Hopfen und Malz scheinen noch nicht verloren. Es darf Hoffnung geschöpft werden, denn Autor Robin Harding knöpft sich in einer Kolumne der Financial Times das Gebaren von Milliardeninvestor Warren Buffett vor, um damit kritisch ins Gericht zu gehen.

Selbstverständlich stehen den astronomischen Schulden, die aktuell in der ganzen Welt ausstehen, auch enorme Vermögen gegenüber. Doch wie ich so oft in der Vergangenheit schrieb, muss und darf man sich die Frage stellen, in welch elitären Händen sich diese Vermögen befinden?! Es handelt sich dabei um eine kleine Gruppe von Superreichen wie Warren Buffett & Co.

Dass das 1% an der Spitze der Gesellschaft und Personen wie Warren Buffett, die momentan laut eigener Aussage mal eben schlappe $100 Milliarden auf dem Konto liegen haben, ein persönliches Interesse an der durch Regierungen verfolgten Bailout-Politik auf dem Höhepunkt und nach dem Überwinden der globalen Finanzkrise hatten, ist selbstredend.

„Investitionsverhalten eines Warren Buffett trägt zur Zerstörung der Weltwirtschaft bei“

Denn auf wen in der Welt würden Schuldenschnitte und dergleichen denn eigentlich in hohem Maße zukommen? Im Falle eines großen Knalls letztendlich auf alle Menschen, die sich in irgendeiner Weise als Kredit- und Darlehensgeber an den internationalen Finanzmärkten verdingt haben. Doch auf einen Warren Buffett in Relation gewiss noch zu einem weit höheren Grad als bei allen anderen.

Wie Robin Harding in der FT schreibt trüge das Investitionsverhalten eines Warren Buffett auf direkte Weise zur Zerstörung der Weltwirtschaft bei, und entmutige Unternehmen darüber hinaus auch, weiterhin mit einem Auge auf den so wichtigen Faktor der neuen Innovationen zu schielen, die eine Wirtschaft anzuschieben in der Lage sind.

„Buffettismus“ führt zu sinkenden Kapitalinvestitionen in der Realwirtschaft

Da sehr viele Anleger Warren Buffett auch für dessen Erfolge bewunderten, müsse konstatiert werden, dass Buffetts enormer Einfluss auf die Finanzmärkte „auch eine sehr dunkle Seite“ habe. Denn der so genannte „Buffettismus“ leiste laut Harding einen enormen Beitrag zur Aushebelung des Wettbewerbs und führe letztendlich zu sinkenden Kapitalinvestitionen in der Realwirtschaft.

Okay, fein. Wie schön, dass solche Ansichten nun auch einmal in einem Mainstream-Medium wie der Financial Times die Runde machen. Hoffentlich wird das Echo darauf entsprechend laut sein. Ebenso ist darauf zu hoffen, dass diese kritische Sichtweise mit Blick auf die Aktivitäten am internationalen Finanzmarkt, die ich persönlich seit vielen Jahren vertrete, nicht gleich wieder zerpflückt und durch andere Finanzmedien hinab geschrieben und mittels Abwertung beantwortet wird.

Buffett ermutige die Managements der durch ihn aufgekauften Unternehmen dazu, Burggräben um deren Geschäftsmodelle zu errichten, wie Harding weiter ausführt. Echte Konkurrenz samt einer potenziellen Abwanderung von Geschäftskunden in Richtung von Wettbewerbern könne auf eine solche Weise nicht aufkommen.

Wichtige Innovationen werden nicht unterstützt

Buffett hatte sich vor allem einen Namen als langfristiger Investor im Hinblick auf Cash-Cow-Firmen wie Coca Cola oder Dairy Queen gemacht. Investitionen in Technologieunternehmen schien Buffett jedoch aufgrund der Schnelllebigkeit des Sektors, sowie einer aufgrund dieses Faktors stets in Frage stehenden Überlebensfähigkeit der jeweiligen Sektorenunternehmen, zu scheuen.

Ausnahme hiervon bildet das jüngste Investment Buffetts in Apple. Harding kritisiert, dass Buffett „ein Meister darin ist, sich in Monopolprofite einzukaufen“. Im Gegensatz dazu habe Buffett niemals im so wichtigen Bereich von Start-Up-Unternehmen oder dem Setzen auf neue revolutionäre Ideen gewirkt. Vielmehr zeigten Buffetts jüngste Investitionen, dass der Anlageguru verstärkt auf regulierte Industrien wie die Elektrizitäts- oder Eisenbahnbranche setze.

Die steten Dividendenströme dürften für diesen Investmentansatz ausschlaggebend sein. Buffett hatte im letzten Jahr selbst erklärt, dass sich ideale Geschäftsinvestitionen auf Bereiche gründeten, die keine hohen Kapitalinvestitionen erforderten und trotzdem einen guten Ausblick auf Wachstum lieferten.

Das Ergebnis: Die Produktivität leidet, echtes Wachstum wird verhindert

Doch auf welche Weise wirken sich solche Investmentansätze auf die breite Realwirtschaft aus, die stets und in Zyklen vom Durchbruch neuer Innovationen abhängig ist? Weder die Bereitschaft zu neuen Investitionen im Firmensektor wird auf Basis einer solchen Sicht- und Herangehensweise gestärkt, noch kommt es zu einer sich verbessernden Produktivität, wie beispielsweise auch Ex-Fed-Chef Alan Greenspan in jüngerer Vergangenheit immer wieder warnte.

Und wer einen Blick auf die CAPEX-Investitionen in den Vereinigten Staaten wirft, wird sich bestätigt fühlen. Hier findet seit Jahren eine empfindliche Schrumpfung statt, da Unternehmen und Konzerne im aktuellen Umfeld viel eher auf eine sich intensivierende Finanzialisierung ihrer Geschäftsmodelle zu setzen scheinen. Seit Jahren anhaltende Aktienrückkäufe sind in diesem Kontext nur ein Stichwort.

Alles, was Amerikas Wirtschaft wirklich benötige, um wieder nachhaltig und fern ab von staatlichen Interventionen zu wachsen, werde auf Basis des aktuellen Geschäftsmodells konterkariert. Nun, in dieser Feststellung befindet sich Harding in dessen Sichtweise in der Tat nicht mehr weit entfernt von meinem Blogkollegen Dr. Paul Craig Roberts, der vor zwanzig Jahren schon zu den Mahnern gehörte.