Er war ein Held, dieser Offizier der Roten Armee. Er war dies nicht nur für sein Land, das es heute nicht mehr gibt. Genauso wenig wie ihn, der schon im Mai diesen Jahres verstorben ist, dessen Tod erst jetzt die globale Bühne erreicht. Er ist ein Held für uns alle, dieser Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der technologischen Wahnsinn erkannte. Dadurch verhinderte er unser aller Untergang.

Für ihn reichte das, was er als anfliegende amerikanische Raketen auf dem Bildschirm seiner Überwachungsanlagen zu erkennen glaubte, nicht aus, um den atomaren Untergang zu befehlen. Er wurde dafür wegen Befehlsverweigerung herangezogen und eine Karriere gab es für ihn nicht mehr. Das war ihm egal, er rettete uns alle. Deshalb sollten wir ihn als einen großen Menschenfreund im Gedächtnis bewahren.

Reicht das für uns aus? Offensichtlich nicht. Oberstleutnant Petrow war es noch möglich, Elemente des möglichen atomaren Untergangs zu erkennen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Ich kann sein Vorgehen nachvollziehen, weil ich als deutscher Verteidigungsminister in der letzten großen NATO-Übung im Kalten Krieg im Frühjahr 1989 dieser zwanghaften Logik ausgesetzt gewesen bin. Als die NATO die Zerstörung Dresdens und Potsdams im Übungsgeschehen anordnen wollte, war für mich Schluss und für den deutschen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl auch. Deutschland verließ zum ersten Male in seiner Geschichte eine NATO-Übung.

Und heute? Demnächst wird eine Kriegserklärung wohl über Twitter kommen, ziemlich beiläufig und am frühen Morgen Berliner Zeit. Es läuft ja wieder wie in der Hochzeit des Kalten Krieges. Amerikanische Panzer rollen in diesen Tagen quer durch Deutschland an die Front. Unsere Panzer stehen wieder vor Leningrad/St. Petersburg und wir haben den Frieden erneut verspielt, den wir nach 1990 nicht nur für Europa hätten umsetzen können. Stattdessen hat die NATO mit dem Krieg gegen Jugoslawien den Krieg wieder nach Europa geholt.

Es hilft alles nichts, aber wir sollten Petrow, den russischen Offizier, in unseren Herzen und unserem Verstand behalten.


Willy Wimmer, Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a.D.

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