Und weil Russland nach Ansicht so vieler westlicher „Experten“ und Regierungen global zu isolieren ist, dürfte ein Angriff auf die Existenz des Petrodollars nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Russland ist auf dem Weg, neue Allianzen mit China und im Fernen Osten zu schließen, während der Westen nichts besseres zu tun hat, als sich mit Sanktionsdrohungen gegenüber Russland zu überschlagen. Europa und das Brüsseler Politbüro haben unterdessen jedoch – wie so oft – keinerlei Plan, auf welche Weise die extreme Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen mittelfristig zu minimieren wäre. Indes wird im Osten der Weg zur Schaffung von weiteren Fakten geebnet. Es geht jetzt um nichts anderes als um die lang erwartete Attacke auf den Petrodollar. Game of Thrones geht definitiv in die nächste Runde – doch nicht der heillos überforderte John Kerry, sondern Wladimir Putin lässt sich in diesem geopolitischen Schachspiel mit Tywin Lannister vergleichen, wenn ihn niemand durch plötzlichen Tod aus dem Spiel nehmen sollte.

Westliche Politiker sind vor lauter Ideologieverblendung, anmaßender Hybris und maßloser Selbstgerechtigkeit dabei, unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung aus den Angeln zu heben und ein sehr gefährliches geopolitisches Spiel zu betreiben

Während Präsident Putin die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland offiziell machte, befand sich Igor Sechin bereits auf dem Weg nach Asien, um die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russlands Partnern im Osten zukünftig zu vertiefen. So trat er in Tokio vor die Mikrofone, um westliche Regierungen vor einer Verhängung weiterer Sanktionen gegen sein Land zu warnen.

Laut eigener Aussage würden sich möglicherweise verhängte Wirtschaftssanktionen als sehr kontraproduktiv für den Westen erweisen. In seinem Gefolge befanden sich auch Vertreter des russischen Energiekonzerns Rosneft, die mitteilten, dass Russland sich nach Fernost ausrichten werde, falls Europe und die USA ihren russischen Partner zu isolieren versuchten. Schließlich warteten im Fernen Osten auf Russland bereits neue Geschäftsaktivitäten, die vor allem die Branchen Energie sowie Rüstung und Militärtechnik einschlössen.

Darüber hinaus gehe es um das Schmieden von neuen politischen Allianzen. Als „Heiliger Gral“ wurde der Abschluss eines Gasliefervertrags zwischen Russland und China bezeichnet. Nach Jahren der Verhandlungen könnte nun alles ganz schnell gehen. Schon im Mai könnte es zur Unterzeichnung eines solchen Gaslieferabkommens zwischen China und Russland kommen, wenn Putin zum Staatsbesuch in Peking empfangen wird.

Vorläufige Vereinbarung zu Russlands und Chinas Gasabkommen im letzten Jahr; nur der Preis steht noch zur Verhandlung

Falls Putin mit einem solchen finalen Vertrag in der Tasche nach Hause zurückkommen sollte, wird er der Welt verkünden können, dass sich die globalen Machtverhältnisse wieder ein Stück weiter nach Osten verschoben haben. Deutlich würde in diesem Fall auch zutage treten, dass Russland den Westen nicht braucht. Als bemerkenswert in der aktuellen Krise hat sich herausgestellt, dass Putin am Donnerstag sowohl China als auch Indien für ihre Unterstützung in der Krim-Krise offenen Dank aussprach.

So isoliert, wie es westliche Medien mehrheitlich darstellen, ist Russland also keineswegs. Vielmehr zeichnet sich immer stärker ab, was ich in den letzten Jahren bereits ausführte: nämlich dass die neuen Allianzen zwischen Russland, China und dem Iran nun besiegelt werden. Nicht nur der globale Handel wird dadurch weiter unter die Räder kommen, sondern auch die heutige Phase der Globalisierung steht damit schlichtweg – wie schon ihrer Vorgänger – vor einem erneuten Scheitern. 

Und wieder könnte uns dieses neue Kapitel im Globalisierungswettbewerb hin zum Ausbruch eines neuen Weltkriegs führen, nun, nachdem deutlich wird, wie sehr viele Wirtschaftsräume – auch dank einer hemmungslosen und exzessiven Kreditexpansion durch Notenbanken und kommerzielle Kreditgeber – in Scherben liegen. Laut russischer Think Tanks werde Russland umso enger mit China zusammenrücken, desto mehr sich die Spannungen und Beziehungen mit dem Westen verhärteten.

Bereits vor 4 Wochen wurde über Interesse der Südkoreaner an russischem Gas über chinesische Pipelines berichtet

Und die Zeichen könnten für Wladimir Putin kaum besser stehen. Immerhin enthielt sich China am vergangenen Samstag im UN-Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seiner Stimme, als es um die Verabschiedung einer Resolution ging, die eine Annexion der Krim durch Russland als völkerrechtswidrig erklären wollte. Chinas neuer Premier Xi zeigte schon im letzten Jahr, wie sehr ihm an einer engen Bindung zu Russland gelegen ist, nachdem er seinen Antrittsbesuch nicht etwa im Westen, sondern in Moskau bei Wadimir Putin machte.

Immer mehr Geostrategen sind der Ansicht, dass eine starke Allianz zwischen Russland und China beiden Ländern dienlich wäre, um gegenüber den USA ein Gegengewicht zu bilden. So treibt der Westen China und Russland sich gegenseitig in die Arme, obwohl es seit den 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch immer einzelne Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Ländern gibt, die fast schon einmal an den Rande eines Krieges geführt hätten, als die Sowjetunion noch existierte.

Doch derlei Dinge scheinen im Angesicht der aktuellen geopolitischen Lage für beide erst einmal zur Nebensache geworden zu sein. So hofft der russische Gaskonzern Gazprom darauf, ab dem Jahr 2018 Gas über eine neue Pipeline nach China zu pumpen. Laut eines Gazprom-Sprechers hätten beide Seiten den Monat Mai ins Auge gefasst, um eine solche Vereinbarung offiziell zu verkünden. Ergänzt wurde, dass es nur allzu logisch sei, dass beide Seiten zu einer Vereinbarung kämen, wenn Wladimir Putin zum Staatsbesuch in China empfangen wird.

Letztendlich geht es wohl nur noch um die Preisfrage. Und China wäre nicht China, wenn es die aktuelle Situation zwischen Russland und dem Westen nicht für sich auszunutzen versuchte. So Laut russischer Industrievertreter ersucht die Pekinger Führung Russland wohl um leicht bessere Preiskonditionen als sie zurzeit zwischen Russland und der EU herrschen. Auch eine potenzielle Ausbeutung von Fracking-Gas in Chinas Nord- und Nordostregionen müsse in einen potenziellen Gaslieferabschluss mit Russland einbezogen werden.

Doch schon im laufenden Jahr hat China Deutschland als größten Gasabnehmer Russlands überholt, dank eines Geschäfts, dass der Energiekonzern Rosneft abgeschlossen hatte. Dieses Geschäft sieht Gaslieferungen an China über die Ostsibirisch-pazifische Gaspipeline und über eine Gaspipeline vor, die durch Kasachstan hindurchführt. Eine deutliche Ausweitung des bilateralen Handels wird auch zu einer weitaus dominanteren Rolle des Rubels oder Yuans im Hinblick auf die finanzielle Abwicklung dieser Geschäfte führen.

Alternativ könnten gar durch Gold gedeckte Geschäfte in Frage kommen. Wer diese Entwicklungen ein wenig weiter denkt, wird erkennen, dass vor allem der Iran ein großes Interesse eines Anschlusses an diese im Osten neu entstehende Achse haben dürfte. Inwiefern Indien bereit wäre, sich daran – trotz seiner langjährigen Dispute mit China – zu beteiligen, bliebt abzuwarten. Bemerkenswert ist zumindest, dass Chinas größter Ölhandelspartner Saudi-Arabien, dessen Kronprinz in der letzten Woche ebenfalls durch Chinas Staatspräsident Xi empfangen wurde, ganz offensichtlich eine noch stärkere Handelsverflechtung mit China anstrebt.

Sollten sich diese neuen Allianzen tatsächlich auf diese Weise herausbilden und offiziell verkündet werden, fragt es sich, wer in der Welt isoliert und ohne Kleider dastehen wird. Im Osten würde sich eine rohstoffdominierte Achse bilden, die dem Westen nicht nur auf Augenhöhe begegnen, sondern auch den Petrodollar beerdigen könnte, indem diese Rohstoffe bilateral auf Basis eigener Währungen oder Gold abgewickelt werden.

US-Außenminister John Kerry hat zumindest einmal verstanden, dass sich Game of Thrones voll am Entwickeln ist. Allerdings scheint er in diesem Spiel, in dem er eine höchst überforderte Figur abgibt, schlechte Karten zu besitzen. Was haben er und die USA – außer Nuklearwaffen – den Spielern im Osten entgegen zu setzen, während ein immer größerer Teil der westlichen Bevölkerungen verständlicherweise immer unzufriedener mit ihren eigenen Regierungen ist, die Wohlstandsschere immer weiter auseinanderklafft und Enthüllungen über geheimdienstliche Vollüberwachung den demokratiestiftenden und menschenrechtsfreundlichen Westen wie die DDR 2.0 aussehen lassen? Eine weitere Karte, die Putin ausspielen dürfte, um die Europäische Union politisch vollends zu spalten, wenn der Gashahn tatsächlich erst einmal abgedreht werden sollte.