Immer offensichtlicher zeigt sich, dass die Einführung des Euro nichts mit Ökonomie zu tun hatte. Vielmehr handelte es sich seit Anbeginn um ein politisches Projekt, welches seltsame Prinzipien zur Grundlage hatte. Die Schaffung des Euro gleicht einem Fehler von historischen Ausmaßen. Der Schaden, welcher der Europäischen Union an sich auf diese Weise zugefügt wurde, ist immens und lässt sich kaum beziffern.

Denn blickt man in die Geschichte der EU zurück, so zeigt sich, dass die ersten 45 Jahre des Länderblocks mit wirtschaftlicher Prosperität zugunsten von deren Bürgern einhergingen. Die weniger betuchten Länder profitierten in der Folge von wegfallenden oder sinkenden Zöllen und Handelshemmnissen.

Ein Anstieg der Handelsaktivitäten war die Folge. Nach der Schaffung des Euro verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum in vielen Mitgliedsstaaten zusehends. Die meisten der weniger betuchten Mitgliedsstaaten fielen im Wettbewerb immer stärker hinter die wirtschaftlich stärkeren Länder zurück.

Exportboom für Deutschland

Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Deutschland, dessen Exportwirtschaft von der im Vergleich mit der D-Mark schwächeren Eurowährung hochgradig profitierte. Griechenlands Schuldenkrise spiegelt eigentlich alle Probleme wider, die Europa bezüglich der Einführung des Euro begangen hat.

Denn Griechenland hätte der Eintritt in die Währungsunion niemals erlaubt werden dürfen. Selbst Italien oder Belgien schafften es seinerzeit nicht, die einst strikten Kriterien im Hinblick auf eine Euro-Mitgliedschaft zu erfüllen. Seit Beginn sind die strengen Regeln zur Einführung des Euros sträflich ignoriert worden.

Griechenland spaltet Europa

Dies gilt ganz besonders in Bezug auf diverse Bailout-Zusagen, geldpolitische Finanzierungen durch die Hintertür und in den meisten Mitgliedsstaaten viel zu hohen Budgetdefiziten der Regierungen. Mit anderen Worten ausgedrückt: die Europäischen Verträge sind so viel wert wie das Papier, auf dem deren einst festgezurrte Paragraphen geschrieben stehen.

Gleichzeitig fällt der britischen Führung nichts besseres mehr ein als dauerhaft davor zu warnen, dass Großbritannien einer enormen Wirtschaftskrise entgegenblicke werde, falls Griechenland einen Zahlungsausfall erklären und die Eurozone verlassen würde. Es ist schon ein wahres Heldenstück, wenn ein derart kleines Land an der Peripherie Europas dazu in der Lage sein sollte, derartige Zustände herbeizuführen.

An einem weiteren Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands wird kein Weg vorbeiführen, da der öffentliche Schuldenberg schlichtweg nicht zurückzahlbar ist. Sollte sich Syriza doch noch kurz vor knapp auf weitere Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssektor des Landes einlassen, werden die zukünftigen Steuereinnahmen nur umso heftiger einbrechen.

"Katastrophale Wirtschaftsbedingungen"

Was ist denn auf Basis der seit dem Jahr 2010 durch die internationalen Gläubiger und die Brüsseler EU durchgesetzten Spar- und Austeritätsmaßnahmen erreicht worden? Antwort: auf Basis einer internen und höchst deflationären Abwertung ist das reale Bruttoinlandsprodukt der Griechen um fast 30% eingebrochen.

Die offizielle Arbeitslosenquote hat sich zwischen 25% und 28% eingependelt, während die Löhne und Gehälter um knapp 40% sanken. Die vorgenommenen Kürzungen im Pensions- und Rentensystem des Landes haben die monatlichen Bezüge der griechischen Rentner fast halbiert. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Staatsbediensteten um knapp 30% gesunken ist.

Im Angesicht dieser katastrophalen Wirtschaftsbedingungen ist die staatliche Verschuldung – trotz eines bereits erfolgten Schuldenschnitts – hingegen pfeilschnell nach oben geschossen. Die öffentliche Verschuldung hat ein Niveau von 180% an der jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht. Nur in Japan und Italien sieht es derzeit noch schlechter aus.

Politische Folgen eines Grexits unabsehbar

Manche Protagonisten in Brüssel sind der Ansicht, dass die finanziellen Konsequenzen aus einem Austritt der Griechen aus der Eurozone kontrolliert werden könnten. Die Eurozone könne auf diese Weise sogar stärker werden als in der Vergangenheit.

Ja, fein, doch wenn dem so sein sollte, weswegen haben dieselben Protagonisten zuvor ein 50 Milliarden Euro schweres Problem durch das ständige Bewerfen mit Geld zu einem 320 Milliarden Euro schweren Problem gemacht? Fällt Ihnen auf diese Frage eine gute Antwort ein, werte Leser?

Wie uneins sich selbst die Mutglieder der EU-Kommission in ihren Einschätzungen zur Krise in Griechenland sind, zeigen die zuletzt ausgesprochenen Warnungen des deutschen Kommissars Öttinger. Notfall- und Katastrophenpläne seien es, die nun dringend gebraucht würden, falls es zu einem Grexit kommen sollte.

Falls Griechenland die Eurozone verlassen sollte, wird sich eine Einführung von Kapitalkontrollen unter keinen Umständen verhindern lassen. Die Verstaatlichung des griechischen Bankensektors dürfte daraufhin folgen. Ob die Wiedereinführung der Drachme nur die Nutzung einer Parallelwährung neben dem Euro ermöglichen würde, bleibt indes abzuwarten.

Ich glaube persönlich immer noch nicht an einen solchen Grexit. Denn die politischen Folgen wären wahrscheinlich noch weitaus katastrophaler als die ökonomischen. Die Brüsseler EU-Führung würde immer stärker in die Defensive geraten. Wo so viel Chaos herrscht, darf die Hoffnung auf bessere Zustimmungswerte unter manchen Bevölkerungen einfach nicht mehr zu einem bedingungslosen Mantra gemacht werden.