunft Einkommensströme generieren lassen, zu investieren sind als den eigenen Stock an amerikanischen Staatsanleihen aufrechtzuerhalten oder gar noch auszubauen.

Und während Schiffcontainertransporte nach wie vor auf sehr zuverlässige Weise mit voller Fracht aus China in den Vereinigten Staaten ankommen, um danach in den meisten Fällen leer zurückgeschickt zu werden, deutet vieles, wenn nicht alles darauf hin, dass sich die USA in turmhohe Schulden und eine rücksichtslose Gelderzeugung stürzen, um die Verbraucher- und Konsumwirtschaft in der Heimat mit allen Mitteln am Leben zu erhalten.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Aus Perspektive Chinas ist längst damit begonnen worden, die eigens mit den Vereinigten Staaten anfallenden Handelsüberschüsse in produktive und den eigenen Einfluss mehrende Vermögenswerte zu investieren. Auf diese Weise stärkt die Volksrepublik China ihre globale Position und wird aus Sicht der Amerikaner zu einer immer größeren Herausforderung. Dies könnte ab einem bestimmten Zeitpunkt auch für den US-Dollar selbst und dessen Status als Weltreservewährung gelten.