Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1728 (07:25 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1664 im US-Geschäftmarkiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.75. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.88. EUR-CHFoszilliert bei 1.1631.

Der Faktenkatalog liest sich wie folgt (Bewertung kursiv):

Man will zunächst auf neue Zölle verzichten.

Das entspricht einer markanten Deeskalation und ist positiv zu bewerten. Die europäische Autoindustrie darf erst einmal aufatmen. Die deutschen Produzenten in den USA sind ja auch ein Anker des Kfz-Exports der USA.

Die EU werde mehr Soja und Flüssiggas importieren.

In Europa werden LNG-Terminals gebaut. Diesbezüglich ist die qualitative Aussage unproblematisch, da eine quantitative Zusage ausgeblieben ist. Hinsichtlich der erkennbaren Ernteausfälle in Europa ist der Sojaimport eigentlich nur logisch. Jean-Claude Juncker hat einen guten Job bei diesen Vereinbarungen für die EU gemacht.

Bei Industriegütern sollen die Zöllewegfallen.

Der Markt war besorgt über fortgesetzte Eskalation bei Zöllen. Nun ergibt sich das genau umgekehrte Bild, zumindest perspektivisch. Chance, nicht Risiko steht auf der Finanzmarktagenda!

Ausbau des Handels in den Sektoren Dienstleistungen, Chemie und Pharma steht auf der Agenda.

Das entspricht nicht Reduktion des Modells der Globalisierung, sondern eine Forcierung der arbeitsteiligen Weltwirtschaft für die Teilnehmer USA und EU, sofern den Worten auch Taten folgen. Letztere ist durchaus wahrscheinlich, da die USA primär an Cash-Flows interessiert sind.

Man will an einer Reform der WTO arbeiten.

Das lag im Interesse der USA. Dieses Entgegenkommen der EU ist vertretbar, da das Regelwerk auf dem Status 1995 basiert. Seitdem haben sich markante Veränderungen in der Struktur der Weltwirtschaft ergeben, die strukturelle Veränderungen in der WTO ermöglichen.

Damit bestätigt sich einmal mehr, dass der US-Disruption eine konstruktive Haltung seitens der US-Administration folgt. Über Formen des Diskurses reden wir hier nicht. Aus dem Risiko eines verminderten bilateralen Wirtschaftsaustausches zwischen EU und USA wird nun die Chance auf ein intensiveres ökonomisches Verhältnis mit positiven Impulsen für dieWeltwirtschaft.

Fazit:

Dieses Treffen hat die Substanz am Ende ein wirklicher "Game-Changer" zu werden. Gibt es Gründe für Euphorie? Nein, denn Worten und Absichtserklärungen müssen Taten folgen. Gibt es Gründe für substantiell fundierte Zuversicht?? Ja, denn die bilaterale Agenda wurde ausgetauscht. Eine weitere 180 Grad Wende bedeutete insbesondere für die USAmerklichen Gesichtsverlust. Last, but not least: Diejenigen, die Jean-Claude Juncker zuletzt laut kritisierten, dürfen jetzt einmal in sich gehen. Für diese Leistung verdient er sich ein "Chapeau!"

Die Verlautbarungen, die uns von Seiten BRICS erreichten, stimmen auf keinen Fall negativ. Erkennbar ist eine klare Determination für den freien Welthandel und das Bewusstsein, dass die aufstrebenden Länder dieser Welt für circa 67% der Weltwirtschaft stehen (1990 circa 20%), für 88% der Weltbevölkerung und 70% der Weltdevisenreserven kontrollieren.

Chinas Regierung hat die Schwellenländer bei dem Treffen Johannesburg aufgefordert, in Handelsfragen enger zusammenzuarbeiten. Der Aufstieg der Schwellen- und Entwicklungsländer sei unaufhaltsam und werde das globale Wachstum ausgeglichener machen.

Dem stimmen wir zu. Wir mögen Strukturprojekte wie "One Belt - One Road". Das ist Frieden stiftend und Wohlstand mehrend ...

Datenpotpourri der letzten 24 Stunden:

Eurozone:

Der GfK-Konsumklimaindex sank per August insignifikant von zuvor 10,7 auf 10,6 Punkte. Der französische Konsumklimaindex verharrte per Berichtsmonat Juli bei 97 Punkten. Die Arbeitslosenquote Spaniens sank im 2. Quartal von 16,75% auf 15,30% (Prognose 15,80%) und markierte damit den niedrigsten Stand seit dem 4. Quartal 2008!

Der deutsche IFO-Geschäftsklimaindex setzte mit einem marginalen Rückgang per Juli von 101,8 auf 101,7 Punkte (Prognose 101,5) einen positiven Akzent. Der Lageindex legte von 105,2 auf 105,3 Zähler zu (Prognose 104,8), während der Erwartungsindex von 98,5 auf 98,2 Punkte sank (Prognose 98,1). Die Geldmenge M-3 der Eurozone nahm per Juni im Jahresvergleich um 4,4% (Prognose 4,0%) nach zuvor 4,0% zu.

Kredite an Unternehmen verzeichneten per Juni einen Anstieg im Jahresvergleich um 4,1% nach zuvor 3,6%. Hier baut sich Dynamik auf. Die Zunahme ist aber immer noch unterproportional und unterstreicht den hohen Qualitätsaspekt der wirtschaftlichen Expansion der Eurozone, die maßgeblich auf wiederkehrenden Einkommen basiert (Unterschied zu USA und UK)!

Kredite an private Haushalte stiegen im Jahresvergleich per Juni analog zum Vormonat um 2,9%. Auch das unterstreicht den Qualitätsaspekt des Wachstums der Eurozone!

USA:

Der Absatz neuer Wohnimmobilien sank per Juni von zuvor 666.000 (revidiert von 689,000) auf 631.000 Objekte in der auf das Jahr hochgerechneten Darstellung. Die Prognose lag bei 670.000 Immobilien. Hier wurde der schwächste Wert seit Oktober 2017 markiert.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert, sofern das Unterstützungsniveau bei 1.1490 - 1.1520 nicht unterschritten wird.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer

Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH


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